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K12 @ re:publica 2013 – Tag 3

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Mit etwas Verspätung folgt heute der Rückblick auf den dritten und letzten Tag der re:publica, die am Mittwochabend vorbeigegangen ist. 

Das Bild der re:publica war am letzten Tag vor allem geprägt von Rollkoffern, auch die Stuhlreihen waren sichtbar leerer. Das Programm war trotzdem nicht minder interessant – hier eine Auswahl meiner besuchten Sesssions an Tag 3:

Gesundheit im Internet

Wie in so vielen Dingen sind uns die Skandinavier hier Meilen weit voraus: Alexander Schachinger von healthcare42 zeigte, was im Norden Europas schon normal ist, während hier im Deutschland Innovationen nur schleppend voranschreiten – zum Beispiel die digitale Krankenakte, die sich sogar bei der älteren dänischen Bevölkerung  etabliert hat und aktiv genutzt wird. Der Trend geht beim Thema Health 2.0 vor allem in Richtung Crowdsourcing, denn hier kann man auf die Unterstützung (vor allem chronisch) kranker User setzen, die hoch motiviert sind, an Lösungen mitzuarbeiten, die ihr Leben mit der Krankheit erleichtern sollen. Diese Zielgruppe ist außerdem meist überdurchschnittlich gut informiert und ins Thema involviert, sodass hier mit wertvollem Input gerechnet werden kann. Was wir bei K12 außerdem bereits bei einigen Social Media Ausits für Kunden aus dem Healthcare-Bereich feststellen konnten: Die Aktivitäten von Patienten im Web gehen längst über die bloße Recherche von Ärzten hinaus. Was Patienten im Web suchen, sind Räume, in denen sie sich mit Gleichgesinnten austauschen können.

10 Vorschläge, um die Welt zu verbessern

Etwas klassenclownig kam Felix Schwenzel (der unter wirres.net, seinem „Fachblog für Irrelevanz“, bloggt und unter @dilpix twittert) auf der Stage des prall gefüllten Saals daher. Aber er hat trotzdem ein paar ernst gemeinte Tipps für die Zuhörer: „Dieses Pathos“, von dem Sascha Lobo immer rede, sei „Quatsch“, wenn man die Welt (auf digitalem Wege) verbessern wolle. Stattdessen lieber mal wütend werden, sich äußern und streiten, aber mit Fakten argumentieren. Wie auf Lobos letztem Chart an Tag 1 stand auch bei Schwenzel in großen Lettern: Machen! Schwenzel forderte außerdem: Mehr Stefan Niggemeiers, weniger Pathos-Buddhas im Netz – womit er mich spätestens jetzt doch vollends überzeugt hatte.

Wie das Internet literarisches Schreiben verändert

Von dieser Session hatte ich mir definitiv mehr versprochen: Der 50.000-Follower-Twitterer @Vergraemer alias Jan-Uwe Fitz sollte beschreiben, wie sich Twittern und paralleles Verfassen von Büchern aufeinander auswirken und wie sich das Schreiben und Veröffentlichen durch das Web wandelt. Leider lieferte Fitz hier keine fundierten Erkenntnisse, sondern nutzte die Session eher als Lesung bzw. Vermarktungsmöglichkeit für sein neues Buch. Da ich dem „Taubenvergrämer“ aber selbst seit gefühlten Ewigkeiten auf Twitter folge, fand ich es  interessant, die Person dahinter kennenzulernen – von daher: keine verschwendete Zeit.

I palindrome I – Your Life is Mine

Mein Highlight von Tag 3: Der Engländer Marcus Brown von der Münchener Agentur We Are Social erzählte, wie er in die Rolle des fiktiven Charakters „Jack the Twitter“ (@jacktheT), um Leute zu stalken? Wie das geht: offensichtlich kein Hexenwerk. Wir, die auf der re:publica häufig erwähnte „Netzgemeinde“, hinterlassen heute an so vielen Stellen Spuren im Netz – manche mehr, manche weniger -, sodass es ganz leicht ist, uns aus- und hinterzuspionieren. Hier ein Check In auf Foursquare, dort ein Instagram-Foto des Mittagessens und überall die öffentlich einsehbaren Angaben über unsere Person. Wie ein Profi-Profiler hat Brown hinter der Maske von „Jack the Twitter“ Infos über User aggregiert und ihnen auf teils beängstigende Weise auf deren Tweets geantwortet. Irgendwann hat Brown sein Stalkertum abrupt gestoppt. Warum? Es war ihm selbst zu creepy. Eindringlich hat er versucht, seine Zuhörer wach zu rütteln: „What the fuck are we doing here?!“ – Man konnte förmlich spüren, wie jeder im Saal seine eigenen Aktivitäten kurz kritisch überdenken musste. Spätestens dann, als Brown die Profile von drei tatsächlichen re:publica-Besuchern vorstellte, die via Foursquare eingecheckt hatten und die er kurzerhand ausspioniert hatte. Ob diese drei Personen tatsächlich im Raum gesessen haben, wurde zwar nicht enthüllt, aber gruselig und lehrreich war es allemal. Ein großartiger Talk!

Besser leben für Geeks

Der vollständige Titel der Session klang vielversprechend: Richtig essen, richtig schlafen, und lasst die Mate weg: Besser Leben für Geeks. Ob man sich hier ein paar hilfreiche Tipps holen kann? Zumindest waren zahlreiche Mate-Trinker anwesend, die anscheinend ihr Koffein-Problem bekämpfen wollten. Wer in Chemie damals gut aufgepasst hat, konnte den Erläuterungen von Mathias Bauer, der unter @moeffju twittert, und seinen Ernährungstipps bestimmt etwas abgewinnen. Was ich als Chemie-Niete vor allem mitgenommen habe: Das grelle, blau-weiße Licht des Bildschirms simuliert uns, egal zu welcher Tageszeit, es wäre mitten am Tag. Mit Hilfe von Tools wie z.B. Flux wird die Farbtemperatur des Bildschirms automatisch der Tageszeit angepasst. Das wird direkt getestet! Außerdem erfuhr ich, dass ein Koffein-Entzug in ca. 2 bis 9 Tagen zu bewerkstelligen sei. Ob das auch getestet werden will, entscheide ich bei der nächsten Tasse Kaffee.

Video-Interview mit Ai Weiwei

Ganz groß von der re:publica, eine Videokonferenz mit dem chinesischen Protestkünstler Ai Weiwei einzurichten, dem man via Twitter Fragen stellen konnte! Leider musste ich hier vorzeitig zum Zug aufbrechen. Trotzdem eine krönende Abschluss-Session der re:publica 2013. Was ich danach offensichtlich auch verpasst habe: mehrere hundert re:publica-Besucher und das Orga-Team sangen im Chor „Bohemian Rhapsody“. Naja, nächstes Jahr!

Das war also die re:publica 2013. Ein großes Lob an die Veranstalter, denn:

  • was man hier an Input einholen kann, ist großartig – vor allem zu Themen, die man vorher noch gar nicht für sich entdeckt hatte.
  • getreu dem diesjährigen Motto In/Side/Out hat es Spaß gemacht, den Blick von sehr spezifischen Fragen, die sich uns oft im Arbeitsalltag stellen, auf das große Ganze, die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu lenken und kritisch zu reflektieren.
  • ich konnte parallel einen Hardcore-Kurs in Multitasking absolvieren (Zuhören, Twittern, nächste Programmpunkte checken).
  • das Flair war kreativ und kritisch – wie die „Netzgemeinde“ eben sein sollte.
  • auch organisatorisch lief alles einwandfrei.

Hut ab! Bis nächstes Jahr!

Ein Kommentar

  1. Pingback: Zusammenfassende Dokumentation Health Sessions auf der re:publica 13 | Medizin und Neue Medien

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