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Warum ist RSS wichtig? Oder: Hat RSS eine Zukunft?

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Letzte Woche hat es die Nachricht, dass Google den Google Reader einstellt, auf die Titelseiten vieler Leitmedien geschafft. Gleichzeitig wurden viele alternative Lösungen genannt, mit denen RSS Feeds gelesen werden können (siehe zum Beispiel diesen Beitrag in derstandard.at). Alles in Butter also?

Mitnichten. Dass gefühlt 95% aller RSS-Reader für Mobilgeräte einen Google Reader Account zur Synchronisierung voraussetzen, mag verschmerzbar und umgehbar zu sein. Aber mit Google hat RSS eben dem prominentesten Unterstützer verloren. Schon Apple hat beim letzten Update des Browsers Safari die RSS-Unterstützung zurückgefahren, also sind es schon zwei der Big Player im Web, die das Format nicht mehr pushen. Facebook ist sowieso außen vor. Ob Google Reader nur vorübergehend tot ist und via Google plus aufersteht, ist erst mal Kaffeesatzleserei. Ich kann das nicht nachvollziehen, warum sollte Google dann auf Tools hinweisen, mit denen die eigenen Feed-Adressen gerettet werden können?

Nun mag man einwenden, was die Aufregung soll, RSS sei sowieso nur ein Standard für eine Minderheit. Leider habe ich keine belastbaren Zahlen zur Nutzung oder Verbreitung gefunden. Ich glaube (!), dass RSS aktiv wirklich nur von einer Minderheit genutzt wird, aber dass die Mehrheit von dieser Nutzung profitiert. Inwiefern? Und:

Warum ist RSS wichtig?

  1. Weil man damit wunderbare Anwendungen bauen kann („Mash ups“), angefangen bei personalisierten Nachrichtenkanälen bis hin zu Monitoringlösungen. Davon profitieren viele Nutzer eher unbewusst, weil über RSS der Nachrichtenaustausch zwischen verschiedenen Plattformen einfach gehandhabt wird. Das steigert die Verfügbarkeit von Informationen, aber eher im Hintergrund. Voraussetzung dafür ist…
  2. …das RSS ein offener Standard ist. Das Protokoll ist offen, relativ flexibel und technisch stabil. Mit stabil meine ich, dass nicht dauernd die Regeln geändert werden: Kritiker von RSS argumentieren, dass die User inzwischen das Gros ihrer Nachrichten via Twitter und Facebook beziehen. Das mag so stimmen, gleichwohl ändern beide Player dauernd die Regeln, eher hin zu mehr Verschlossenheit, wie das Beispiel der zunehmenden Einschränkungen bei der Nutzung der Twitter-APIs zeigt. Will man sich wirklich auf diese Alternativen verlassen?
  3. Der praktische Nutzen ist groß, vor allem für Nutzer, die intensiv oder professionell mit Informationen aus dem Web umgehen und arbeiten müssen. Zum Beispiel, weil sich darüber Fachquellen wesentlich bequemer, übersichtlicher und „nichtflüchtiger“ als z.B. via Twitter beobachten lassen.

Ich persönlich würde den Niedergang von RSS sehr bedauern. Ich hoffe, dass andere wichtige Player wie WordPress & Co. die Unterstützung beibehalten.

Autor: Jörg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. In den vergangenen 20 Jahren hat Jörg Hoewner zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32 bzw. +49 (177) 4594974

2 Kommentare

  1. Dem kann ich nur zustimmen. Ich benutze RSS sowohl beruflich, als auch privat sehr intensiv. Um täglich in kürzester Zeit einen Überblick über neue Inhalte der abonnierten Websites etc. zu erhalten ist RSS auf Grund seiner Einfachheit und Stabilität ungeschlagen.

    Ich denke auch, dass die Nutzerzahl gar nicht so gering ist, wie das Beispiel feedly andeutet. Hier haben sich innerhalb von 48 Stunden nach Googles Ankündigung mehr als 500.000 neue Nutzer angemeldet (http://blog.feedly.com/2013/03/15/priorities-keeping-the-site-up-and-adding-new-features).

  2. Ich kann nur schätzen, vielleicht liegt der Anteil der aktiven Nutzer vielleicht bei 10-20% Prozent, aber das ist nicht valide, sondern aus dem Bauch heraus.

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