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Erstes Agentur Barcamp – Ein Erfahrungsbericht

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Agenturen im Aufbruch!

(Illustration: © camera-obscura.agency)

Am 28. und 29. Januar fand in Frankfurt das erste Agentur Barcamp statt. Mit gemischten Gefühlen und niedrigen Erwartungen machten wir uns also Donnerstagmorgen um 6 Uhr auf nach Frankfurt. Bis dahin hatte ich noch nie an einem Barcamp teilgenommen. Hier und da habe ich natürlich schon einmal was von diesem Format gehört: kaum Regeln, keine Speaker und jeder kann eine Session gestalten. So richtig konnte ich mir jedoch nicht vorstellen, wie so ein freies Format funktioniert. Also dachte ich mir, einfach mal überraschen lassen.

Um 9 Uhr ging es zunächst mit einem kleinen Frühstück los. Oder um es genauer zu sein: mit einer sehr langen Kaffeeschlange. Gegen 10 Uhr gab es eine Einführung von Jan Theofel. Für Barcamp Neulinge erklärte er die Grundregeln und wie die beiden Tage ablaufen würden. Die Vorfreude stieg und die Stimmung unter den Teilnehmern war direkt sehr lustig und offen. Nach einer Vorstellungsrunde mit Name und drei Hashtags (Meine: #Change #Beratung #Interne Kommunikation) konnte es auch schon mit der Sessionplanung losgehen. Für mich ganz unerwartet bildetete sich sofort eine lange Schlage und viele spannende Sessions wurden in 60 Sekunden vorgestellt. Danach hatte man die Qual der Wahl: Am ersten Tag entschied ich mir für folgende Themen:

  1. Snapchat – Hands on
  2. Wie unternehmerisch muss der Agenturmitarbeiter der Zukunft sein?
  3. Wie lässt sich Strategiearbeit *besser* bei Agenturen anbieten?
  4. RE.A.L – Lean + Agile radikal – keine Angebote und Verträge
  5. AR: Print und Digital verbinden
  6. Agentur Zukunft – Analog? Digital? Mensch oder Maschine?
Sessionplanung

Sessionplanung (Bild: Facebook Agentur Barcamp)


Snapchat für Unternehmen

Mit Snapchat begann meine erste Session sehr praktisch. Zum Glück erging es einigen Teilnehmern so wie mir bei diesem Thema: einmal installiert, nicht direkt verstanden und ignoriert. Nach den 45 Minuten war ich dank Djure Meinen hier sehr viel schlauer und kann nun Snapchat auch als Kanal der Internen Kommunikation in Unternehmen empfehlen.

Erfolgsmodell Urlaubsflatrate?

Im weiteren Verlauf des Tages ist mir besonders die Diskussion mit Jan-Kristian Jessen und Kersten A. Riechers von quäntchen+glück in Erinnerung geblieben. Das Agenturmodell der zwei basiert auf der völligen Freiheit aller Mitarbeiter. Sie bieten eine Urlaubsflatrate (alle dürfen so viel Urlaub nehmen wie sie wollen und brauchen), sehr flexible Arbeitszeiten und maximales Mitspracherecht. Besonders die Urlaubsflatrate sorgte für viel Gesprächsstoff. Fragen wie „Reden wir hier über das Agenturmodell der Zukunft? Braucht man solche Anreize, um guten Nachwuchs für sich zu gewinnen? Funktioniert das Modell auch bei großen Agenturen?“ wurden diskutiert. Die Meinungen gingen besonders zwischen den alten Agenturhasen und den jungen Kollegen weit auseinander. Alle Teilnehmer konnten für sich am Ende neue Perspektiven auf das Thema mitnehmen.

Agentur ohne Verträge

Noch radikaler wurde es beim Vortrag RE.A.L. (Raw Estimates, Lean und Agile). Sven Ditz von sitegeist stellte ein Modell für Agenturen vor in dem viele zeitraubende Aufgaben wie detaillierte Angebote und Verträge schreiben einfach abgeschafft wurden. Abteilungen im herkömmlichen Sinne wurden aufgelöst und Teams aufgestellt, die ohne Projektmanager agieren. Die Agentur sitegeist nutzt dieses Modell seit 1,5 Jahren und hat für sich nur Vorteile entdecken können. Das Modell lieferte auch zwischen den Sessions für Gesprächsstoff, besonders die Frage in wie weit sich die eigenen Kunden auf so ein Modell einlassen würden.

Den ersten Tag beendeten wir mit einem gemeinsamen Abendessen im Hotelrestaurant und einem darauffolgendem Besuch der Rooftop Bar. Nach einigen Bieren wurden die Diskussionen nicht weniger spannend. Themen des Tages wurden wieder aufgegriffen und in kleinen Runden Meinungen und Tipps weitergegeben.

Abrechnungsmodelle in der Diskussion

Der zweite Tag begann mit ähnlich viel Kaffee wie der erste. Nach einer kurzen Aufwachphase planten alle Teilnehmer gemeinsam die Sessions des Tages. Die Sorge, dass zu wenige Sessions angeboten werden wurde schnell zerschlagen. Am zweiten Tag nahm ich an folgenden Sessions teil:

  1. Pricing
  2. Kundenportfolio der Zukunft
  3. Projektmanagement Methodik – Wasserfall vs. Agile

Besonders die Session über verschiedene Abrechnungsmodelle hat mich überrascht. Die Diskussion wurde sehr offen geführt, verschiedene Modelle besprochen und Vor- und Nachteile diskutiert. Die Gruppe tauschte Erfahrungen und Tipps aus.

Für mich als Beraterin/Projektmanagerin war darüber hinaus die Session mit einer Gegenüberstellung der beiden Methoden Wasserfall und Agile sehr spannend. Meine Erfahrungen aus dem klassischen Projektmanagement konnten durch die von Internetagenturen erweitert werden. Die Vorteile von Scrum und Sprints wurden diskutiert und überlegt, ob man diese Methode auch auf klassische Agenturen und offline Projekte übertragen kann. Der zweite Tag zeichnete sich durch noch intensivere Gespräche zwischen den Sessions aus.

Fazit

Meine Erwartungen an das erste Agenturen Barcamp wurden übertroffen. Überrascht hat mich die Offenheit aller Teilnehmer auch bei sehr sensiblen Themen wie beispielsweise Pricing. Die Stimmung war durchgehend sehr angenehm. Das Format Barcamp hat mich ebenfalls in allen Fassetten überzeugt. Durch die große Vielfalt an Sessions war für jeden etwas dabei und falls nicht, konnte man einfach selber eine Session halten. Ich konnte in den zwei Tagen sehr viel für mich und meine Arbeit mitnehmen. Neue Ideen, Perspektiven und konkrete Ansätze werde ich in den nächsten Wochen/Monaten bei uns ausprobieren oder umsetzen.

Meine 5 Hashtags für die zwei Tage:

# NeueOffenheit
# SpannendeDiskussionen
# Kaffee_vs_Tee
# AgilesProjektmanagement
# InteressanteMenschen

Autor: Eva Spekl

Eva Spekl ist Beraterin Change / interne Kommunikation bei K12 - Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Ob „daily business“ oder konzeptionelle Herausforderung: Sie stemmt ihre Projekte mit einer guten Portion Neugier, Begeisterungsfähigkeit und Spaß.

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