K12

Blog sponsored by … – ja und?

| Keine Kommentare

Blogs erreichen Menschen – und damit potenzielle Käufer. Blogs sind themenspezifisch – und damit geeigneter Raum für produktspezifische Werbung. Doch „klassische“ Online-Werbung ist immer noch offensichtliche Werbung und das Risiko der Reaktanz ebenso hoch wie bei Werbespots oder Anzeigen. Daher ist auch bei Werbemaßnahmen auf Blogs „subtiler“ oft „besser“. Und der subtilste Weg führt meistens über den Inhalt – gerade im Fall von Mode- und Lifestyle-Themen.

Blog als beidseitiges Geschäftsmodell
Immer mehr Unternehmen investieren mittlerweile Geld in PR-Kooperationen mit Bloggern, damit ihre Produkte innerhalb des Blogcontents Aufmerksamkeit finden. Von der simplen Produktzusendung bis hin zu organisierten Bloggertagen ist dabei einiges denkbar, um einen Blogger dazu zu bringen, über ein bestimmtes Produkt zu schreiben – und das möglichst positiv. Schließlich sollen die Leser nicht nur informiert, sondern vor allem zum Kauf angeregt werden. Doch nicht nur das Unternehmen, sondern auch der Blogger kann von einer solchen Kooperation monetär profitieren. Denn neben den neuen Werbemärkten bietet die Blogosphäre vor allem auch neue Geschäftsmodelle – nach dem Motto „Ich will an dem Gewinn, den du durch mich hast, mitverdienen.“ Und auch hier bieten sich zahlreiche Möglichkeiten. Besonders ertragreich scheint neben bezahlten Posts, bei denen schon das reine Schreiben über ein Produkt vom Unternehmen entlohnt wird, die Nutzung von Affiliate Marketing. Das Unternehmen stellt also dem Blogger ein Produkt zur Verfügung, welches dieser in Blogbeiträgen beschreibt und mit einem direkten Link auf den Vertriebskanal – z. B. den Online-Shop des Unternehmens – verweist. Erfolgt über diesen Link ein Kauf, erhält der Blogger eine Provision. Im Falle von beispielsweise Jessica Weiß, seinerzeit mit LesMads und aktuell Journelles (700.000 Abrufe pro Monat) eine der erfolgreichsten Mode-Bloggerinnen Deutschlands, liegt diese bei fünf bis zwölf Prozent.

Im Dutzend lukrativer…
Diesem wachsenden Potenzial gewahr, schließen sich immer mehr Blogger in Netzwerken zusammen, um ihr Blog professionell vermarkten und damit Geld verdienen zu können. In Deutschland sorgt beispielsweise Glam Media – einer der Spitzenreiter der Branche – dafür, dass täglich zielgruppenadäquate Werbeformate über eine der über 200 Publisher-Seiten laufen, die das deutsche Netzwerk umfasst. Darüber hinaus wirkt Glam Media als Schnittstelle zwischen Werbekunden und Publishern, wenn es zum Beispiel um die Vermittlung von Sponsored Posts oder weitergehenden Kooperationen geht.

… aber nicht authentischer?
Doch nun werden Stimmen lauter, die aufgrund von eben jenen Kooperations- und Geschäftsmodellen um Unabhängigkeit und Authentizität mancher Blogs fürchten – waren  diese doch bisher zwei der schlagenden Argumente, die das Blog von Magazinen oder Zeitschriften abhoben. Aber wo liegen noch die Unterschiede, wenn Themen und Inhalte nicht aufgrund der eigenen Überzeugung oder des persönlichen Geschmacks, sondern nach der Spendier- und Bezahlfreudigkeit von Unternehmen ausgewählt werden? Und wo ist die Grenze zwischen dem Blog als Meinungsmedium und PR-Maschine zu ziehen? Denn bei allem Willen zu unabhängigen Beiträgen: Kaum ein Unternehmen wird weiterhin für Posts bezahlen, die das gesponserte Produkt in einem anderen als dem gewollten positiven Licht dastehen lassen.

Transparenz und stimmige Blog-Partner gegen Authentizitätsverlust
Für deutsche Blogger dürfte es hierzulande nur eingeschränkt möglich sein, sich vollkommen intransparent mit gesponserten Inhalten zu versorgen. Denn Blogs fallen in Deutschland unter das Telemediengesetz – weswegen „kommerzielle Kommunikation“ auch klar als solche gekennzeichnet werden muss.  Ein Blogger muss also deutlich machen, wenn ein Beitrag auf einem gesponserten Produkt fußt. Anders sieht der Fall jedoch beispielsweise bezüglich Geschenken oder der Einladung zu Events aus. Hier liegt keine Deklarierungspflicht vor, obwohl die anschließenden Berichte – zumindest aus Sicht der Unternehmen – wahrscheinlich nicht minder der kommerziellen Kommunikation dienen.
Das Deklarieren von gesponsertem Inhalt ist die eine Sache. Die Frage, ob sich Blogger spitz gesagt derart verkaufen möchten, eine andere. Soll ein Blog Geld bringen, führt wahrscheinlich kein Weg daran vorbei, dieses auch von denjenigen zu beziehen, die für Inhalte sorgen. Die Chance der Blogger dürfte die sein, sich eventuell ihre passenden „Kunden“ aussuchen zu können und den monetären Stamm langsam wachsen zu lassen, um weiterhin eine gewisse Authentizität zu wahren. Und eine Möglichkeit zur breiteren Auswahl an Partnern kann beispielsweise die Professionalisierung durch Netzwerke sein. Im Idealfall hat der Blogger auch hier weiterhin das letzte Wort, ob ein zu beschreibendes Produkt zu ihm passt und im Blog auftaucht oder nicht, wie Katja Dalhöfer von Glam Media in einer Diskussionsrunde auf der diesjährigen re:publica deutlich machte.

Realistischere Einschätzungen seitens der Leser
Wahrscheinlich muss sich jedoch der Leser eines Mode- oder Lifestyle-Blogs darüber im Klaren sein: Die veröffentlichten Themen stammen aus einer Branche, die zugleich ein riesiges Geschäft ist, an dem jeder teilhaben will. Ebenso wie Leser von Mode- oder Lifestyle-Magazinen nicht damit rechnen können, dass sämtliche Artikel über Designer, Labels und Co. aus völliger Neutralität und ohne die unterstützende Wirkung von PR-Samples oder Presse-Events entstanden sind. Und dennoch ist bisher kaum jemand  auf die Idee gekommen, den Journalisten mangelnde Objektivität oder Bestechlichkeit zum Vorwurf zu machen, obwohl sich diese schon von Berufs wegen durch den Pressekodex genau dazu verpflichten. Ganz im Gegensatz zur Bloggergemeinschaft, die von vorneherein auf Subjektivität und eigene Meinung setzt (interessant hierzu auch der Blogbeitrag von Jürgen Müller).

Und vielleicht sollten daher die „Gegner“ dieser Zusammenarbeit von Bloggern und Industrie ihre Stimmen wieder senken – denn die Mode- und Lifestyle-Themen, die einem bestimmten Maß an Unabhängigkeit und Scharfsinn bedürfen, sind andere als die, die sich um zu testenden Lippenstift oder organisierte Blogger-Tage mit Shooting in Kollektionsteilen drehen. Beiträge, die bei Trends genauer hinschauen und diese zum Beispiel in einen sozialen Kontext einbetten oder die Geschichten spannender Persönlichkeiten zu erzählen wissen, wird es auch weiterhin geben – ohne, dass Geld von Unternehmen fließt.

Autor: Lara Czerwonka

Lara Czerwonka arbeitet in den Bereichen Inhaltsentwicklung und Visueller Kommunikation bei K12.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


2 + zehn =