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Socialbars – Gemeinsam sozial im Netz unterwegs: Bericht aus Bonn (und Köln)

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Seit zwei Jahren besuche ich die Socialbar Bonn und seit der Gründung vor einem Jahr auch öfter die in Köln. Bei Socialbars treffen sich im weitesten Sinne “soziale Player” und tauschen sich zu ihren Webaktivitäten aus. Manchmal sind die Themen und Themenfacetten wirr (Beispiel: „Techi“ spricht über Datenschutz vor Menschen, die noch nie einen „Code“ gesehen haben). Aber die Ziele sind in der Regel wichtig, die Leute nett und unprätentiös. Die Vorträge dauern nicht länger als zehn Minuten, die Fragen normalerweise auch nicht und das Networking am Schluss ist eigentlich immer interessant. Hier ein Erfahrungsbericht aus Bonn mit Erklärung für alle, die noch nie bei einer Socialbar waren. Und am Textende ein kurzer Vergleich der Kölner und der Bonner Socialbar.

Rainer Sentis zeigt einen QR-Code, der auf Postern in Kirchen eingesetzt wird

Rainer Sentis zeigt einen QR-Code, der auf Postern in Kirchen eingesetzt wird; Foto: social_bar_bonn, 4. Juni 2012, Barbara Frommann © Alle Rechte vorbehalten

Einblick in die 12. Socialbar Bonn am 4. Juni 2012: Wie realistisch ist Interaktivität auf Unternehmensseiten?

„Aus zwölf Followern wurde eine große Community“, zitiert Rainer Sentis, Pressesprecher des Katholischen Stadtdekanats Bonn, eines seiner eigenen Postings im Social Web und schmunzelt. Interessiert stellen die Zuhörer Fragen zum Freigabeprozess von Social-Media-Texten in der katholischen Kirche. Denn Abstimmungsprozesse mit “höher Gestellten” gibt es nicht nur dort.

Dr. Tobias Knobloch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) kennt die Schwierigkeit, in großen Einrichtungen von der so genannten Push- hin zur Pull-Kommunikation zu kommen. Knobloch spricht über die Social-Media-Aktivitäten des Ministeriums und die Schwierigkeit der Abstimmung mit Entscheidern im Kontrast zum schnellen Handlungszwang im Social Web. Dazu kommt die Frage: “Wie interaktiv können wir wirklich sein, um den Pflege- und Abstimmungsaufwand noch schultern zu können?” Ebenfalls eine Thematik, die immer wieder bei SocialBars auftaucht und Knobloch anspricht: “Dürfen nicht-kommerzielle Einrichtungen, die den Datenschutz ihrer Follower respektieren, überhaupt bei Facebook präsent und aktiv sein?” Die Socialbar Bonn selbst hat sich nach langem Zögern für eine Facebook-Präsenz entschieden. Die Hauptseite ist und bleibt aber ein Wiki.

Auch bei Holger Jan Schmidt von Sounds for Nature Foundation e. V. hören die Gäste in den Räumen von „Engagement Global“ im Bonner Bundesviertel konzentriert zu. Das Thema des ehemaligen „Rheinkultur“-Leiters: eine Social Media Kampagne zum Zeltabbau auf Festivals mit dem Titel „Love your tent“. Der Anlass: Jedes sechste Zelt wird bei Festivals einfach stehen gelassen. Mit einem Video, einer Facebookseite und Vielem mehr will die Initiative dagegen wirken.

Soziale Akteure deutschlandweit zusammenbringen

Dr. Tobias Knobloch vom BMZ bei seinem Vortrag

Dr. Tobias Knobloch vom BMZ bei seinem Vortrag; Foto: social_bar_bonn, 4. Juni 2012, Barbara Frommann © Alle Rechte vorbehalten

Wo sonst kommen innerhalb einer Stunde und im selben Raum ein Vertreter der katholischen Kirche, ein Rock-Festivalorganisator und ein Ministeriumsmitarbeiter zusammen, um über das gleiche Thema zu sprechen und sich verständnisvoll anzulächeln? Das Ziel der mittlerweile in 14 Städten vertretenen Socialbars beziehungsweise ihrer Organisatoren wird augenscheinlich erreicht: Erfahrungsaustausch und Netzwerken zwischen sozialen Einrichtungen, Unternehmen und Engagierten zu ermöglichen.

Die erste Socialbar fand 2008 in Berlin statt. Akteure sollten unter dem Motto „Erfahrungsaustausch – online vernetzen, offline bewegen” an der „Schnittstelle Zivilgesellschaft und Social Media“ regelmäßig zusammen gebracht werden. Von Hamburg bis München, von Köln bis Berlin treffen sich inzwischen Web-Aktivisten, „Social Entrepreneurs“, NGOs, ehrenamtliche Helfer, Politiker und Unternehmen mit sozialer Verantwortung.

Der Ablauf in Bonn ist immer gleich: Erst gibt es eine kurze Vorstellungsrunde, bei der sich jeder, einschließlich Publikum, mit drei Schlagworten („Tags“) präsentiert. Es gibt drei zehnminütige Vorträge, für die sich jeder Teilnehmer bei den Organisatoren „bewerben“ kann. Über die Vorträge, die kurzen, jeweils anschließenden Diskussionsrunden sowie im persönlichen Gespräch am Ende bei Brezeln und Bier oder Wasser tauschen die Teilnehmer Erfahrungen, Projekte und Ideen aus. Dahinter steckt in gewissem Rahmen das „Barcamp“-Konzept, eine freie Konferenzform, bei der die Teilnehmer selbst den Ablauf bestimmen und referieren. Bei Socialbars sitzen allerdings deutlich weniger Gäste mit Notebook da als bei anderen Bar Camps.

Die Bars werden von engagierten Privatpersonen organisiert. Aber diese Privatpersonen sind Menschen mit einem Beruf, und für ihre Organisationen ist eine Socialbar ein gutes Aushängeschild. In Bonn übernehmen die “Deutsche Welle” und “Engagement Global” sogar großenteils die Organisation der Veranstaltung. Aber auch wenig beteiligte Einrichtungen und Unternehmen können die Socialbar zu sich einladen. Die nächste findet im Post Tower statt.

Networking bei der 2. Social Bar Köln

Networking nach der 2. Social Bar im betahaus Köln; Foto: social_bar_koeln, © Timo Bäcker

Socialbar Bonn und Köln im Vergleich

Die Bonner Socialbar hat entsprechend ihrem Standort eine andere Zielgruppe als die Kölner. In der ehemaligen Bundeshauptstadt tauschen sich vor allem Vertreter der ansässigen NGOs, NPOs und Ministerien über ihre Internetaktivitäten aus. Die Gastgeber-Organisationen haben illustre Namen wie „Gesellschaft für Entwicklungszusammenarbeit“ oder „Aktion Mensch“.

Bei der Socialbar Köln dagegen trifft sich die Kölner Nachhaltigkeits- und Medienszene (Freiberufler, Agenturmitarbeiter und ehrenamtlich Interessierte) zum Austausch. Und zwar – anders als in Bonn – nicht nur zum Thema “Social Media”. „Das Virtuelle soll – im Sinne von transmedialem Storytelling – helfen, in der Realität etwas zu verändern“, erklärt Mitbegründer Martin Herrndorf. Jeder Abend steht unter einem anderen Motto (wie „Bildung: Mit Herz und Hand“ oder demnächst geplant: „Gründung“ und „Urban Culture“). Passend zu den Teilnehmern findet das Ganze immer in der Bar eines Co-Working-Space statt: dem betahaus in Ehrenfeld. Die Idee ist „Agentur- und Nachhaltigskeitsszene, Design und Gewissen“ zusammenzubringen und “den ursprünglichen Socialbar-Ansatz so weiterzuentwickeln und lokal anzupassen”.

Socialbar-Konzept weiterverwenden

Für alle in Städten ohne Socialbar interessant: Das Konzept darf weiterverwendet werden. Die Organisation einer Socialbar-Veranstaltung in anderen Städten ist ausdrücklich erlaubt, so gibt es – um im Rheinland zu bleiben – beispielsweise noch keine Socialbar in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf. Weitere Informationen zur Gründung gibt es unter socialbar.de

 

Weiterführende Links

Zur 12. SocialBar Bonn

Zur Organisation

 

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