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Apps für Afrika: Die mobile Revolution auf dem Kontinent eröffnet neue Chancen für Prosperität und effiziente Entwicklungshilfe

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Ständig klingelt irgendwo in Afrika ein Handy. Kein Wunder: 545 Millionen Menschen zwischen Kairo und Kapstadt konnten 2013 mit dem eigenen Mobile telefonieren. Mittlerweile dürften es noch einmal deutlich mehr sein, Schätzungen gehen von rund 600 Millionen Handybesitzern. Damit hat sich die Zahl der Nutzer nach Angaben der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) seit 2005 mehr als versechsfacht. Die Branche boomt, Netzbetreiber gehören vor allem im subsaharischen Afrika zu den profitabelsten Unternehmen. Mit einem Börsenwert von mehr als 20 Milliarden Euro ist die südafrikanische MTN Group der mobile Platzhirsch auf dem Schwarzen Kontinent. MTN ist Marktführer in neun afrikanischen Ländern, darunter Nigeria, Uganda, Ghana, Botswana und Kamerun, und mittlerweile auch im Iran aktiv.

Mit dem Handy telefoniert man – und macht Geschäfte

Handys sind Entwicklungsmotoren und helfen damit auch im Kampf gegen die Armut. Von der Weltbank veröffentliche Zahlen belegen, dass die mobile Revolution nicht nur der Branche selbst Nutzen bringt: Jedes weitere Handy pro 100 Menschen in einem Entwicklungsland sorgt für ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent-Punkten. In manchen Haushalten soll das monatliche Einkommen durch Smartphone und die ebenfalls immer beliebter werdenden Tablets um zehn bis 30 Prozent gestiegen sein. Die Gründe für den partiellen Wohlstand dürften auch mentalitätsbedingt sein: Das Handy wird im geschäftigen Afrika nicht nur zum Telefonieren benutzt – man macht Geschäfte damit.

Gerade dort, wo die sonstige Infrastruktur am schlechtesten ist, eröffnen Handys völlig neue Möglichkeiten – der Netzausbau ist selbst in entlegenen Regionen fernab der pulsierenden Metropolen wie Lagos, und Nairobi verhältnismäßig gut. Davon profitiert vor allem die Landwirtschaft, denn die meisten Afrikaner sind Bauern. Sie über ihr Handy Preise mit den Kunden verhandeln; Landwirte und Fischer können per Handy Marktpreise und Wetterdaten abfragen und so ihre Geschäfte dank eigens dafür programmierter Apps profitabler organisieren. Auch Händler sind dank Mobile stets erreichbar und können schneller disponieren.

Digitale Entwicklunmgshilfe von SAP: App für Sheanuss-Farmer in Ghana

Welches Potenzial in der digitalen Kommunikation verborgen liegt, haben auch in Afrika engagierte Entwicklungshelfer längst erkannt: Westliche NGOs und regierungsnahe Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) fördern mobilfunkbasierte Projekte. Beteiligt sind nicht selten Unternehmen aus den Geberländern im Rahmen von Public Privat Partnership (PPP). So hat die Software-Firma SAP eine Smartphone-App entwickelt, die Bauern in Ghana beim Vertrieb der vor allem in der Kosmetikindustrie verwendeten Sheanuss unterstützt. Marktpreise und Ertragsmengen werden dank des schnell auf jedem Handy installierten digitalen Helferleins transparent – den Sheanuss-Farmern ist gerechter Lohn für ihren Fleiß gewiss.

Mobile Apps werden in der Entwicklungspolitik eine immer wichtigere Rolle spielen – nicht nur als Vertriebsinstrument wie in Ghana. M-Learning und Serious Gaming liegen voll im Trend, um die Menschen spielerisch für Themen wie Umwelt- und Artenschutz, nachhaltige Agrarwirtschaft oder sensiblen Umgang mit Wasser zu sensibilisieren. Lern-Apps haben vor allem in Südafrika Konjunktur – dort wird das Handy in entlegenen Landstrichen kurzerhand auch mal zur Lehrerin.


 

20 interessante Links rund um Afrikas rasanten Entwicklungs- und Wirtschaftsmotor „digitale Kommunikation“

 

1.   http://booknow.co.ke/home

Beliebte Onlinebuchungsplattform für Bustickets in Kenia und Uganda. booknow ermöglicht dem Nutzer den Kauf und die Bezahlung von Busfahrkarten per Smartphone. Das Ticket wird dem Fahrgast nach Onlinezahlung per SMS auf das Handy geschickt.

 

2.   http://www.icow.co.ke/

Der kenianische Service iCow schickt Kleinbauern Tipps für die Tierhaltung per SMS auf das Handy. Diese Gesundheits- und Ernährungsratschläge sollen helfen, Kühe und Hühner richtig zu halten und so ihren Ertrag zu maximieren.

 

3.  http://mfarm.co.ke/

MFarm liefert Kenias Landwirten auf Anforderung die aktuellen Marktpreise für ihre Ernteerträge per SMS auf das Handy. Daneben bietet der Service seinen Nutzern Tools, um Abnehmer für Produkte finden und Informationen über aktuelle Trends im Agribusiness erhalten zu können.

 

4.   http://www.mowoza.com/

Nützliche App für Wanderarbeiter in Südafrika: Sie können per Smartphone Lebensmittel und andere Bedarfsgüter bestellen, bezahlen und über lokale Händler an ihre Familien in den Heimatdörfern liefern lassen.

 

5.   http://www.bribed.co/

Korruption – in Afrika ist sie alltägliche Lebenswirklichkeit. Die Android-App bribed aus üdafrika zeigt ihren Usern die durchschnittliche Höhe der Bestechungsgelder an eren Aufenthaltsort oder Route an. So soll verhindert werden, dass sich der Nutzer gegenüber Polizisten oder Grenzbeamten „freundlicher“ erweist, als er es müsste.

 

6.   http://www.pambazukomashinani.org/

Pambazuko Mashinani, eine Gemeindeorganisation aus dem Slum Korogocho im kenianischen Nairobi, hat einen telemedizinischen Dienst für schwangere Frauen und Tuberkulose-Patienten eingerichtet. Da für diese eine Reise ins nächste Krankenhaus oft zu teuer oder zu gefährlich ist, können sie über diesen Dienst per SMS Kontakt mit den Klinken halten und Tipps, Terminerinnerungen oder Medikamente bekommen.

 

7.    http://www.getworkforceapp.com/

Die südafrikanische Workforce-App ist ein mobiles Personalplanungssystem für Baustellen, das Arbeitgeber und Arbeiter zusammenbringt. Dabei stellen die Baustellenverantwortlichen ihren Bedarf an Arbeitern, Einsatzdatum, Verdienst und Ort ein.  Arbeiter können auf das Angebot per SMS reagieren.

 

8.   http://www.fr-online.de/wirtschaft/entwicklungshilfe-software-fuer-die-savanne,1472780,11145896,view,asFirstTeaser.htm

Lesenswerte Reportage aus der Frankfurter Rundschau über die „Wenchi-App„: Das Gemeinschaftsprojekt von GIZ und SAP-Konzern ermöglicht Sheanuss-Bauern in Ghana die digitale Vermarktung ihrer Ernte.

 

9.   http://re-publica.de/global-innovation-gathering

Im Rahmen der re:publica findet diese kleine, aber feine Konferenz statt, auf der Blogger, Programmierer und Produktentwickler aus Afrika und Lateinamerika mit Stakeholdern der westlichen Entwicklungspolitik zusammen kommen und sich über neue digitale Potenziale austauschen.

 

10.   http://afrilabs.com/

Netzwerk von 27 Tech-Hubs aus 15 afrikanischen Ländern. Programmierer und Kreative entwickeln gemeinsam neue digitale Ideen und Lösungen, die der Entwicklung des Kontinents dienen sollen.

 

11.   https://africahacktrip.org/

Neun Computerfreaks touren fünf Wochen lang durch Ostafrika. In Nairobi, Kampala, Kigali und Daressalam trafen sie sich mit lokalen IT-Spezialisten, um Ideen zu entwickeln und diese zu programmieren. Unter anderem entstand dabei ein mobiles Übersetzungs-Tool für Suaheli-Redewendungen ins Englische.

 

12.   http://www.safaricom.co.ke/personal/m-pesa/m-pesa-services-tariffs/relax-you-have-got-m-pesa

Vom kenianischen Internetunternehmen programmierte App für den bargeldlosen Zahlungsverkehr – dank der Kooperation mit Vodafone ein Welterfolg. Mittlerweile wird ein Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung in Kenia über M-Pesa abgewickelt; das Handy-Bezahlsystem ist inzwischen in ganz Ostafrika, in Ägypten sowie neuerdings auch in Indien und Afghanistan am Markt.

 

13.   http://www.elearning-africa.com/

Jährlich findet die 2006 gestartete Konferenz „eLearning Africa“ in einem anderen afrikanischen Land statt und ist zur größten Experten-Plattform rund um die Themen eLearning und Serious Gaming auf dem Kontinent geworden. Organisiert wird das Tregffen, das in diesem Jahr in Uganda stattfindet, von der ICWE GmbH mit Sitz in Berlin.

 

14.    http://www.m-ubuntu.org.za/

Digitales Lernen „made in South Africa“: Durch Übungen, die mittels der m-ubuntu-App auf dem Smartphone durchgeführt werden können, soll die Lese- und Schreibkompetenz von Kindern und Jugendlichen am Kap gestärkt werden.

 

15.   https://gc21.giz.de/ibt/opt/site/gc21/public/mobile/start_mlearning.jjsp

Global Campus 21 E-Academy – ein entwicklungspolitisches Forum für Mobile Learning, gegründet von der GIZ.

 

16.   http://www.muenchner-kreis.de/

Der MÜNCHNER KREIS möchte die digitalisierte Wissens- und Informationsgesellschaft durch seine Arbeit aktiv mit gestalten. Als gemeinnützige, internationale Vereinigung an der Nahtstelle zwischen Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Gesellschaft bietet der MÜNCHNER KREIS eine unabhängige Plattform. Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Aktivitäten setzt er sich konstruktiv mit den Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung – auch im entwicklungspolitischen Kontext – auseinander

 

17.   http://www.fossfa.net/

Free and Open Source Software Foundation for Africa (FOSSFA): Netzwerk, dass sich für den verstärkten Einsatz von kostenfreier Open Source Software auf Linux- Basis in Afrika einsetzt, um durch Kostenersparnis die Wirtschaft anzukurbeln.

 

18.    http://www.jana.com/

Über das bis vor kurzem unter dem Namen txteagle firmierende Portal können kleine Übersetzungsaufträge an englischsprachige Mobilfunknutzer vergeben werden. Für bis zu drei Dollar pro Stunde werden vor allem Dokumente aus dem Englischen in einen der vielen lokalen Dialekte in Afrika übersetzt.

 

19.    http://web.worldbank.org/WBSITE/EXTERNAL/TOPICS/EXTINFORMATIONANDCOMMUNICATIONANDTECHNOLOGIES/0,,contentMDK:21525950~pagePK:210058~piPK:210062~theSitePK:282823,00.htm

Das Village Phone-Projekt des Friedensnobelpreisträgers Muhammad Yunus aus Bangladesh hat Afrika erreicht. Kleinunternehmer erwerben über einen Mikrokredit ein Handy und stellen es gegen Gebühr anderen Menschen zum Telefonieren zur Verfügung.

 

20.   http://www.giz.de/

Auf der Internetseite der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) finden sich viele Informationen zur Entwicklungsarbeit der regierungsnahen Organisation in Afrika.

 

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