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Böse, böser, PowerPoint?

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PowerPoint macht dumm. Das jedenfalls behauptet die Frankfurter Allgemeine Zeitung in einem Artikel zu einer Studie des Münchener Bildungsforschers Dr. Christof Wecker. Eine ziemlich gewagte These der FAZ, denn anders als der Artikel es glauben macht, warnen Forscher keineswegs vor PowerPoint und das Programm mache auch nicht dumm. Das gibt die Meta-Analyse, die der Münchener Wissenschaftler anhand von 40 Studien zu dem Thema durchgeführt hat, auch nicht her. Stattdessen greift der Artikel das weit verbreitete Klischee „Todesursache: PowerPoint“ (besser bekannt als „Death by PowerPoint“) auf, und driftet dann auch noch ins Reich der Polemik ab, wenn die Rede davon ist, dass heutzutage sogar Bäckerei-Fachverkäuferinnen PowerPoint-Schulungen ertragen müssten.

PowerPoint am Pranger

Mit allem steht dieser Artikel nicht alleine. Die Kritik am weitverbreiteten Programm von Microsoft ist nicht neu. Kürzlich fragte das Wall Street Journal „Did PowerPoint Ruin GM?“ und spielte damit auf ein Desaster an, in dem der amerikanische Autokonzern General Motors nicht rechtzeitig Schlüsse aus einer Serie von tödlichen Unfällen zog. Ursache war ein mangelhaft konstruiertes Zündschloss. Während tatsächlich einige wichtige Zahlen in den Präsentationsdokumenten untergingen oder in den Anhang wanderten, was den Rückruf um einige Monate verzögerte, gingen dem mehrere Jahre mit Managementfehlern und Kommunikationsproblemen voraus, die nichts mit PowerPoint zu tun hatten. Ein Bericht für die National Highway Traffic Safety Administration zeigt die Fehler bei GM deutlich auf.

Doch was ist das Problem mit PowerPoint? Weckers Ergebnisse lassen sich leicht zusammenfassen: Folien werden zur Hauptsache, der Präsentator wird zur Nebensache, der eigentliche Vortrag wird vergessen oder gar nicht erst wahrgenommen. Das beschreibt die klassische PowerPoint-Präsentation sehr treffend. Zu viel Text auf den Folien, unklare Grafiken, die eher dekorieren statt illustrieren. Alles das zieht nicht nur Aufmerksamkeit weg vom Vortrag, sondern macht die Informationen meist unnötig kompliziert. Das Resultat: ein Vortrag, der ohne PowerPoint-Präsentation wahrscheinlich besser gewesen wäre.

It’s not the software, stupid

Doch die Kritik geht in die falsche Richtung, denn meist wird das Programm selbst als Grund für die PowerPoint-Misere überall angesehen, und nicht der Nutzer. Dabei erscheint es zunächst einleuchtend. Ein Programm, das schätzungsweise auf einer Milliarde von Rechnern installiert ist, und es Nutzern ohne langjährige grafische Ausbildung leicht macht, Text und Grafik zu kombinieren. Das kann doch nicht funktionieren. Hinzu kommt das, was der emeritierte Yale Professor Edward Tufte den „cognitive style“ von PowerPoint nennt. Danach fördere das Programm hierarchisches und lineares Denken, Dekoration und das Übernehmen voreingestellter Standards. Der Kern des Problems ist jedoch nicht was PowerPoint macht, sondern wie es verwendet wird. Längst ist es nicht mehr nur ein Werkzeug für Vorträge, die mit visuellen Zusatzinformationen angereichert werden sollen. Es ist Teleprompter, Kollaborations-Tool, Bericht-Generator, Broschüren-Gestalter und Animationsfilm-Studio für alles vom Meeting mit einer Handvoll Kollegen bis zur großen Aktionärshauptversammlung. Das ist jedoch eher eine Stärke von PowerPoint. Ideen lassen sich mit PPTs einfach und schnell in Organisationen verbreiten.

Ziel- und gruppengerecht kommunizieren!

Wir Nutzer von Vancouver bis Vanuatu sind jedoch unkritisch geworden, wann und wie ein PowerPoint-Dokument Sinn macht. Die langen Bulletpoint-Listen und Tabellen-Slides, die ich mit meinen Kollegen nach vielen Tagen zusammen erarbeitet habe, eignen sich nicht für Vorträge, in denen ich klare Botschaften vermitteln und begeistern möchte. Anders herum funktionieren bildreiche, auf wenige Schlagwörter reduzierte Dokumente nicht, wenn komplexe Zusammenhänge anschaulich und informativ wiedergegeben werden müssen. Zwischen diesen Extremen bewegt sich der Einsatz dieses Programms, und daran wird sich auf absehbare Zeit nur wenig ändern, aber wir können Foliensatz und Anlass besser aufeinander abstimmen. Viel zu oft wird vergessen, dass es auf uns und unsere Entscheidungen ankommt, wenn wir PowerPoint nutzen. Dazu müssen wir keine Designer sein, um gute Präsentationen zu erstellen. Wir sollten öfter reflektieren, was wir sagen wollen und wem wir es sagen wollen. Hinzu kommt, dass wir oft vergessen, wann ein Gespräch, ein Meeting, eine Rede frei von Präsentationssoftware sogar besser wäre. Nancy Duarte, eine ausgewiesene Präsentationsexpertin, schrieb vor einiger Zeit, dass man auch keine Präsentation halten würde, um jemandem zu sagen dass ein Tiger hinter ihm stehe. Wer das macht, der ist tatsächlich dumm. Die Schuld von PowerPoint wäre das übrigens nicht.

Autor: Philippe Kramer

Philippe Kramer arbeitet im Bereich Visuelle Kommunikation bei K12.

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