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Plain-English und Co: „Lach- und Sachvideos“ für die Unternehmenskommunikation

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Nachdem ich Zeugin eines Missverständnisses über die Darstellungsweise von Plain-English- und Informationsvideos wurde, fragte ich mich selbst: Wo liegt denn eigentlich genau der Unterschied? Klare Definitionen fand ich im Netz nicht. Also habe ich mir (und Google) mal die folgenden Fragen gestellt: 1. Was ist der Unterschied? 2. Was bringen diese erklärenden Videos für die Unternehmenskommunikation? 3. Warum sind sie dort gerade so modern?

Informationsvideos in der Unternehmenskommunikation

Animierte Informationsvideos im „Sendung-mit-der-Maus-Stil“ sind ein beliebtes Mittel, um komplexe Zusammenhänge einfach zu erklären. Auch in der Unternehmenskommunikation spielen sie eine immer größere Rolle. Warum?

Es ist meist Anliegen der Unternehmenskommunikation, sich einfach auszudrücken, um alle Zielgruppen zu erreichen. Beim Thema Film stand aber gerade in der externen Kommunikation lange das Image-Video im Mittelpunkt. Es nutzt vor allem die emotionale Kraft des Mediums – überhöht, dramatisierend und mitreißend – meist gepaart mit Musik.

Speziell im Internet sind smarte Ideen gefragt, die dem Nutzer einen Mehrwert garantieren. So spielen Informationsvideos der Unternehmenskommunikation gleich mehrfach in die Hände: Hier ist Platz für verständliche Argumentation. Und wer den Sinn und Nutzen von etwas versteht, wird es weiterempfehlen. Noch lieber empfohlen wird, besonders in Social Media, wenn der hohe Informationswert (im Sinne von Infotainment) sich mit Humor verbindet.

Die Informationsvideos bieten darüber hinaus in der Synergie zwischen Text, Schrift, Ton, statischem und Bewegtbild mehrere Informationskanäle, die sich gegenseitig ergänzen. Und das, ohne in sich überfrachtet zu sein oder andere Elemente auf der Website „zu erschlagen“. So haben meine Kollegen beispielsweise in einem Informationsvideo für StepStone eine Studie zum abstrakten Thema „Employer Branding“ verständlich und unterhaltsam aufbereitet (s. u.).

Auf den Spuren der Plain-English-Videos

Als Ursprung dieser Informations-Video-Mode kann man so genannte Plain-English-Videos betrachten. Im Netz gibt es zwar viele entsprechend benannte Videos, eine Definition konnte ich aber nicht finden. Hier zumindest der Versuch einer Erklärung:

Der Begriff „Plain English“ steht für eine klare oder einfache Sprache. Er stammt aus der „Plain-English-Bewegung“, die sich in den USA seit den 60er Jahren formierte und für diese klare Sprache eintrat. Unter Plain-English-Videos versteht man im engeren Sinne Videos, in denen „selbstgezeichnete“ Gegenstände ins Bild geschoben werden.

Sie bebildern so den – ebenfalls betont einfachen – Erklärungstext auf der Tonspur. Im Netz besonders häufig sind Videos, die auf diese Art Internetanwendungen erklären. Viele davon stammen aus der „In-Plain-English-Serie“ der Agentur Common-Craft von 2007. Sie hat vermutlich den Trend gesetzt.

Bei Plain-English-Videos ergänzen sich im Idealfall Bilder und Worte so, dass komplexe Inhalte für die Nutzer verständlich werden. Visuelle Metaphern machen selbst Abstraktes konkret und erleichtern es, Zusammenhänge zu verstehen. Der individuelle Zeichnungscharakter suggeriert zudem eine größere Nähe als geometrisch exakte Linien. Allerdings wichtig dabei (und leider nicht bei allen Videos gelungen): Die Bilder müssen stimmen und mit der Tonspur zusammenpassen.

Welche Inhalte eignen sich für „Plain-English-“ und andere grafische Informationsvideos?

  • Erklärungen komplexer Produkte, Dienstleistungen und Abläufe – intern und extern
  • Abstrakte Inhalte (z. B. Bankwesen), die durch Bilder und Metaphern leichter verständlich werden

Ob von engagierten Mitarbeitern mit Stift und Schere selbst gebastelt oder von Oscar-Preisträgern aufwendig produziert: Plain-English und aufs Nötigste reduzierte, animierte Informations- und Erklärungsvideos gibt es in allen Umsetzungsarten.

Beispiele:

Animierte Informationsvideos:

Informationsvideo zu einer Studie (s.o.):
StepStone Employer-Branding-Video

Werbend, dennoch schlicht:
Video der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei

Plain-English im engeren Sinne:

Der Klassiker:
“RSS in Plain English” (Common-Craft) von 2007

Eine modernere Variante:
„Trusted Computing“ – modernes, illustrativ ausgefeiltes Beispiel

Zwar nicht ganz „plain“, aber Emmy-Gewinner:
Illustration zu einem John-Lennon-Interview:

Quellen:

Mit 12.000 Mitgliedern in 80 Ländern:
Plain English Campaign

Studienarbeit zu Plain English von Nike Hirschbiegel
Bürgernahe Sprache im Englischen: Plain English (2008)

Tochtermann, Graunau, Back (Hrsg.): Web 2.0 in der Unternehmenspraxis:
Grundlagen, Fallstudien und Trends zum Einsatz von Social Software. (2009).

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