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User Partizipation? Demokratisierung? Wie viele machen denn nun mit?

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Autor: Jörg Hoewner

In einem früheren Post habe ich die Frage gestellt, wie viele Menschen sich wirklich aktiv als Content contributors, Blogger, etc. betätigen können, weil bei dem Geschreibe über die Demokratisierung der Medien, der Meinungsbildung, der Produktentwicklung davon ausgegangen wird, dass auf einmal alle Konsumenten und Rezipienten aktiv werden wollen.

Ein Indiz auf eine Antwort liefert Tomi T Ahonen in einem Post auf „Communities dominate brands“:

„YouTube was on the Financial Times on 28 June 2006 quoted with daily new videoclip postings of 60,000 every day. But their daily viewing traffic is 70 million. So the ratio of user-generated content vs member viewing traffic is 1,167 to 1. Over 1000 times more viewing than original creating of content. This might be an aberration, except that if we look at our earlier posting of the Finnish Idols from this year, they had 1,682 creating content, which was then viewed 1.95 million times. That ratio is spookily similar at 1,159 to 1.“

Er rundet die Zahl ab und bildet damit eine Benchmark, in dem er von einem „Ratio of original content to content viewing is 1000 to 1“ spricht.

Ausserdem muss man bedenken, dass viele Nutzer mehrfach Content einstellen, d.h. das Verhältnis Aktiver Nutzer / Leser ist noch weniger vorteilhaft.

Schaut man sich die Zahlen für das häufig zitierte Flaggschiff „Wikipedia“ an kommen wir zu folgenden Zahlen:
48.000 Beitragende zu 3.800.000 Artikel, d.h. ein Beitragender steht für rechnerisch 80 Artikel (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:About). Darüber hinaus gibt es noch viel mehr Edits, d.h. die 48.000 Nutzer arbeiten im Schnitt an noch viel mehr Artikel als diese 80. Leider habe ich keine Zahl zu den Gesamt-Visits gefunden.

Die letzten offiziellen Zahlen liegen für 2004 vor und zwar für die englischsprachige Wikipedia. Im letzten erfassten Monat Oktober 2004 sind das (http://stats.wikimedia.org/EN/TablesWikipediaZZ.htm):

  • 36.680 Wikipedianer
  • 1.100.000 Artikel bei 2.792 neuen Artikeln pro Tag, das sind fast 84.000 neue Artikel
  • Bei 917.000 Visits bzw. 13,3 Mio. Page requests

Interessant wäre die Zahl der Edits pro Monat im Vergleich zu den Page requests, dann hätten wir eine zum YouTube-Beispiel vergleichbare Zahl. Die haben wir aber nicht.

Die nächste vergeichbare Zahl ist die Anzahl der Page requests im Verhältnis zur Anzahl der neuen Artikel: 158:1.

Eine eindeutige Aussage zur Zahl der aktiven Nutzer vs Anzahl der passiven Nutzer lässt sich damit immer noch nicht treffen, denn – wenn man sich die Wikipedia-Zahlen anschaut – gehorcht das Engagement dem Pareto-Prinzip: Einige Nutzer tragen ungleich mehr zum Content bei als andere:
Im Januar 2006 gab es 7519 Wikipedianer (von 135.930) mit insgesamt mehr als 100 Edits, das sind ca. 5-6 Artikel, da ein Artikel im Schnitt 17,8 mal editiert wurde.
Es gab 116.925 Wikipedianer mit weniger 1-4 Edits, die restlichen 11.486 hatten 5-99 Edits vorzuweisen.  Hier wäre ein Durchschnittswert interessant…

Zu viel Zahlen? Hier sind die zentralen Erkennntnisse:

  • Das Verhältnis der aktiven / passiven Nutzung liegt bei irgendwo zwischen 1:100 und 1:1000. Das deckt sich übrigens mit der Anzahl der Leser vs. Anzahl der Kommentare in diesem Blog. ;-)
  • Bei den aktiven Nutzern gibt es eine Ungleichverteilung: Die Gesamtzahl der Beiträge der aktivsten 20% der Nutzer bei Wikipedia ist grösser als die Zahl der Beiträge der anderen 80% Aktiven.
  • Daraus kann man NICHT folgern, dass Web2.0 in Hinblick auf eine Verbreiterung / Demokratisierung der Contentproduktion, Meinungsbildung usw nur heiße Luft wäre. DENN: Akkumuliert man die Gesamtzahl der Blogger, Kommentar- und Rezensionsschreiber, MySpace-Teilnehmer, etc.. aller Web2.0-Anwendungen (hier eine Auswahl von Teilnehmerzahlen, allein das sind 200-300 Millionen weltweit), darf man sicherlich von einer breiten Partizipation der Nutzer sprechen.
  • Die Hoffnung von manchen Unternehmen über Web2.0-Ansätze mehr als nur einen kleinen, besonders aktiven Ausschnitt  von Kunden zu engagieren, dürfte sich nicht erfüllen. Andere mögliche Nutzen (Kunden grundsätzlich zu erreichen, Kundennähe, Engagement zeigen, Feedback und Lernen) sind damit wichtiger.

Verwandte Beiträge dazu:
>>Wie belastbar ist das Einbinden von Kunden ins Marketing?

Autor: Jörg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. In den vergangenen 20 Jahren hat Jörg Hoewner zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32 bzw. +49 (177) 4594974

2 Kommentare

  1. Falls Du noch aktuellere Zahlen gebrauchen kannst:
    Mit Hilfe zweier verschiedener Schätzverfahren haben wir für Dezember 2005 errechnet, dass alle unsere Projekte zusammen 2,5 Milliarden Page Impressions/Monat haben. Davon fallen sicherlich mehr als 90% auf die Wikipedia.

    Aber ich fürchte mit den Gesamtzahlen wirst du ohne Single-Signon wenig anfangen können :-/

    PS: Das ist jetzt das zweite mal, dass ich sicher bin, das Captcha korrekt eingetippt zu haben. Nach einem Back (weil das Captcha angeblich falsch war) ist der Text des Comments verschwunden. Ich bin mir ziemlich sicher, dass nicht alle so ungenervt sind, den Beitrag erneut zu schreiben… :-S

  2. Hallo Tim,
    Danke für den Kommentar! Das Captcha schaue ich mir noch mal an, ist natürlich ärgerlich. Danke für den Hinweis!

    Lieben Gruss
    Jörg

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