Linktipps - Verfasst von am Mittwoch, 17.03.2010 11:41 - 2 Kommentare

Der Medienkonsument, das mündige Wesen?

Momentan gibt’s einige hochinteressante und absolut lesenswerte Beiträge, die das Verhältnis von Nachrichten-Schaffenden, -Vermarktern und -Konsumenten unter die Lupe nehmen, hinterfragen und vor allem die Rolle von Social Media für den Priorisierung und Bewertung dieser Nachrichten beleuchten.
Der Medien-Monitor bringt zum Beipiel ein sehr  interessantes Interview mit Michael Kessler (bekannt u. a. aus Switch-Reloaded), der sich als Niggemeier-Fan outet und die Funktion seiner massenkompatiblen Medien-Comedy und journalistischer Formate wir “Zapp” gegenüber stellt:

“…es gibt ja hervorragende Seiten. Wenn ich bei Niggemeier etwas Gutes entdecke, poste ich das auch im Internet und versuche so, Leute darauf hinzuweisen: Guckt Euch das auch mal an! Denn oft steckt ja letztlich viel mehr dahinter: “switch” kann nur eine Oberfläche abdecken. Aber die Mechanismen, die dahinterstecken – das Grauen, das dahintersteckt – können natürlich nur Journalisten zum Beispiel bei “Zapp” wirklich eingehend beleuchten und analysieren. Für die breite Masse funktioniert die Medienkritik aber natürlich – wie vieles andere auch – besser, wenn sie unterhaltsam aufgearbeitet wird.”

Thomas Knüwer reibt sich auf Indiskretion Ehrensache verwundert die Augen angesichts der behaupteten Deutungshoheit der Verlage (in diesem Fall: Christoph Keese /Axel Springer Verlag) und demonstriert ad-hoc, was grad so die Aufmacher der großen Tageszeitungen sind: PR-generierte Events, politische Befindlichkeiten, Bits & Pieces für die Rubrik “Unnützes Wissen”. Zu Recht verweist er darauf, dass im angelsächsischen Bereich Facebook mehr Menschen auf Nachrichten stößt als Google. Und die Medien dort – zumindest ist das mein Eindruck – gehen offener, smarter und kompetenter mit der Herausforderung um und definieren ihre Rolle neu, statt das tote Pferd zu peitschen. Alan Rusbridger, Guardian-Chef, sieht die Zukunft des Journalismus im Interview mit dem Standard so:

“Man muss ein Teil dieser Welt sein und sollte sie nicht ablehnen, indem man Barrieren und Mauern rund um sich aufbaut. [...] Wenn man, um eine Theateraufführung zu besprechen, einzig und allein eine Kritik für die Zeitung schreibt, dann ist das eine Einbahnstraße. Diese Form des Publizierens investiert viel in die Autorität des Journalisten und verlangt von einem zu glauben, dass die Meinung des Journalisten von sich aus viel Gewicht hat. Das war die Position vieler Zeitungen bis vor fünf Jahren und bei manchen auch noch bis heute. Um es auf eine andere Weise zu sagen: Sicher haben auch viele Leser interessante Sachen zu dem Theaterstück zu sagen. Wenn wir ihnen nicht den Raum geben, das zu sagen, dann wird es jemand anderes tun. Am Ende wäre das dann der attraktivere Ort, um sich über das Theaterstück zu informieren als eine Zeitung.”

Ach ja, Auslöser für diesen Beitrag war eigentlich folgende brisante Analyse, gefunden bei den Ruhrbaronen:



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2 Kommentare

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Lars Gräßer
Mittwoch, 17.03.2010 12:39

Klar ist: Der mündige Medienkonsument muß die Zielvorstellung sein. Klar ist aber auch: Der mündige Medienkonsument ist ein ziemlich anspruchsvolles Konzept, wenn man sich etwa die Leserbeiträge auf derwesten.de anschaut. Oder lese ich immer die falschen Kommentare?

Carina Waldhoff
Donnerstag, 18.03.2010 12:02

Du liest sicher nicht immer die falschen Kommentare. Es scheint aber einen großen Unterschied zu machen, ob man einfach nur die technischen Möglichkeiten zum Kommtentieren liefert (das scheint fast dazu einzuladen, unreflextierten gedanklichen Ballast abzuladen – “is so schön anonym hier”) oder ob die Foren-/Blogbetrieber es ernst meinen mit “Diskurs” und sich entsprechend verhalten. Denke da an gut moderierte Foren oder auch an Blogs (wie meine Lieblinge der Frosta-Blog oder auch die Ruhrbarone), in denen auf die ernsthaften Diskussionsteilnehmer eingegangen wird, die sozialen Spammer ignoriert werden und Regeln konsequent überwacht werden. Das entwickelt eine ganz positive Dynamik, sie Spammer stehen als Schmuddelkinder da und die Interessierten kehren zurück.

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