Rest - Verfasst von Joerg Hoewner am Montag, 29.09.2008 0:21 - 1 Kommentar
700 Milliarden $ – so what?
Autor: Jörg Hoewner
Ich bin ein bisschen erstaunt, dass meine deutschsprachigen PR- und Web2.0-Blogger-Kollegen sich bisher noch nicht oder kaum zu der Finanzkrise geäußert haben. Jedenfalls habe ich in meinen zig Feeds nichts dazu gesehen. Was ist das? Schockstarre? Ratlosigkeit? Ich gebe zu, ich habe bisher auch nichts dazu geschrieben. Zu unwirklich scheint mir das, was da passiert. Ein ähnliches Gefühl, wie nach dem 11.9., als ich gespürt habe, dass da was passiert, was die Welt verändert. Wenn auch anders. Und wir wissen natürlich noch nicht, wohin die Reise geht. Ein paar Gedanken dazu:
- Vom Ende des Kapitalismus. Allenthalben wird in vielen Medienbeiträgen das Ende des Kapitalismus prophezeit. Ich glaube das nicht. Jedenfalls nicht, wenn wir darunter eine relativ freie Marktwirtschaft und das Privateigentum an Produktionsmitteln versteht. Was soll an seine Stelle treten? Der Kapitalismus wird überleben, er wird sich aber verändern müssen. Die Gefahr ist natürlich, dass die Menschen dermaßen mit dem Wirtschaftssystem unzufrieden sind und in Massen – wie jetzt in Österreich – zu den Rattenfängern von Rechts oder Links wandern. Das ist nach 1929 auch geschehen. Die Finanzkrise spielt den Kritikern in die Hände. Und im Zusammenspiel mit der Demokratiemüdigkeit hierzulande ist das eine böse Mischung. Wo sind eigentlich die Leute, die unser System nicht nur lauwarm verteidigen?
- Seismische Verschiebungen: 2003 strotzten die USA vor Selbstbewusstsein. 2008 – im Jahre 5 der Irakbesetzung sind die militärischen Grenzen der USA klargeworden und die Dominanz der USA als Finanzmacht ist gebrochen. Die größten Gläubiger der USA sitzen in China, im Nahen Osten und – mit Einschränkungen – Russland. Hier liegen mehrere Billionen Dollar Währungsreserven herum, sind Staatsfonds und Banken kraftstrotzend, brauchen eigentlich nur zuzulangen, um geschwächte westlichen Finanzinstitute zu übernehmen. Die USA-Basher (von denen es in Europa ja sehr viele gibt) sollten sich nicht zu früh freuen, denn, erstens haben wir ganz gut von dem System profitiert die letzten Jahre: Die Amerikaner und Engländer haben mit billigen Krediten halt nicht nur Häuser gekauft, sondern auch ihre BMWs finanziert. Zweitens wissen wir nicht, wie die neuen FInanzpole mit ihrer Verantwortung umgehen werden. Werden politische Interessen verfolgt mit dem Geld? Wenn ja, welche? Am Ende könnte uns der angelsächsische Casino-Finanzkapitalismus sogar lieber sein als die heraufziehenden Alternativen.
- Das Ende vieler Web2.0-start ups: Eine These von mir. Kaum jemand in diesem Bereich verdient Geld und viele Start-ups sind mit billigem Risikokapital groß und am Leben gehalten worden. Nun, dieses Kapital wird knapper und vor allem teurer werden. Da nicht viele der inzwischen mehreren Tausend Web2.0-Startups Geld verdienen, wird die Luft dünn.
PS: Thomas Friedman von der New York Times wird im Übrigen in seiner Kolumne eine interessante Frage auf:
Was würde passieren, wenn man die 700 Mrd. Dollar zum Aufbau einer “grünen”, energieeffizienten und nachhaltigen Wirtschaft einsetzen würde. Was könnte man damit alles anstellen…
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- Der Beitrag in die NYT ist in der Tat ähnlich, aber liest sich etwas strukturier...
- Kann Dir da nur beipflichten. Hab Herrn Lanier auf der UX Week in San Francisco ...
- Den Geschmack wird McD sicher nicht gravierend ändern, weil er von den Kunden "g...
- Interessant ist in dem Zusammenhang Flattr, damit kann man Micropayments machen ...
- Ja, lesen macht Spaß mit dem iPad, besonders im Bett. Gerne schaue ich dort auch...
- Hallo Martin,
vielen Dank für´s Feedback und die interessanten Links. Habe Hojo...
- Schöner Artikel, Aggregatoren machen das Leben tatsächlich leichter. Ein ähnlich...
- Hallo C.Meser,
vielen Dank für den Hinweis. Dann sind wir in jedem Fall auf die...
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“Was würde passieren, wenn man die 700 Mrd. Dollar zum Aufbau einer “grünen”, energieeffizienten und nachhaltigen Wirtschaft einsetzen würde. Was könnte man damit alles anstellen…”
Ich schlage vor, wir legen sie erstmal in einem schönen Fond an, bis wir das abschliessend entschieden haben, ok?