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Der schmale Grad zwischen E-Learning und Iieeh!-Learning

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„E-Learning“ – das klingt immer noch nach einer brandheißen Innovation. Für viele Unternehmen/Bildungseinrichtungen ist es das auch, obwohl die Anfänge der Lernform schon weiter zurück liegen.

Zählt E-Learning nun zu einer der unzähligen Erfindungen der 90er Jahre, für die man sich schämen sollte? Oder handelt es sich um die Lernform der Zukunft? Dazu gibt es bereits unzählige gute, analytische und Medienartikel (hier nur ein Beispiel aus der Zeit). Hier also einfach mal ein schlichter Erfahrungsbericht darüber, wie es sich so lebt, jede Woche eine E-Learning-Sitzung zu haben.

 

Grundvoraussetzung: einwandfreie Technik

„Social Media & Community Management“ heißt das E-Learning-Seminar, das ich momentan bei der Deutschen Presseakademie (depak) belege. Das Programm klang super und die Referenten kompetent. Wie ich nach drei Sitzungen feststellen musste, sind die Inhalte grundlagenmäßiger als erwartet, aber OK – es folgen ja noch vier Sitzungen. Das erste Mal loggte ich mich pessimistisch ein: „Wetten, dass nach zwei Minuten die Technik versagt?!“ – aber Fehlanzeige, alles lief reibungslos. Die depak nutzt hierzu ein Tool und die zugehörige Plattform von Adobe Connect, welche jeder Teilnehmer am Tag vor der ersten Sitzung in einem Systemcheck testen konnte. Mit ordentlicher Internetverbindung kein Problem. Konkret sieht eine Sitzung so aus: Im Browserfenster sieht man die Präsentation, rechts daneben den Referenten, der die Präsentation von zu Hause/von seinem Büro aus via Webcam und Mikrofon steuert. Fun Fact: Einige Social Media-Experten haben gar keine Hipster-Wohnzimmer. Unter dem Webcam-Feld ist ein kleines Chatfenster für die Teilnehmer, mit dem ich allerdings auf Kriegsfuß stehe: Die User posten dort permanent ihre Anmerkungen. In einem face-to-face-Seminar überlegt man sich dann doch genauer, ob man etwas tatsächlich von sich gibt. Der Referent kann ohnehin nicht die ganze Zeit mitlesen und darauf eingehen – wichtige Fragen können also auch untergehen. Immerhin nehmen sich viele Referenten nach Ablauf der regulären Zeit noch ein paar Minuten und bleiben online für Ungeklärtes.

 

Wird es mal langweilig, sind Facebook & Co. nur einen Tab entfernt

Zum Thema Aufmerksamkeit: Man selbst ist nicht per Webcam und Mikrofon zugeschaltet (bei über 50 Teilnehmern auch schwer realisierbar), niemand hört und sieht, was man gerade macht. Dass da nicht alle wie beim Frontalunterricht dasitzen und eifrig mitschreiben, ist klar. Ist es mal nicht ganz so spannend, heißt es sofort: mal durch die Timeline scrollen, Spiegel Online checken oder eMails beantworten. Aber das Seminar ist ja nur einen Tab entfernt und man selbst schnell wieder dabei, wenn es wieder interessant wird. Insgesamt gibt es sieben Sitzungen. Verpasst man einen Termin, kann man die Präsentation als PDF und den Mitschnitt des Seminars (d.h. Präsentation, Referent mit Bild und Ton, Chatverlauf) im depak-Intranet einsehen. Zu drei der sieben Sitzungen muss eine Aufgabe bearbeitet werden – darunter bisher z.B.:

  • „Entwickeln Sie eine Social Media-Strategie für das Unternehmen X“
  • „Sie sind Community Manager eines Unternehmens Y. Wo sehen Sie das größte Konfliktpotenzial bei der Erfüllung Ihrer strategischen und operativen Aufgaben?“
  • „Entwerfen Sie einen Tweet für Unternehmen Z. Warum wird er erfolgreich sein? Wie messen Sie den Erfolg?“

Der Umfang ist mit einer DIN A4-Seite ziemlich akzeptabel. Nach Ablauf des Seminars im Oktober erhalten die Teilnehmer Feedback vom jeweiligen Referenten.

 

E-Learning: Ja oder Nein?

Was mich wirklich stört, ist der Teilnehmer-Chat parallel zum Seminar und dass dies der einzige Diskussionskanal ist. In einem „echten“ Seminarraum kommt dabei bestimmt mehr herum. Ansonsten kann ich dieser Methodik sehr viel abgewinnen (sofern denn die Technik funktioniert, was ja hier der Fall ist): Anfahrtszeit und -kosten fallen weg, das Seminar lässt sich gut in die Arbeitswoche integrieren. In einem klassischen Seminar beschäftigt man sich ununterbrochen mit einem Thema – Tiefpunkte sind hier natürlich vorprogrammiert. Beim wöchentlichen E-Learning-Konzept springt man jede Woche neu an und der Stoff von 90 Minuten lässt sich gut bewältigen. Nach einem klassischen Seminar hat doch jeder schon einmal gedacht: „Drei ganze Tage nur xy gemacht – jetzt reicht’s erstmal!“ Auch auf das individuelle Feedback zu den Lehraufgaben bin ich gespannt und hoffe, dass man dies gut für den Arbeitsalltag nutzen kann.

E-Learning funktioniert bestimmt nicht in jedem Themenbereich. Das Thema Social Media ist dabei geradezu ein Paradebeispiel für funktionierende Online-Seminare. Sitzung für Sitzung eine Plattform vorstellen, Best Cases aufzeigen, wichtige KPIs durchgehen. Wie man z.B. Kommunikationskonzepte entwickelt, möchte ich aber bitte weiterhin in klassischen Seminaren lernen. Diskutieren, mit Flipcharts arbeiten, auch die häufig verhasste Gruppenarbeit – das alles ist bei vielen Themen unerlässlich.

Summa Summarum: I like E-Learning (sofern es zum Thema passt). Aber der Chat? Iieeh-Learning.

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