Rest - Verfasst von Carina Waldhoff am Freitag, 15.06.2007 19:41 - 2 Kommentare
media coffee in Köln
Autor: Carina Waldhoff
Ich war gestern abend in Köln. Da bin ich sowieso immer gern, gestern gab’s aber eine interessante Diskussionsrunde als Anlass: Der media coffee von news aktuell, Thema: “Von der Edelfeder zum Content-Lieferanten?” (eine kleine Zusammenfassung der Key-Statements unter www.mediacoffee.de). Ziemlich gelungen fand ich die Zusammenstellung der Podiumsteilnehmer, die für ziemlich kontroverse Diskussionen sorgte. Meine persönliche Quintessenz für die Print-Branche war in etwa: Letztlich gibt es momentan auch bei den Entscheidern nur große Fragezeichen in den Köpfen und bei den Strategien gibt’s mehr “Trial-and-error” als alles andere (was ja nicht schlecht sein muss). Klare Richtungsansagen gab’s eigentlich nur von Ulrich Reitz, WAZ-Chefredakteur (“den Kampf um Aktualität haben wir längst gegen Online-Medien verloren, unsere Alleinstellungsmerkmale müssen die regionale Nähe und die guten Stories sein”). Schade übrigens: Prof. Rager, Prof. am Institut für Journalismus in Dortmund, und Jost Springensguth, Chefredakteur der Kölnischen/Bonner Rundschau, diskutierten kurz die Thematik “Lesen als Kulturtechnik, Bildung und gesellschaftlichen Voraussetzungen für einen boomenden Zeitungsmarkt” an, kamen aber leider im Rahmen dieser Veranstaltung nicht viel weiter mit dem Thema. Hat vielleicht der ein oder andere auf dem Weg nach Hause drüber nachgedacht.
Die Frage, die sich nach der eigentlichen Diskussion unter den vielen Pressestellen- und Agenturvertretern stellte: Was heißt das denn für die Kommunikation? Zu Beginn der Veranstaltung fielen zwei Zahlen (aus dem kommenden pr-Trendmonitor von na, wenn ich mich recht erinnere): 60% aller Journalisten messen Web 2.0 keine oder nur geringe Bedeutung zu und 50% glauben nicht an die Zukunft des Print. Hm.
Noch zwei Zahlen, auf denen ich rumdenke, seit ich einen Blick in den aktuellen PR-Trendmonitor (Februar 2007) geworfen habe: Ihr erklärtes wichtigstes PR-Ziel “Imageprofil in den Zielgruppen schärfen” sehen sowohl die Pressestellen als auch Agenturen deutlich schlechter verwirklicht als noch vor zwei Jahren – was sich die Pressestellen hauptsächlich mit zu geringen Personalressourcen, die Agenturen mit knappen Budgets und zu wenig Berichtenswertem erklären.
Nochmals Hm. Mir scheint, auf der “anderen Seite des Schreibtisches” gibt es ungefähr genauso viele Fragezeichen in den Köpfen wie auf Seiten der Medien. Bei den unterschiedlichen Strategien klassischer Medien, auf die “Herausforderung Online” zu reagieren, müssen gegenseitige Ansprüche und Erwartungen wohl einfach ganz individuell ausgehandelt werden, damit Herr Reitz seine Stories bekommt, Preußen-Münster-Fans ihre Wochenendspiel-Videos von der Lokalzeitung angeboten bekommen und auch in Chorweiler demnächst wieder mehr Jugendliche ihre Zeitung verstehen können und wollen.
Damit stirbt also meiner Meinung nach nicht die Zeitung im Print (solange gependelt wird, gibt’s da einen soliden Sockel an Stammlesern…), aber der klassische Presseverteiler. Hatte auf der Rückfahrt mit der Bahn eine kurze Vision einer Art Zukunftskonferenz von PR- und Medienvertretern, in denen innovative Kooperationsformen entwickelt werden. Und, natürlich, eine fast noch aktuelle Tageszeitung in der Hand.
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2 Kommentare
Oh, neue Kommentarfunktion? Das nenne ich schnell. Eins zu null für die PR, würde ich sagen :-)
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mittlerweile ist es so, dass die hinter den Graf...
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- Social Media PReview
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“…was sich die Agenturen mit [...] zu wenig Berichtenswertem erklären”.
Ein verblüffendes Statement, auch wenn ich zugegebenermaßen den Kontext nicht kenne (sitze halt auf der “anderen Seite des Schreibtisches”).
Auf Seiten der Medien ist nämlich – zumindest empfinden ich und diverse Kollegen das so – der Einfluss der Wirtschaft und damit der PR auf die tägliche Arbeit deutlich gewachsen. Kaum eine Tageszeitung würde heute noch eine kritische Berichterstattung über die gut zahlenden Anzeigenkunden Lebensmitteldiscounter wagen. Und wer mag es sich schon mit dem Autohersteller verderben, wenn der sich für seine Vierfarbanzeigen zur Einführung eines neuen Modells ausbedungen hat, dass auf der entsprechenden Seite keine negative Berichterstattung über den Hersteller zu stehen hat?
Die wirtschaftlichen Zwänge in der Branche zwingen Journalisten heute gelegentlich zum Katzbuckeln in einer Weise, die noch vor zehn, zwanzig Jahren undenkbar gewesen wäre.
Das sind die negativen Begleiterscheinungen des allgemeinen Rückgangs im Printgeschäft. Für die Verlage bleibt nur das, was Torsten Zarges von Kress ihnen auf dem “Media Coffee” ins Stammbuch geschrieben hat: “Die großen amerikanischen Eisenbahngesellschaften sind untergegangen, weil sie dachten, sie wären im Eisenbahngewerbe. Tatsächlich aber waren sie im Transportgewerbe.”
Mal sehen, was sich in den nächsten Jahren tun wird. Spannend bleibt es auf alle Fälle – auf beiden Seiten des Schreibtischs.