Rest - Verfasst von Carina Waldhoff am Donnerstag, 16.08.2007 13:47 - 1 Kommentar
Mit Flaskamp aus dem Garten Eden
Autorin: Carina Waldhoff
Wie gute PR NICHT gemacht wird, hat gerade die Agentur Flaskamp demonstriert und ist dafür zu Recht abgestraft worden (das BMWi hat seinen Dienstleister abgezogen, der Kölner Stadt-Anzeiger den Vorgang publik gemacht).
Gut, dass ein solcher Vorgang ans Licht kommt und öffentlich diskutiert wird. Schlecht, dass eben dieser Öffentlichkeit Statements zugemutet werden, die entweder auf allgemeine Unwissenheit spekulieren, schlicht praxisfern sind oder längst verlorene Unschuld simulieren.
1. Bei Flaskamp hat man nichts gewusst. Ein Mitarbeiter der Agentur habe zwei unterschiedliche Vorgänge – Pressearbeit und Anzeigenschaltung – im Gespräch und Schriftwechsel mit einem Vertreter der Zeitung zusammen besprochen, obwohl sie hätten getrennt werden müssen. „Das war nicht mit unserem Auftraggeber abgestimmt. Dafür möchten wir uns entschuldigen”, so Jan Flaskamp, Mitinhaber der Agentur. (Jaja, das hat man davon, wenn mal wieder der Praktikant das Bundeswirtschaftsministerium betreut ;-) Ehrensenf hat diese Vorgänge auf wundervolle Weise rekonstruiert.)
2. Die Agenturen sind die Bösen. Einfache Zuschreibung, funktioniert prima – ist nur so einfach nicht. Wenn DPRG-Präsident Nies fordert, dass es zwischen Pressearbeit und Anzeigenschaltung in jeder Agentur eine Art chinesische Mauer geben soll, ist das hoffentlich rein symbolisch und nicht personell gemeint. Denn eine Full-Service-Agentur (als die sich z.B. auch Falskamp anbietet) wird hier in den meisten Fällen seine Ressourcen bündeln. Auch die Vorstellung der Presserechtlerin Dorothee Bölke (interessantes ZEIT-Interview), dass in professionellen Unternehmen Marketing- und Öffentlichkeitsarbeit getrennt werden müssten, geht an der Realität vorbei – bis in den Mittelstand werden diese Positionen oft in Personalunion ausgefüllt und selbst wenn nicht, werden Aktivitäten sinnvollerweise aufeinander abgestimmt (“Kommunikationsmix” heißt das, glaube ich). Daran ist aber per se nichts Unethisches – übel wird’s erst, wenn “Wenn-Dann”-Verknüpfungen aufgestellt und Druck ausgeübt werden. Das ist im Fall Flaskamp passiert, und mit den Folgen wird diese Agentur noch lange zu kämpfen haben.
3. Die Rolle der Medien. Nein, auch sie sind nicht nur die Geknebelten, auf die die Agenturen mit der Finanzmacht ihrer Kunden im Rücken Druck ausüben. Die Verknüpfung “Berücksichtigung gegen Anzeigenschaltung” wird leider mehr oder weniger offen immer wieder von Redakteuren hergestellt; ich habe mich gefreut, dass einige Kommentare unter dem “Ethik-Interview” der Zeit sich genau darauf bezogen und die Einseitigkeit der Debatte bemängelten. Da muss wohl auch der engagierteste Journalist mal über seinen beruflichen Ehrenkodex hinwegsehen: Nicht jedes Themen-Angebot von Agenturen oder Unternehmen ist so brisant wie bei Glos & Co., und solange die wirtschaftliche Sitation der Verlage suggeriert “Anzeigen finanzieren auch deine Stelle” – wer kann sich da den erhobenen Zeigefinger erlauben?
Andererseits haben Journalisten einen Berufsethos und Professionalität zu wahren (PRler auch, kann man nicht oft genug wiederholen!). Mit Anzeigen und Advertorials, die mit ihrer klaren Kennzeichnung keinen informierten Leser täuschen, verdienen die Verlage gutes Geld; ihre Aufgabe ist es, ihren Redaktionen damit die Ressourcen zu verschaffen, gründlich zu recherchieren und letztlich mit hochwertigen Inhalten ihr Überleben zu sichern. Ohne professionelle “Kollegen” in Agenturen und Unternehmen geht das nicht, und das Web 2.0 straft Tricksereien immer stärker ab. Transparenz und Qualität werden also auch aus wirtschaftlicher Sicht immer attraktivere Werte – “nichts gewußt”, “nichts abgesegnet” zu haben immer schwächere Ausreden.
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