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Mut zur Unsicherheit: BarCamps als firmeninternes Format

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BarCamps, eine amerikanische Erfindung, sind mittlerweile auch in Deutschland angekommen: Ein, zwei Tage voller Präsentationen, Diskussionen, Workshops und Netzwerkpflege – aber ohne festes Programm und Referentenliste. Stattdessen stellen die Teilnehmer der „Un-Konferenzen“ nach einer kurzen Vorstellungsrunde ihre Themenideen vor – die oft völlig spontan entstehen. Jeder darf sich beteiligen, keiner muss. Per Handzeichen stimmt das Plenum ab, welche Themen interessant sind und in die Sessionplanung aufgenommen werden. So entsteht nach und nach ein gefüllter Stundenplan mit zahlreichen Angeboten. Themenschwerpunkte können, müssen aber nicht gesetzt werden. Klassische BarCamps sind beispielsweise völlig offen und können von der Social-Media-Strategie bis zum Whiskey-Tasting alles bieten, was die Teilnehmer interessiert.

Die Ergebnisse der Sessions sowie Gesprächsnotizen und erstellte Dokumente werden gemeinschaftlich und live auf einer zentralen Kommunikationsplattform für alle sichtbar gesammelt, gebloggt, getwittert usw.. So kann jeder teilhaben, auch wenn sich Sessions überschneiden.

Lohnenswertes Experiment

Initiatoren der BarCamps sind zum Beispiel Städte, Universitäten oder private Gruppierungen, selten aber Unternehmen. Betriebe haben das Potenzial dieses Formats zwar erkannt und lassen Mitarbeiter daran teilnehmen – eher unbekannt hingegen sind firmeninterne BarCamps, die Unternehmen nur für ihre eigenen Beschäftigten veranstalten.

Was vielen Unternehmen bislang noch fehlt ist eine Portion Mut. Mut zur Unsicherheit: Niemand kann den Ablauf oder die Ergebnisse eines BarCamps vorherbestimmen. Doch gerade hier liegt viel Potenzial. Denn dort, wo es Überraschungen geben kann, ist viel Platz für Inspiration und Motivation, für neue Ideen und für Umdenken. Eine lockere Atmosphäre jenseits von Hierarchien und festgezurrten Abläufen schafft Raum für spannende Diskussionen und Innovationen. Das Format BarCamp fördert einen solchen Austausch, denn statt sich von Rednern einlullen zu lassen, sind die Teilnehmer ständig gefragt, sich selbst einzubringen.

Nutzen für Unternehmen

  • Wissensaustausch: Was können, wissen und leisten die Kollegen eigentlich? Ein BarCamp bietet ein Forum, um viele Abteilungen und damit jede Menge Know-how, Erfahrung, Lösungskompetenz und Kreativität zusammenzuführen. Hier treffen Neueinsteiger auf Experten und jeder hat die Chance, Anregungen und neue Impulse mitzunehmen.
  • Offener Dialog: In BarCamps sind Teilnehmer keine stummen Rezipienten, sondern gleichzeitig Referenten, unabhängig von Hierarchien. Mitarbeiter trauen sich in dieser neuen Dialogkultur, das Wort zu ergreifen. So entstehen oft neue Ideen.
  • Ideenfindung: Das bunte Miteinander von Menschen und Abteilungen inspiriert und motiviert. BarCamps können sich so zum Innovationsmotor entwickeln: Hier entstehen neue Projekte oder Produkte, anderes wird gemeinsam weitergesponnen.
  • Networking: Über Hierarchien und Abteilungsgrenzen hinweg entstehen neue Kontakte und finden sich Ansprechpartner.
  • Engagement: Die Sessions bieten einen hohen Nutzen für jeden Einzelnen. Bei BarCamps stehen die Mitarbeiter im Fokus. Hier dürfen sie mitreden und erleben, dass ihr Engagement etwas verändern kann. Das motiviert und macht Spaß!
  • Image: Konferenzen kann jeder. BarCamps eigentlich auch, es trauen sich aber nicht viele. Wer eins veranstaltet und auch kommuniziert, präsentiert sich als offener und innovativer Arbeitgeber.
  • Kundenbindung: BarCamps müssen nicht immer auf Mitarbeiter beschränkt sein. Wer gute Kunden einlädt, kann wertvolle Impulse von außen erhalten und gleichzeitig die Beziehung zu seinen Geschäftspartnern stärken.

Tipps für die Umsetzung

  • Ein Themenrahmen kann Leitplanken setzen.
  • Das Thema nicht zu sehr einschränken, das blockiert.
  • Vorab Themen und Session-Ideen abfragen. Das regt die Teilnehmer zum Nachdenken an und gibt einen Hinweis darauf, wie viele Themen Sie erwarten können.
  • Begleiten Sie das BarCamp durch interne, aber auch externe Medien wie Intranet, Social Network, Blog oder Twitter.
  • Externe Experten können Impulse von außen geben.
  • Ein externer Veranstaltungsort und ein lockerer Dresscode helfen, frei zu denken.
  • Persönliche Themen zulassen, sie fördern den sozialen Austausch.

5 Regeln für ein gelungenes internes BarCamp

  1. Alle Teilnehmer, vom Azubi bis zum Vorstand, sind gleich
  2. Alle Mitarbeiter aus eingeladenen Abteilungen dürfen teilnehmen.
  3. Sie können den Themenrahmen bestimmen, aber die Teilnehmer bestimmen die Inhalte.
  4. Inhalte an alle anderen Mitarbeiter verbreiten.
  5. Es muss eine offene Kommunikation möglich sein, z.B. durch anonyme Abstimmungen.

Weiterführende Links:

Termintipp: BarCamp Düsseldorf am 10./11. Oktober 2015
Stephan Grabmeier über interne Telekom-BarCamps

Autor: Verena Waldbröl

Verena Waldbröl ist Redakteurin bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Sie hat schon für deutsche Residenten in Südspanien und eine Lokalzeitung am Niederrhein geschrieben, bevor sie im Volontariat das Corporate Publishing für sich entdeckt hat.

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