K12

Tag 2 auf der re:publica 2011

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Leider ging Tag 2 auf der re:publica ein wenig holprig los. Da favorisierte Session „Social Media Measurement“ überfüllt (leider ein generelles Problem: Die Raumgrößen sind der steigenden Teilnehmerzahl nicht mehr gewachsen.), die Alternativwahl „Konstruktive Allianzen schaffen“ fiel aus. Was tun? Einfach sitzen bleiben und schauen was kommt. Goldrichtig, denn gleich der erste Vortrag gefiel:

Waking the Blog – Von Datenkraken und Internettätern
Die These von Sanja Stankovic und Carolin Neumann: Die Wortwahl der Medien in der Berichterstattung über die digitale Gesellschaft beeinflusst die Wahrnehmung der nicht-netzaffinen Menschen. So wird Google regelmäßig als „Datenkrake“ bezeichnet und Technikblogger werden schnell zu „Internetaktivisten“. Verschiedene Lösungsansätze für diese Problematik wurden in der Runde diskutiert. Mein favorisierter Vorschlag: Ein Synonym-Wiki anlegen, um alternative Worte anzubieten.

Facebook Revolution
Aufgrund der thematischen Aktualität war der Raum erwartungsgemäß voll. Zahi Alawi berichtete über die Rolle der sozialen Medien bei den Revolutionen in arabischen Ländern anhand vieler (aber durch die Berichterstattung schon bekannter) Einzelbeispiele. Ansonsten wiederholte sich die These, dass eine Revolution auch ohne das Internet stattgefunden hätte, aber man über soziale Medien zusätzliche Kanäle für die Organisation und die Berichterstattung zur Verfügung hatte. Interessanter Fakt: In arabischen Ländern muss man beim Facebook-Login fünf Freunde erkennen. Dies soll einen Missbrauch bzw. eine Unterwanderung durch die Regierung verhindern.

Ein seltenes Bild auf der re:publica: Leere Steckdose

Ein seltenes Bild auf der re:publica: Leere Steckdose

Das Ende der Welt !!!!Eins!Elf!!!!
Diskussionsrunde über den Effekt und die Relevanz von „Shitstorms“. Mehrheitliche Übereinstimmung darüber, dass ein Shitstorm meist aus einer emotionalen und affektiven Handlung heraus entsteht und einen identitätsstiftenden Moment schafft (z.B.  das Blumenkübel-Drama). Ein wirklich nachhaltigen Effekt hat ein Shitstorm nach Meinung der Redner aber eher selten (Beispielausnahme: Transperancy International und die Praktikantin).

Identity on the open web
Interessanter Vortrag von Dan Mills (Mozilla), der sich stellvertretend für Mozilla folgende Mission auf die Fahne schreibt: „We need a universally-recognizable ID“. Mozillas Ansatz: Die Mailadresse als Identifizierungsmerkmal von Internetnutzern nutzen. Macht ja Sinn, da die Mailadresse mittlerweile ein adaptiertes Persönlichkeitsmerkmal ist. Dazu arbeitet die Organisation derzeit am sogenannten Verified Email Protocol.

Facebook fürs Unternehmen
Arnd Layer und Stefan Pfeiffer von IBM stellten eine Software vor, dessen Benutzeroberfläche die Funktionsweisen sozialer Medien nutzt und in den Arbeitsalltag integriert. So ähnelt nach Vorstellung von IBM der Online-Arbeitsplatz der Zukunft einer Facebook-Wall, in der z.B. Protokolle und Team-Meetings erscheinen, die durch Arbeitskollegen kommentiert, geteilt oder bearbeitet werden können. Ein richtiger Ansatz, die gelernten Verhaltensweisen aus sozialen Netzwerken in den Arbeitsalltag zu integrieren.

Blogger_Innen im Gespräch
Ein bisschen wie die Nachmittagstalkshow im Fernsehen trafen sich vier deutsche Blogger zum Smalltalk. René Walter plauderte (herrlich abgestumpft) über den Vorfall mit Euroweb (übrigens auch ein schönes Shitstorm-Beispiel). Richard Gutjahr, für mich ein Prototyp des Journalisten2.0, erzählte von den Erlebnissen als Blogger während der ägyptischen Revolution. Katrin Rönicke sprach über Feminismus in der Blogosphäre (60% aller deutschen Blogs werden von Frauen geschrieben, aber nur 5% davon sind in den deutschen Blogcharts zu finden!). Die Vierte im Bunde bestach durch hohen Sympathie-Faktor: Julia Probst, bekannt durch ihren Lippenleseservice auf Twitter. Als gehörlose Bloggerin wies sie vor allem darauf hin, dass TV-Gebühren nicht sinnvoll genutzt werden. So ist bspw. das TV in den USA zu 100% untertitelt, in Deutschland hingegen sind 90% des Sendeprogramms OHNE Untertitel. Ebenfalls interessanter Fakt: Alle Gehörlosen in Deutschland sind bei Facebook angemeldet.

Hohe Aufmerksamkeit beim Talk deutscher Blogger

Hohe Aufmerksamkeit beim Talk deutscher Blogger

Fazit: Insgesamt eine starke Steigerung zum gestrigen Tag. Interessante Persönlichkeiten und spannende Inhalte. Ob dies morgen noch zu steigern sein wird? Wir werden sehen. Ich beschließe den Feierabend jetzt bei der Twitterlesung.

3 Kommentare

  1. Danke für tolle Berichterstattung als daheim gebliebener verschlinge ich alle Informatonen die ich finden kann. Freue mich schon auf deinen Bericht zu Tag 3. Wünsche noch viel Spaß !

  2. Gefällt mir. Neues Erkenntnisse zum SM Measurement?

  3. @Sven Danke für das Kompliment. Dann sehen wir uns ja bestimmt nächstes Jahr zur re:publica 2012 ;)
    @Jörg „Zu voll“ hieß in dem Fall leider „Nicht mehr reingekommen.“. Aber laut Twitter-Timeline scheint es keine neuen Erkenntnisse zu geben: http://twitter.com/#search?q=%23rp11%20%23measurement

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