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Warum sich Corporate Volunteering für Unternehmen lohnt

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Glückliche Freiwillige

Corporate Volunteering als Teambuiling-Maßnahme

Eine Schatzsuche für einen Kindergarten veranstalten, die Wände in der Kita streichen oder Unkraut im Garten des Altenheims jäten – wenn Unternehmen das Engagement ihrer Mitarbeiter fördern, nennt man das heute „Corporate Volunteering“. Richtig kommuniziert, schweißt ein betriebliches Freiwilligenprogramm nicht nur das eigene Team zusammen, sondern überzeugt auch potenzielle Bewerber und Geschäftspartner.

  • Charity-Day: Manche Firmen stellen ihre Mitarbeiter einen Tag pro Jahr frei. An diesem Aktionstag setzen sie ihre Arbeitskraft für eine gemeinnützige Organisation ein – so wie die Düsseldorfer Softwarefirma codecentric AG. Die Mitarbeiter haben zum Beispiel ein Klassenzimmer renoviert oder einer Praxis, die ehrenamtlich für Obdachlose arbeitet, beim Umzug geholfen.
  • Regelmäßige Unterstützung: Andere Unternehmen ermöglichen ihren Mitarbeitern regelmäßiges Engagement. Der Facility Management Partner FAC’T unterstützt seit Jahren ein ärztliches Hilfsprojekt in Pithora, einem 10.000-Einwohner-Dorf zwischen Mumbai und Kalkutta. FAC’T-Mitarbeiter sammeln beispielsweise bei ihren Kunden nicht mehr benötigte Geräte, Verbrauchsmaterialien sowie technische Ausrüstungen. Anschließend reisen Mitarbeiter nach Pithora, um sicherzustellen, dass die Geräte auch unter den nicht immer einfachen Bedingungen vor Ort funktionieren.
  • Pro-bono-Dienstleistungen: Einige Unternehmen stellen die Arbeitskraft ihrer Beschäftigten kostenlos für einen guten Zweck zur Verfügung. So unterstützt das Hamburger Software-Unternehmen Nerdlichter AG das nicht kommerzielle Festival Wutzrock mit Webentwicklung, Design und Hosting. Außerdem bauen die Mitarbeiter derzeit eine Website für die Koordination von Flüchtlingsprojekten und Helfern in Hamburg auf.
  • Finanzielle Unterstützung: Die Stadtsparkasse Düsseldorf unterstützt die Vereine ihrer Mitarbeiter mit einer Pauschalspende von je 200 Euro. Über 70 Clubs, von Minigolf bis zu japanischem Bogenschießen, haben davon bereits profitiert.

Unternehmen stellen sich auf ihre Mitarbeiter ein

Immer mehr Unternehmen in Deutschland folgen diesen Beispielen und entsprechen dem Wunsch ihrer Mitarbeiter, sich neben dem Beruf ehrenamtlich zu engagieren. Viele sind auf der Suche nach einer sinnstiftenden Tätigkeit und wollen mehr bewegen als die PC-Maus. Sich als Teil der Gemeinschaft fühlen, zur regionalen Entwicklung beitragen – Arbeitnehmer fordern dies aktiv ein. Dafür spricht auch der Anstieg der Ehrenamtler in Deutschland: Waren 2012 noch 12,21 Millionen Personen freiwillig tätig, belief sich die Zahl 2015 schon auf 13,44 Millionen.

In einer Studie der IHK München und Oberbayern gaben 2013 insgesamt schon 64 Prozent der befragten Unternehmen an, im Feld Corporate Volunteering aktiv zu sein. 63 Prozent stellen ihre Mitarbeiter vollständig oder teilweise für entsprechende Projekte frei. Einige Unternehmen beschäftigen gar Feelgood-Manager. Nick Prosch vom Software-Unternehmen codecentric sorgt dafür, dass sich seine Kollegen rundum wohlfühlen. Dazu gehört auch, ihnen ehrenamtliches Engagement zu ermöglichen: „Freiwilliger Einsatz ist bei uns kein Pflichtprogramm, wird aber gern gesehen. Wenn jemand eine gute Idee hat, stellen wir ihn auch für mehr als einen Charity-Day frei.“

Gänsehautfeeling am Aktionstag

Den Trend zu Corporate Volunteering beobachtet Ursula Wolter mit Freude. Für die Diakonie Düsseldorf vermittelt die Leiterin des Referats Ehrenamt Unternehmen und Einrichtungen: Aus anfangs 15 Projekten sind bis 2015 schon 80 geworden. Beliebt sind vor allem Aktionstage, deren klar begrenzter Zeitraum sie für die Unternehmen gut kalkulierbar macht. Aber auch langfristige Kooperationen nehmen zu. „Die Nachhaltigkeit steckt vor allem darin, dass sich Unternehmen jedes Jahr wieder melden, oft für die gleiche Einrichtung“, erklärt Wolter. In manchen Firmen möchten sich so viele Mitarbeiter am Aktionstag beteiligen, dass diese bis zu zehn Projekte zur Auswahl anbieten. Denn meist können nicht mehr als zehn Personen an einem Projekt teilnehmen.

Die gleiche Erfahrung macht auch Lutz Leßmann, Geschäftsführer der Erkrather Softwarefirma Lucom GmbH und Initiator der gemeinnützigen Plattform Planetvalue. Planetvalue regt „Aktionstage der Wirtschaft“ an. Das heißt: Unternehmen einer Stadt stellen ihre Mitarbeiter an einem Tag frei, um gemeinnützige Einrichtungen zu unterstützen. Auf einer vorgeschalteten Projektmesse lernen sich alle Beteiligten kennen und können sich dort vernetzen: „Diese Messen sind sehr erfolgreich. Schon bei der ersten Veranstaltung vor drei Jahren haben wir damit über 70 Vermittlungen erreicht. Inzwischen bleiben über 90 Prozent der Beteiligten in Kontakt und verabreden sich jedes Jahr wieder für gemeinsame Projekte“, freut sich Leßmann. Aktionstage gibt es bisher in Erkrath, Mettmann, Euskirchen und Ratingen – das Konzept funktioniert aber in jeder Stadt.

Auch wenn die ehrenamtlichen Helfer oft nur einen Tag vor Ort sind, profitieren die Altenheime, Kindergärten oder sonstigen Einrichtungen von diesen Aktionen – zum Beispiel, wenn größere Ausflüge geplant sind. Dann ist jede helfende Hand herzlich willkommen. Ohne das Engagement der Freiwilligen könnten die Einrichtungen solche Extras oft nicht stemmen. Ursula Wolter beschert dieses Engagement auch nach zehn Jahren in ihrem Beruf noch regelmäßig Gänsehautmomente: „Das direkte Erlebnis haut die Menschen um. Jemand lächelt zum Dank. Plötzlich ist die Wand weiß gestrichen. Ein fremdes Kind kommt neugierig auf dich zu. Da werden die Leute an ihrer Menschlichkeit gepackt!“ Und auch Lutz Leßmann kommt ins Schwärmen: „Wenn sich bei den Projektmessen Einrichtungen und Unternehmen begegnen, fühlt sich das wie Weihnachten an. An dem Tag merken Unternehmen, wie schön Geben ist.“

Darum ist Corporate Volunteering für Unternehmen sinnvoll

Das Ehrenamt innerhalb der eigenen Reihen zu fördern ergibt aus unternehmerischer Sicht Sinn:

  • Wenn sich Mitarbeiter persönlich weiterentwickeln, bringen sie neue Qualitäten in ihren Job ein.
  • Wer sich vom Arbeitgeber in seinem Engagement bestärkt fühlt, wird viel motivierter an seine Aufgaben herantreten.
  • Gemeinsame Aktionen festigen das Team.
  • Zufriedene Ehrenamtler treten immer auch als Botschafter des Unternehmens auf. Es gibt kaum bessere Gelegenheiten, sein Image durch glaubwürdige Testimonials aufzubessern und als attraktiver Arbeitgeber aufzutreten.
  • Die intern entstehenden Kosten lohnen sich oft, weiß Jens Vielhaben, Vorstand der Nerdlichter AG: „Unsere Kosten für die Festival-Website belaufen sich auf weniger als 10.000 Euro. Über die große Helfer-Community des Festivals haben sich aber schon neue Business-Kontakte ergeben.“
  • Lohnausfälle von Mitarbeitern, die zum Beispiel bei der Freiwilligen Feuerwehr oder beim THW helfen, können sich Arbeitgeber auf Antrag von der Kommune erstatten lassen.

Im Webportal Feel Good At Work können sich Arbeitsuchende übrigens Unternehmen anzeigen lassen, die ehrenamtliches Engagement ihrer Mitarbeiter unterstützen.

„Feel-Good liegt im Trend. Es ist kein Geheimnis: Mitarbeiter, die sich wohlfühlen sind VIEL produktiver“ heißt es auf der Seite. Und weiter: „In diesen Unternehmen gestalten die Mitarbeiter die Vision des Unternehmens mit. Hier fühlt sich niemand als unbedeutendes Rädchen im Getriebe, sondern als Teil einer großen Idee.“ (Feel Good At Work)

„Corporate Volunteering bewegt so viel in einem Unternehmen. Diese Arbeit ist so sinnstiftend und macht so zufrieden“, schwärmt Lutz Leßmann, dessen Mitarbeiter der Lucom Gmbh die Plattform Planetvalue pro-bono betreuen. Und er betont: „Obwohl wir schon hunderte Arbeitstage in Planetvalue investiert haben, stehen wir finanziell nicht schlechter da, sondern sind als Unternehmen erfolgreich.“ Ein Appell an alle Unternehmer, sich zu engagieren.

Kein Marketing-Gag

Unternehmen, die sich aktiv einsetzen, werden manchmal mit Vorurteilen konfrontiert. Böse Zungen behaupten, es handele sich um geschickte PR und nicht um den Willen, zu helfen. „Das sehe ich nicht so“, sagt Ursula Wolter. „Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, aber dafür haben wir mittlerweile ein Gespür entwickelt. Der Großteil meint es ehrlich und freut sich, andere unterstützen zu können.“ Dem stimmt auch Feelgood-Manager Nick Prosch zu: „Für uns ist der Einsatz keine Marketing-, sondern eine Teambuilding-Maßnahme. Die lokale Berichterstattung, zum Beispiel wenn die Einrichtung die Presse einlädt, ist eher ein positiver Nebeneffekt.“

Erste Schritte

Wen das überzeugt und wer Corporate Volunteering aktiv in die eigene Unternehmensstrategie einbinden möchte, sollte zunächst einige Fragen beantworten:

  • Welches Ziel möchten Sie mit dem Engagement erreichen? (z.B. gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, Mitarbeiter weiterentwickeln etc.)
  • Wie finden Sie eine passende gemeinnützige Einrichtung?
  • Wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter auf ihren Einsatz vor?
  • Wie kommunizieren Sie den Einsatz nach innen und nach außen?

Einen ausführlichen Praxis-Ratgeber für Corporate Volunteering (PDF) stellt das das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus PHINEO zur Verfügung. Darin erklären die Autoren anschaulich die ersten Schritte, um Corporate Volunteering im eigenen Unternehmen zu etablieren. PHINEO liefert auch eine Entscheidungsmatrix (PDF), die bei der Auswahl des richtigen Corporate-Volunteering-Formats hilft und Ziele abfragt.

Passende Kontakte knüpfen

Sind die Rahmenbedingungen definiert, folgt die Suche nach einer passenden Einrichtung. Manchmal entstehen Kooperationen über private Kontakte oder Unternehmen greifen auf die Hilfe von Vermittlern wie Ursula Wolter oder PlanetValue zurück. Wolter pflegt die Vermittlungsplattform www.sozialgewinnt.de der Diakonie Düsseldorf, auf der interessierte Unternehmen nach aktuellen Projekten suchen und Erfahrungsberichte der vergangenen fünf Jahre lesen können.

Bei der Vermittlung fragt Wolter unter anderem ab:

  • An welchem Tag soll die Aktion stattfinden oder wollen Sie sich regelmäßig engagieren?
  • Wer soll die Zielgruppe sein?
  • Gibt es ein Budget (z.B. für Ausflüge) und wie hoch ist es?
  • Wie weit ist die Idee im Unternehmen schon verbreitet?

„Der Einsatz muss gut begleitet werden, damit nichts schief geht“, weiß Wolter aus Erfahrung. „Sonst kommt es tatsächlich vor, dass junge Mädchen in Ballerinas mit dem Kindergarten durch den Matsch stapfen oder Helfer ständig ihre Anrufe annehmen, weil sie eben doch nicht abschalten können.“ Solche Situationen will sie durch persönliche Vermittlungsgespräche vermeiden.

Planetvalue lädt Unternehmer und Einrichtungen vorab zu Auftaktveranstaltungen ein, bei denen grundlegende Fragen geklärt und die Bereitschaft zur Mitarbeit signalisiert werden kann. „Das Commitment ist hoch“, hat Lutz Leßmann beobachtet. „Wer bei der Veranstaltung persönlich die Unterstützung seines Unternehmens zusagt, erscheint auch beim Aktionstag.“
Für die Vermittlung der Projekte nutzt Planetvalue auch die eigene App (für Android und iOS). Vor allem in der Flüchtlingshilfe können Einrichtungen hier auch spontane Anfragen stellen, zum Beispiel wenn dringend Kleidung oder Umzugshelfer benötigt werden.

Die richtige Kommunikation ist entscheidend.

Tu Gutes und sprich darüber.

Wie richtig kommunizieren?

Nach dem Motto „Tu Gutes und sprich darüber“ müssen Unternehmen keine falsche Bescheidenheit an den Tag legen, wenn sie ihre Corporate-Volunteering-Maßnahmen kommunizieren. Im Gegenteil: Transparente Kommunikation nach innen und nach außen lohnt sich:

Warum intern kommunizieren?

  • Um zu erklären, warum privates Engagement der Mitarbeiter zur Unternehmensphilosophie passt.
  • Um die Mitarbeiter ins Boot zu holen und sie für die Teilnahme zu begeistern.
  • Um Vorgesetzte zu überzeugen.
  • Um den teilnehmenden Mitarbeitern Ihre Wertschätzung auszudrücken.

Die Berichterstattung ist auf kein Format festgelegt. Ob Intranet, Mitarbeitermagazin oder Betriebsfest, ob als Geschichte, Diagramm oder Statistik – die Kommunikationsmöglichkeiten sind vielfältig. Warum zum Beispiel nicht Botschafter benennen und dem Engagement ein Gesicht geben? Wer sich an die jeweilige Zielgruppe anpasst, erreicht Mitarbeiter, Führungskräfte und Vorstand.

Nachholbedarf bei der externen Kommunikation

Neben den internen Stakeholdern kann das Engagement auch nach außen getragen werden. Potenzielle Empfänger sind zum Beispiel Medien, aber auch Kunden oder  Lieferanten. Die oben zitierte Studie der IHK München und Oberbayern zeigte in diesem Bereich Defizite: Nur die wenigsten der befragten Unternehmen berichtete im Internet oder in anderen Medien über ihre Projekte.

Warum extern kommunizieren?

  • Reputation: Das Unternehmen wird als eines „der Guten“ wahrgenommen.
  • Daraus ergibt sich ein Ruf als attraktiver Arbeitgeber.
  • Das Unternehmen wird „menschlich“.

Wo extern kommunizieren?

  • Unternehmenswebsite: Wo engagiert sich das Unternehmen wie und warum? Auf der eigenen Website sollte das Engagement der Mitarbeiter erwähnt werden. Das drückt Wertschätzung für deren Leistung aus und kommuniziert auch an Externe: Wir tun was!
  • Blog: Mitarbeiter erzählen aus ihrer eigenen Perspektive von ihrem Engagement. Die Berichte motivieren Nachahmer, regen zum Kommentieren an und liefern auch Externen einen authentischen Einblick.
  • Kundenmagazin: Geeignetes Medium für Hintergrundberichte über Aktionen und darüber, warum Ehrenamt zum Unternehmen passt. Wer sich engagiert, darf auch darüber sprechen – das vermittelt Kunden und Geschäftspartnern ein positives Bild.
  • Geschäftsbericht / Nachhaltigkeitsbericht: Wie unterstützt das Unternehmen soziales Engagement seiner Mitarbeiter und stiftet somit nachhaltigen Nutzen? Infos über Corporate-Volunteering-Aktionen gehören in diese Selbstdarstellung.
  • App: Live-Berichte mit Fotos und Videos vom Aktionstag. Wer nicht dabei ist, kann sich mobil zuschalten, teilhaben und ggf. kommentieren.

Planetvalue nutzt die eigene App beispielsweise auch, um live von den Aktionstagen zu berichten. „Hinterher ist es immer schwer, die Teilnehmer zu motivieren. Via App können sie Fotos und Berichte sofort einstellen und die Kollegen im Büro an ihrer Arbeit teilhaben lassen“, erklärt Leßmann das Prinzip.

Fazit

Corporate Volunteering lohnt sich: Für jeden teilnehmenden Mitarbeiter, aber auch für den Arbeitgeber. Interessierte Unternehmen sind nicht an feste Formate gebunden, sondern können individuell entscheiden, wen sie wie unterstützen möchten. Wer seine Mitarbeiter mit ins Boot holt und offen kommuniziert, schafft ein Team, das auch außerhalb des Büros zusammenhält – und kann sich selbst als attraktiver Arbeitgeber positionieren.

Weiterführende Links:

Diakonie Düsseldorf: Soziales Engagement von Unternehmen
Übersicht über Freiwilligenagenturen in Deutschland
An einem Aktionstag der Wirtschaft teilnehmen

Autor: Verena Waldbröl

Verena Waldbröl ist Redakteurin bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Sie hat schon für deutsche Residenten in Südspanien und eine Lokalzeitung am Niederrhein geschrieben, bevor sie im Volontariat das Corporate Publishing für sich entdeckt hat.

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