K12

Zum Tod von Anita Roddick

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Autorin:  Carina Waldhoff

Leider etwas zu spät, da ich gestern noch im Urlaub war – aber dennoch ein mir persönlich wichtiger Eintrag:

Anita Roddick, die Gründerin des Body Shop, starb Anfang der Woche mit nur 64 Jahren. Ich habe sie das erste Mal bewusst wahrgenommen bei einem „Interview“ mit dem britischen Comedian Ali G. vor 7-8 Jahren (Jede/r der Ali G./Borat/Sasha Baron Cohen kennt kann sich die Form dieses Gesprächs in etwa vorstellen…), bei dem sie mich mit ihrem Humor und ihrer unglaublichen Souveränität beeindruckte. Mehr über ihre Biografie und ihr Lebenswerk habe ich über die Jahre, insbesondere im Kontext von CSR, erfahren.

Anita Roddick stammt aus einer italienischen Einwandererfamilie und wurde aus purer wirtschaftlicher Not (sie musste zwei kleine Kinder durchbringen) zum Entrepreneur. Wohl eine Mischung aus italienischer Leidenschaft und englischer „Get on with it“-Pragmatismus, die ihre Energie speisten. Sie gründete ein Unternehmen auf Basis des „Fair Trade“-Gedankens zu einer Zeit, als Dritte Welt-Läden zwar angesagt waren, aber sicher nicht für wirtschaftlichen Erfolg und Expansion standen. Das Konzept trägt sich bis heute, und ein Ende ist nicht abzusehen: Bis in ihre letzten Monate unterstützte Roddick das Konzept „Body Shop at Home“, das den besonderen Bedürfnissen von Frauen in der heutigen Arbeitswelt Rechnung trägt. Seit einigen Jahren war Anita Roddick nicht mehr im Unternehmen selbst aktiv und konzentrierte sich noch mehr auf ihre Arbeit u.a. für Amnesty International, siehe u.a. ihre Homepage. Den Börsengang des Body Shop stufte sie zuletzt übrigens als Fehler ein – mit der Begründung, ansonsten weniger gefällige Kampagnen ermöglicht haben zu können. Ihr letztes Interview mit dem Telegraph (volle Transkription, sehr lang, absolut empfehlenswert!) gibt einen Einblick in ihre gedankliche Welt, ihre letzten Projekte, Politik und Prioritäten.  Zuletzt lag ihr der Kampf gegen Hepatitis C besonders am Herzen, die Krankheit, die sie über 30 Jahre unentdeckt in sich trug und an deren Folgen sie letztlich starb.

Anita Roddick war ein Vorbild in vielerlei Hinsicht: Als Visionärin, Entrepreneur, Frau in der Geschäftswelt und überzeugte Aktivistin. Allen Zynikern, die ethisches Geschäftsgebaren, sozial bedeutsame Geschäftideen oder gar den Kampf für eine ‚bessere Welt‘ per se für wirkungslos oder Augenwischere halten, sollte sie einmal kurz zum Nachdenken bringen. Für viele Menschen, auch für mich, war sie (in ihren eigenen Worten) „truly inspiring“.

Autor: Carina Waldhoff

Carina Waldhoff, Jg. 75, ist Kommunikationsberaterin bei der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Sie studierte Anglistik, Psychologie und Pädagogik in Bochum und Barcelona sowie Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem Nutzen von Corporate Citizenship für die Unternehmenskommunikation. Nach dem Studium arbeitete sie als Referatsleiterin Interne Kommunikation bei der Vereinigten IKK in Dortmund, anschließend als Junior Consultant bei CP/COMPARTNER in Essen und reiste dann ein Jahr durch Australien, wo sie auch zum ersten Mal bloggte.

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