Rest - Verfasst von Carina Waldhoff am Dienstag, 08.01.2008 20:38 - 2 Kommentare
Zwangsehe mit den “Big Brothers”?
Autor: Carina Waldhoff
Wer bloggt, hat (hoffentlich) naturgemäß ein gesteigertes Bewusstsein dafür, dass er/sie nicht nur seine Daten, sondern mit persönlichen Ansichten oder Auszügen aus der eigenen Arbeit sich selbst in einem extrem öffentlichen Raum exponiert. Ich selbst wundere mich gelegentlich über die Unbedarftheit (oder besser: Routine), mit der ich – bei vollem Problembewusstsein! – online buche und zahle, meine Daten für Kundenkarten hergebe etc.
Die aktuelle Ausgabe der ZEIT liefert ein paar interessante Hintergründe zum Thema Datenschutz, z.B. Studienergebnisse von Privacy International, denen zufolge Deutschland sich im internationalen Vergleich in Sachen Datenschutz dramatisch weit von seiner ehemaligen Vorreiterrolle entfernt hat. Geradezu ernüchternd finde ich das Interview mit dem Medienwissenschaftler und Zukunftsforscher Bernd Flessner, der gleichzeitig zum Widerstand aufruft (“Überwachung ist antidemokratisch”) und resignierend-pragmatisch feststellt, dass sich zumindest gegen die wirtschaftlich motivierte Form des Datensammelns Widerstand schon lange zwecklos ist. Umgehauen hat mich der praktische Tipp, doch mit zwei Rechnern zu arbeiten: Einem mit Internet-Zugang und einem nicht online-fähigen mit allen persönlichen Daten. Das ist also der Preis des technischen Fortschritts?
Bleibt dann noch der Schutz der wirklich persönlichen Daten, also Gedanken, Bildern etc… Schad’ nix, sich hier gelegentlich zu hinterfragen, ob man über genau diesen Kommentar, dieses Bild… ohne weiteres mit dem Nachbarn in der Bahn oder dem künftigen Chef reden würde…
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2 Kommentare
Lars Gräßer
Es ist ein Dilemma: Auf der einen Seite funktioniert Web 2.0 nur, wenn man sich beteiligt und damit eben immer auch exponiert bzw. exhibitioniert. Und man wundert sich ja, welche Formen das mittlerweile annimmt. Das ist die andere Seite. Ob man so weit gehen muss wie z.B. Michael Schetsche (bereits 2006): “Datenschützer und Netzaktivisten finden für ihre Warnungen vor dem ‘gläsernen Bürger’ nicht etwa deshalb wenig Aufmerksamkeit, weil die Mehrheit der Menschen nicht verstehen würde, was sie da tut – sondern deshalb, weil die Datenschützer und Netzaktivisten nicht verstehen, dass die Menschen das, was sie tun, auch tun wollen.” Quelle: http://www.zeitenblicke.de/2006/3/Schetsche
Was also tun? Eine zweite Netzidentität entwickeln, die nicht zurechenbar ist auf die reale Person? Kommentare in denen man klare Position bezieht durch anderslautende “Gegenkommentare” kompensieren, also gezielt Nebelkerzen werfen, damit einem später Äußerungen nicht vorgehalten werden können? Damit würde die Identität im Netz multipel und letztlich alles nivelliert. Wir glaubhaft ist jemand, gleichzeitig etwas und dessen Gegenteil behauptet? Es ist ein Dilemma!
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- Der Beitrag in die NYT ist in der Tat ähnlich, aber liest sich etwas strukturier...
- Kann Dir da nur beipflichten. Hab Herrn Lanier auf der UX Week in San Francisco ...
- Den Geschmack wird McD sicher nicht gravierend ändern, weil er von den Kunden "g...
- Interessant ist in dem Zusammenhang Flattr, damit kann man Micropayments machen ...
- Ja, lesen macht Spaß mit dem iPad, besonders im Bett. Gerne schaue ich dort auch...
- Hallo Martin,
vielen Dank für´s Feedback und die interessanten Links. Habe Hojo...
- Schöner Artikel, Aggregatoren machen das Leben tatsächlich leichter. Ein ähnlich...
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vielen Dank für den Hinweis. Dann sind wir in jedem Fall auf die...
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Oh Je, wenn ich darüber nachdenken würde wohin mich speziell meine Artikel im Waldblog noch bringen werden … Aber das ist gewollt und für eine gute Sache.
Mich wundert es auch manchmal wie unbedarft Leute im Internet mit ihrenDaten umgehen. Da gibt es Eltern, die in Internetforen die aktuellen Bilder ihrer Kinder veröffentlichen, im nächsten Post dann ihre Adresse nennen und danach noch veröffentlichen wann ihr Kind in welchen Kindergarten geht …
Oder Leute, die auf irgendwelchen Studentenportalen die Bilder ihrer letzten Saufexzesse online stellen und sich kurz danach bei einer Wirtschaftskanzlei bewerben …
Da sind Kreditkarteninformationen ja noch harmlos.
Gerhard Zirkel