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Change braucht Vision

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Wenn klare Zukunftsbilder fehlen, drohen Veränderungsprojekte zu scheitern. Auch wenn das Thema alles andere als neu ist, so ist es heute, wo Wandlungsfähigkeit für Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt, aktueller denn je. Denn viele Unternehmen verkennen noch immer die enorme Energie mitreißender Visionen. Ein Praxischeck.

Unternehmensvision motiviert und aktiviert Mitarbeiter im Changeprojekt

Haben sie schon einmal versucht, ihre Familie mit den Angaben „eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 km/h und ein Benzinverbrauch von 8,9l/100 km“ für das Ziel des nächsten Familienurlaubs zu begeistern? Ihre Antwort lautet Nein?

Da ist es doch erstaunlich, dass eine Vielzahl von Unternehmenslenkern versucht, Menschen auf genau diese Art für Veränderungen zu gewinnen. Zweifelsohne sind die Verdoppelung des Betriebsergebnisses, eine gesteigerte Agilität, die Erhöhung der Innovationskraft und das Sichern des zukünftigen Unternehmenserfolgs erstrebenswerte Ergebnisse. Sie taugen jedoch nicht als Ersatz für eine mitreißende Vision. Denn sie erzeugen kein klares Vorstellungsbild einer erstrebenswerten Zukunft in den Köpfen und Herzen der Mitarbeiter. Und somit geben sie auch keine Antwort auf die Frage: Was ist das konkrete Ziel unserer Veränderung? Für den Erfolg und das effektive Management von Veränderungen ist das jedoch eine wesentliche Grundvoraussetzung.

Die Vision als Katalysator der Veränderung
Führungskräfte, die Mitarbeiter als wirkungsvolle Unterstützer in Veränderungssituationen gewinnen wollen, müssen Sorge tragen, dass diese den Veränderungsprozess als Ganzes verstehen. Denn nur wer das „Wohin“ versteht, kann selbstbestimmt seinen Beitrag auf dem Weg zum Ziel leisten. Oder in den Worten von Prahalad und Oosterveld: „If they cannot imagine the future, they cannot create it!“

Der Vision kommt also eine besondere Rolle zu. Sie wirkt als Katalysator der Veränderung. Sie gibt Strategie, Führung und Mitarbeitern eine innere Orientierung, indem sie ein gemeinsames Richtungsverständnis und ein konkretes Bild der angestrebten Zukunft vermittelt. Für die Mitarbeiter zeigt die Vision Zweck und Nutzen ihres Handels auf und stiftet dadurch Sinn. Sie bekommen ein besseres Gefühl für ihren Beitrag zum großen Ganzen. Das Wissen darum, wohin die Reise geht, steigert Motivation und Engagement.

Hat sich die oberste Führung nicht auf ein konkretes Zielbild verständigt und die wesentlichen Eckpfeiler benannt, fehlt dem gesamten Veränderungsvorhaben das wegweisende Ziel und der Organisation die entscheidende Orientierung. Ohne Katalysator gerät das gesamte Projekt ins stocken und droht zu scheitern. Denn mangelnde Orientierung durch unklare Zielbilder und Visionen ist ein wesentlicher Grund für das Scheitern von Veränderungsprojekten.
Das liegt u. a. darin begründet:

  • Das Top-Management kann der Organisation die Veränderungsnotwendigkeit nicht glaubwürdig vermitteln und Vertrauen in den Wandel schaffen.
  • Die Führungskräfte können ihre Teams nur unzureichend im Sinne der Vision führen, d. h. neue Denk- und Handlungsweisen vorleben und eine Resonanz im persönlichen Glaubens- und Wertesystem der Mitarbeiter erzeugen.
  • Die Mitarbeiter sind verunsichert, da sie nicht wissen, welche Erwartungen an sie gestellt werden. Sie können etablierte Denk- und Handlungsmuster nicht überprüfen und anpassen.
  • Ein sinnvolles Priorisieren und Ausrichten von Projekten und Initiativen auf ein gemeinsames Ziel ist nicht möglich. Es kommt zu einer Aneinanderreihung zeitintensiver Einzelprojekte, die zu versanden oder sich zu verselbstständigen drohen.
  • Die Organisation beschäftigt sich mit sich selbst und legt sich selber lahm.
  • Die Performance sinkt und das Unternehmensergebnis bleibt hinter dem Plan zurück.

Die Vision als Kraftquelle im Change
Es lohnt sich also, Energie in die Erarbeitung einer inspirierenden Idee der unternehmerischen Zukunft zu investieren. Bereits das gemeinsame Erschaffen der Vision bringt ersten Nutzen: Eine starke Zukunftsgemeinschaft entsteht und das Top-Management ist befähigt, seine Rolle als „Zukunfts-Testimonial“ und Zielvermittler auszufüllen und das Vertrauen der Organisation zu gewinnen. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass eine Organisation, die eine Vision in sich trägt, weniger Führung im herkömmlichen Sinne benötigt. Die Mitarbeiter managen sich selbst und tun voller Energie das, was zur Erreichung der Vision notwendig ist.

Praxischeck: Hat Ihre Unternehmensvision die Kraft, Ihre Organisation für Veränderung zu aktivieren?
Es gibt unterschiedliche Herangehensweisen und Methoden zur Visionsgestaltung. Was am Ende zählt, ist das Ergebnis. Und das ist in hohem Maße abhängig von der Zielrichtung, die bei der Erstellung der Vision verfolgt wird. Mit den folgenden exemplarischen Leitfragen möchte ich Sie dafür gewinnen, einmal für sich zu prüfen, wie es um die orientierende und motivationale Energie Ihrer Unternehmensvision steht. Und ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit dem Thema Vision sowie die zentralen Fragen, die Sie als richtungweisende Hilfestellung nutzen, mit mir teilen.

Fragestellungen für ein inspirierendes und motivierendes Vision Statement:

  • Vermittelt die Vision ein konkretes Bild der angestrebten Zukunft?
  • Sind Sinn und Nutzen der Vision nachvollziehbar?
  • Schafft die Vision Vertrauen und bietet sie den Menschen im Unternehmen Orientierung?
  • Wird ersichtlich, in welcher Rolle das Unternehmen zukünftig wahrgenommen werden möchte?
  • Ist deutlich, welchen konkreten Beitrag das Unternehmen zukünftig leisten möchte, (z. B. für seine Kunden, für eine bessere Welt)?
  • Lässt sich der konkrete Beitrag einzelner Funktionsbereiche, Abteilungen oder Mitarbeiter ableiten?
  • Ist die Vision mit der Realität verbunden (zielt sie z. B. auf ein zukünftig zu erwartendes Marktpotential)?
  • Ist die Vision inspirierend und hat sie das Potential, Mitarbeiter als motivierte Unterstützer zu gewinnen?

Autor: Christian Kakas

Christian Kakas ist seit April 2015 als Senior Berater für Change und Interne Kommunikation bei der Düsseldorfer K12 GmbH. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in der Begleitung von Unternehmen in Veränderungssituationen sowie der kreativen Entwicklung ihres Geschäfts. Zu den betreuten Kunden gehören führende Unternehmen wie AachenMünchener, BASF, Borussia Dortmund, BP, Coca-Cola Erfrischungsgetränke, Evonik, LichtBlick, Peugeot, TUI und Yello.

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