Rest - Verfasst von Carina Waldhoff am Freitag, 20.07.2007 17:02 - 0 Kommentare

ARD und ZDF dopen ihr Ego

Von Carina Waldhoff

Autor: Carina Waldhoff

Medien-Nachlese zum Wochenende: ZDF und ARD verabschieden sich aus der Tour-de-France-Berichterstattung, SAT 1 springt in die Bresche – auch als Nicht-Tour-Gucker kommt man in diesem Jahr nicht am Thema vorbei. War ja auch ein echter Paukenschlag.

Entsprechend spannend fand ich gestern abend die Tagesthemen: Dass der Tourausstieg eines der Hauptthemen sein würde, war ja zu erwarten, aber würde der Drahtseilakt zwischen unabhängiger Berichterstattung und Eigen-PR gelingen?

Ich finde: geht so. Gefühlte zwei Drittel der Sendung gingen fürs Selbstreferentielle drauf, und der Kommentar überschritt für meinen Geschmack die Grenze zur PR-Meldung eindeutig und wirkte wenig souverän (sinngemäß: “Wir zeigen Flagge, und SAT1 hätte sich ebenfalls raushalten sollen; nicht der Fairness uns, sondern den Zuschauern wegen.” Und, Überraschung: “Wir verwalten Ihre Gebühren verantwortungsvoll”). Wenn schon so ausführlich, warum nicht wenigstens ein Statement von SAT1 dazu?

Und die Argumentation im öffentlich-rechtlichen Sinne hätte geschickter lauten können: “Haben wir’s doch schon immer gesagt: Wir erfüllen unseren Informationsauftrag, die Privaten müssen kommerziell denken.” Hätte mehr Sinn gemacht, als von der Konkurrenz Schulterschluss zu verlangen. Immerhin kritisierte Michael Vesper, Generaldirektor des DOSB, live die Entscheidung der Öffentlich-Rechtlichen, das bestehende Zuschauerinteresse an der Tour nicht weiter zu bedienen. Immerhin gibt es ja bei der ARD, auch das wurde stolz erwähnt, “sogar eine eigene Doping-Redaktion” (Was treiben die da? ;-)

Kleines Eigentor also (und wo wir schon bei schlechten Metaphern sind: Die “Herden schwarzer Schafe” im Radsport statt “vereinzelter dopender Sportler” scheinen ARD-interne Sprachregelung zu sein; hört man grad überall. Ich kann kaum noch an Schafe denken, ohne sie in gelben/grünen/magentafarbenen Leibchen vor mir zu sehen).

In meinem beruflichen Umfeld werden leistungsfördernde Substanzen übrigens offen eingesetzt – die Top 3: Frikadellen, Fred Ferkel, Schokolade.

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