Unternehmenskommunikation ist Familientherapie. Oder: Nachruf auf Paul Watzlawick

11. April 2007 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Leider komme ich erst jetzt dazu, etwas zum Tod von Paul Watzlawick (+ 31.3.2007) zu schreiben – nun hole ich es mit fast zwei Wochen Verspätung dennoch nach, da mir was daran liegt.

Paul Watzlawick, gebürtiger Österreicher, Psychologe und Kommunikationswissenschaftler, galt als einer der führenden Vertreter des Radikalen Konstruktivismus. Mit Büchern wie „Die erfundene Wirklichkeit“ (als Herausgeber) oder „Anleitung zum Unglücklichsein“ wurde er auch in Deutschland populär.

Sein Buch „Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien“, das er zusammen mit Janet Beavin und Don Jackson Anfang der Siebziger geschrieben hat, war das erste Buch, das ich im Rahmen meines kommunikationswissenschaftlichen Studiums gelesen habe (es war Pflichtlektüre). Das Buch bezieht sich eigentlich auf familientherapeutische Aspekte, doch gleichwohl kennen viele die Axiome daraus:

  1. In einer sozialen Situation kann man nicht nicht kommunizieren.
  2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt.
  3. Die Natur einer Beziehung ist durch die Interpunktionen der Kommunikationsabläufe seitens der Partner bedingt.
  4. Menschliche Kommunikation ist digital und analog.
  5. Zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe sind entweder symmetrisch oder komplementär.

Insbesondere das erste Axiom wird immer wieder zitiert und auch auf Aspekte der Kommunikation von Unternehmen übertragen. Ich denke, man könnte auch die übrigen Axiome entsprechend übertragen, schliesslich sind sie sehr allgemein gehalten…

Für mich persönlich war das der Einstieg in eine spannende Zeit, die mich persönlich sehr bereichert und am Ende verändert hat – schliesslich kann der Radikale Konstruktivismus nicht nur als Erkenntnistheorie verstanden, sondern auch alltagsrelevant werden: Weil sie das Gegenteil von Dogmatismus ist, weil sie hilft zu akzeptieren, dass andere eben eine andere Sicht auf gleiche Dinge haben. Weil sie helfen kann, eigene Einstellungen nicht als unveränderbar hinzunehmen. Und zu guter letzt konnte ich mit Watzlawickschen Zitaten Ex-Freundinnen (und jetzt meine Frau) in Beziehungsdiskussionen auf die Palme bringen. Familientherapie eben. Kann auch Spaß machen. 😉

Für mich wird Watzlawick bleiben.

Autor: Jörg Hoewner

Jörg Hoewner ist Geschäftsführender Partner bei K12 Agentur für Kommunikation und Innovation. Seit fast 30 Jahren berät er Kunden im Bereich Digitale Kommunikation und der Einführung von digitalen Werkzeugen in Kommunikation und Marketing. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte, datengetriebenen Kommunikation und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com).

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