K12

Buchrezension: „Digitalisierung und Kommunikation“ von Marcus Stumpf (Hg.)

30. September 2019 · von Joerg Hoewner · 3 Kommentare

Untertitel: „Konsequenzen der digitalen Transformation für die Wirtschaftskommunikation“
Die digitale Transformation der Kommunikation ist in unserer Branche ja momentan en vogue und so habe ich gehofft, dass dem eher dürftigen Literaturfundus zu diesem Thema durch diesen Band etwas abgeholfen wird. Schließlich verspricht der Titel irgendwie was zu diesem Thema zu sagen.
Nach der Lektüre bin ich ehrlich ratlos, was ich damit anfangen soll bzw. wie ich eine Bewertung ausdrücken soll. Daher beginne ich mit einer formalen Beschreibung. Es handelt sich um einen Sammelband mit Einzelbeiträgen aus – wenn ich richtig gezält habe – 28 Beiträgen auf beachtlichen rund 500 Seiten. Die Artikel generieren sich aus Konferenzbeiträgen der 17. interdisziplinären Tagung des Forschungsnetzwerkes Europäische Kulturen in der Wirtschaftskommunikation (EUKO). Die Schwerpunktkapitel:
  • Grundlagen der digitalen Transformation und Kommunikation
  • Industrie, Arbeit, Führung und Marketing 4.0
  • Compliance und rechtliche Konsequenzen digitaler Kommunikation
  • Ausprägungen digitaler Kommunikation
  • Beispiele digitaler Kommunikation und Kommunikation
Einige Beiträge wie z.B. der Einstiegsaufsatz sind gut geeignet, um einen Überblick über die wichtigsten Treiber der Digitalisierung zu bekommen und bieten somit einen guten systematisierenden Einstieg.
Die Hauptschwäche des Buches ist, dass die – vermutlich konferenz-bedingte – sehr breite thematische Abdeckung dazu führt, dass viele Beiträge eher entfernt etwas mit dem Thema zu tun haben, andere wiederum so banal, dass sie gefühlt schon x mal abgehandelt wurden. Da gibt es Beiträge über technische Kommunikation (also quasi ohne Menschen), Community Management und Employer Branding von Start ups quasi nebeneinander. Natürlich hat das alles irgendwie mit Digitalisierung und Kommunikation zu tun, aber das gilt heutzutage für eigentlich alles. Mehr Fokus wäre gut gewesen.
Das führt dazu, dass in der Qualität der Beiträge extreme Unterschiede sichtbar werden, was Themenauswahl, Detailtiefe und methodische Qualität angeht. Es gibt Beiträge, die durchaus beeindrucken, aber es gibt Beiträge, die sind inhaltlich und handwerklich und von der Datenbasis her einfach sehr dünn.
Bei vielen Beiträgen, die mit Kommunikationsthemen im engeren Sinne zu tun haben, hat man den Eindruck, als habe es die Kommunikationswissenschaft nie gegeben oder sie wäre gerade entdeckt worden. Einige der Beiträge sind dem Erkenntnisstand der KoWi Jahre hinterher.
Es bleibt also ein zwiegespaltenes Gefühl: Ein so breites und komplexes Thema in einem Band abzudecken ist sicherlich eine Herkulesaufgabe, die schwer zu bewältigen sein dürfte. Wenn die Inhalte aus einer sehr heterogen besetzen Konferenz abgeleitet werden, dann wird es schwierig, den roten Faden herzustellen. Andererseits weckt der Titel Erwartungshaltungen zumindest in der Marketing- und Kommunikations-Community, die leider nicht eingelöst werden.

Autor: Joerg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. Jörg Hoewner hat in diesem Zeitraum zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32 bzw. +49 (177) 4594974

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


19 − 2 =