K12

K12 @ re:publica 2013 – Tag 1

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Als re:publica-Neuling habe ich mich am Montagmorgen ins Getümmel der Station im sonnigen Berlin gestürzt. Was mit dem „Klassentreffen der Netzgemeinde“ gemeint sein sollte, wurde mir klar, als ich direkt am Eingang die ersten bekannten Gesichter fand. Allein dafür hat sich die re:publica schon jetzt gelohnt! Was ich außerdem festgestellt habe:

  • Die Speaker scheinen nie auch nur ansatzweise beleidigt, wenn 90 Prozent des Publikums während des Vortrags auf seine Smartphones, Tablets und Co. fixiert sind. Also wird mit gutem Gewissen unter @kzwoelf weitergetwittert!
  • Das W-Lan hat reibungslos funktioniert – ich habe nur wenige Meckertweets von re:publica-Besuchern vernommen und war auch selbst immer schnell unterwegs.
  • Meckereien gab’s stattdessen sowohl digital als auch analog über die langen Warteschlangen. Dafür hat sich aber z.B. das Warten aufs Curryhuhn, von dem mir vorher schon so viel vorgeschwärmt wurde, auch wirklich gelohnt!
  • Trotz einer super re:publica-Programm-App liefen erstaunlich viele re:publicaner mit Faltprogrammen vor der Nase herum. Print ist – auch hier – also nicht tot!
  • Auch wenn das Programm so spannend ist: Man sollte Pausen einlegen – nicht zuletzt, um zwischendurch den Akku des Smartphones an den (zahlreich vorhandenen) Stromanschlüssen aufzutanken.

Der erste Tag war bereits voll von spannenden Vorträgen. Hier eine Auswahl meiner Besuche:

Community Organizing

Betsy Hoover, Organisatorin der Online-Kampagne für Barack Obama 2012, hat in einem lebhaften Eröffnungsvortrag gezeigt, wie Synergien zwischen Online- und Offline-Aktivitäten der Bürger geschaffen werden können. Beeindruckend – aber ob dies übertragbar auf andere Staaten wie Deutschland ist, wo die politische Kultur eine andere ist und wo es keinen Obama gibt? Ich bin da leider skeptisch.

Kinderkram: So nutzen Kids das Web

Da wir einen Kunden betreuen, der Kinder/Jugendliche als Zielgruppe im Social Web fokussiert, wollte ich in dieser Session ein paar neue, aktuelle Erkenntnisse aufschnappen. Interessant war die Vorstellung von speziellen Social-Media-Plattformen für Kinder (z.B. Chats, Foren, Suchmaschinen), die als besonders sicher und kindgerecht gelten. In der anschließenden Diskussion fragte sich das Publikum – mich eingeschlossen – aber dann, ob Kinder solche „Kinderangebote“ wirklich nutzen wollen. Schließlich werden sie früher oder später ohnehin bei Facebook, Google, YouTube & Co. landen. Die Mission lautet also: Den Kindern zeigen, was man bei solchen Angeboten beachten sollte. Und sich als Eltern oder Lehrer vorher auch ruhig mal selbst von den Kindern „schulen“ lassen, welche Plattformen überhaupt gerade gefragt sind. Denn laut Panel ist das Web 2.0 das einzige Gebiet, auf dem Kinder häufig mehr wissen als die Eltern.

Finanzblogs

Mein inhaltliches Highlight an diesem Tag. Diese Session war zugleich eine interessante Diskussion mit Spitzen-Gästen und Verleihung des comdirekt finanzblog awards 2013. Zunächst debattierten u.a. der überzeugende Thomas Knüwer und Ulrich Hegge von comdirect (der m.E. bei der nächsten re:publica das Zeug zum Moderator hätte) über die Frage: Sind Finanzblogs eher intellektuelle Elite oder allgemeinverständliches Massenformat? Panel und Publikum waren sich hier nicht immer ganz einig, was die Diskussion umso interessanter machte. Mein Fazit lautet: Blogger sollen Blogger bleiben, d.h. in erster Linie mit Passion über ihre Themen schreiben. Das muss auch nicht unbedingt verständlich für den Otto-Normalverbraucher sein und Finanzthemen sind nunmal nicht immer einfach zu vermitteln. Die Aufgabe, diese Themen in allgemeinverständliches Deutsch zu übersetzen, ist vielmehr die Aufgabe der klassischen Medien (Ausnahme: Special-Interest-Angebote). Natürlich ist es aber trotzdem toll, wenn auch Blogs diese Übersetzung schaffen und damit auch einen finanzblog award verdienen. Der 1. Platz ging dabei heute an Arne Kusters Blog http://www.wirtschaftswurm.net. Ab auf die Monitoring-Liste damit! Genauso mit den anderen diesjährigen Gewinnern, die in den kommenden Tagen bestimmt hier nachgetragen werden: http://finanzblog-award.de.

Wikipedia – Wo User geblockt, Artikel gelöscht und Reputationen zerstört werden

Der kritische Titel der Session klang vielversprechend – doch die beiden Wikimedia-Vertreter Anja Ebersbach und Pavel Richter sowie der Wikipedianer Dirk Franke zunächst nur einen Gute-Laune-Vortrag über deren Arbeit gehalten. Ein Aspekt blieb jedoch kritisch bei den Zuhörern hängen: Die Beteiligung von Frauen an der Wikipedia liege bei nur ca. 9 bis 19 Prozent, dementsprechend seien die meisten Beiträge eher „männlich“ formuliert und manche weiblichen Themen fehlen schlichtweg. Aber warum? Die Meinung der Wikimedia-Vertreter: Das Verfassen von Artikeln sei insbesondere wegen der Codes nichts für Frauen. Da mussten sie viel Kritik vom Publikum ernten. Kritik gab es auch am oft harschen Umgangston in der Wikipedia, die das Panel doch leider nicht so recht annehmen konnte. Die Session hat – zumindest bei mir- einen merkwürdigen Beigeschmack hinterlassen.

Überraschungsvortrag by @saschalobo

Bisher kannte ich den Iro-Hero nur aus den Mensch-Maschine-Kolumnen von Spiegel Online, also musste ich die Gelegenheit heute einmal nutzen, Sascha Lobo live zu lauschen. Obwohl ich den Hype um ihn etwas übertreiben finde, war der Vortrag durchaus unterhaltsam und konnte mit einigen wichtigen Kernbotschaften (und Hundewelpen-Fotos!) punkten. Eine Definition zur Netzgemeinde („Hobbylobby für ein freies, sicheres, offenes Internet“), ein Logo für das Internet (#) und eine neue Form von Kontrolle der eigenen Social-Media-Aktivitäten über http://www.reclaim.fm. Aktuelle netzpolitische Themen wie Netzneutralität, Leistungsschutzrecht und nicht zuletzt die #drosselkom blieben natürlich nicht unberührt. Und wenn man auf diesen Gebieten etwas verändern möchte, sollten wir uns laut Lobo fragen: „Was würde Merkel überzeugen?“ Und: Nicht zu viel twittern und diskutieren, sondern Machen.

Schauen wir mal, ob Tag 2 der re:publica weitere Impulse zum „Machen“ liefert!

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