K12

Web 2.0: Soziales Engagement und Entwicklungspolitik

| 7 Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Neben den Geschäftsmodellen, die vor allem auf Gewinnerzielung aus sind, entstehen auf Basis der Vernetzung von Nutzern über Web2.0-Plattformen und dem Crowdsourcing eine ganze Reihe alternativer Modelle, die soziale und ökologische Ziele verfolgen.

Eines der Vorzeigeplattformen ist hier kiva.org, bei der Nutzer aus der Ersten in Geschäftsideen in der Dritten Welt investieren können. Dabei geht es um Investitionen für kleine Geschäfte oder Handwerksbetriebe, die im Schnitt unter 1.000 US$ liegen. Anleger können dabei kleinere (z.B. 25 US$) oder auch größere Summen für 6-12 Monate anlegen und bekommen dafür vom Vermittler kiva regelmäßige Statusreports über das Vorhaben. Über die Website Globalgiving.com oder Justgiving.com besteht die Möglichkeit, direkt auch an nicht-kommerzielle Projekte zu spenden.

Kiva.org - Startseite

Über die Website idealist.org wiederum finden Menschen zueinander, die sich persönlich als Entwicklungshelfer, Praktikant bei einer wohltätigen Organisation oder punktuell an der Organisation einer Veranstaltung helfen wollen.

Die Non-Profit-Expertin Brigitte Reise sieht aus Richtung dieser neuen Akteure Herausforderungen auf Non-Profit-Organisationen (NPOs) zukommen, da Spendenwilligen nun unter Umgehung der bekannten Organisationen direkt an Projekte vor Ort geben können, dadurch die nicht projektgebundenen Mittel dieser Organisationen zurückgehen. Gleichzeitig werde der „Markt“ unübersichtlicher werden, da die Anzahl der Akteure stark zunehme. Und schließlich würden die NPOs so wie ihre Profit-Gegenüber die Informationshoheit über ihren Markt verlieren, weil sich der Informationsaustausch immer mehr in Richtung der interessierten Individuen untereinander verlagere.

Andererseits erhofft man sich auf Basis der Vernetzung der Menschen innerhalb der Dritten Welt so positive Effekte, dass die „Food and Agriculture Organization“ der Vereinten Nationen 2007 einen Kongress veranstaltet hat, der sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, die das Web2.0 dem Wissensaustausch und der Zusammenarbeit in der Entwicklung bietet.  Als Beispiel wird das BROSDI-project in Uganda genannt:

„where a group of farmers started experimenting with modern Information and Communication Technology (ICT) to improve farming. Using a wide variety of communication tools such as websites, SMS, blogs, RSS feeds, Google Maps, Flickr, Picasa and Skype has helped them to strengthen organisation, planning and information sharing within the community which improved their livelihoods considerably.“

Eigentlich viel spannender, was hier passiert, als in MySpace & Co. finde ich…

Autor: Joerg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. Jörg Hoewner hat in diesem Zeitraum zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32 bzw. +49 (177) 4594974

7 Kommentare

  1. Definitiv spannender, wenn auch weniger unterhaltsam…
    Brigitte Reises nachvollziehbaren Befürchtungen müssten etablierte NPOs mit eigenem Engagement im Web 2.0 begegnen.

  2. Schöner Artikel. Die Ansätze sind aber zum Glück nicht nur auf Geld reduziert. Die spannende neue Entwicklung ist, dass sich weltweit länderübergreifende Netze für Ideen herausbilden. Hier wird Expertise ausgetauscht und neue Möglichkeiten der Entwicklung zwischen unterschiedlichsten Akteuren ausgelotet. Ein Beispiel dafür ist nabuur.com. Ich habe dazu einen Artikel in der Zeitschrift “Internationale Politik” geschrieben. “Die Technologie ist dabei zweitrangig, denn die Motoren dieser ungesteuerten Bewegung im Netz sind Offenheit, Transparenz, Vernetzung und der Fokus auf Innovation. Hier werden länderübergreifend Projektideen entwickelt, die eine Vielzahl von Experten, Interessierten und vor allem die Betroffenen einbinden. Kooperationen ergeben
    sich im Peer-to-Peer-Prinzip, also im direkten weltweiten Diskurs, in lockerer Form.” Den Artikel gibt es nur in der englischen Version frei zugänglich: http://www.ip-global.org/archiv/2008/spring2008/the-idea-network.html

    Zur Konferenz letzten September gibt es auch ein Blog mit einer Fülle von Beiträgen: http://blog.web2fordev.net/

  3. Hallo Herr Kreutz,
    danke. Den Beitrag schau ich mir mal an. In der Tat ist die Technologie nur “enabling”, aber es ist irre spannend, welche kreativen Ansätze hier lebendig werden. Und einen Schub bekommt das Thema noch durch Mobilfunk, weil hier die Penetration viel weiter fortgeschritten ist in Entwicklungsländern als mit PCs.

  4. Sehr interessanter Artikel. Nicht nur Unternehmen müssen sich den neuen medialen Verhältnissen stellen und eine andere Form des Kundendialogs führen, auch NPOs sind hier gefordert.

    Inwieweit diese neuen Ansätze helfen, mehr Menschen für diese wichtigen Themen zu mobilisieren und ob hier effektiver gearbeitet werden kann als bei “traditionellen” NPOs, wird die Zukunft zeigen.

    Aber ich denke trotzdem, dass Organisationen wie UNICEF weiterhin ihre Existenzberchtigung haben, da sie meiner Meinung nach Kampagnen in größerem Stil duchführen können, auch wenn UNICEF natürlich gerade einen großen Vertrauensverlust erlitten hat. In diesem Zusammenhang würde ich gerne auf meinen Blog-Beitrag zum Thema verweisen:

    http://blog.kerstinplehwe.de/glaubwurdigkeit/wenn-grose-neu-beginnen

  5. Hallo Frau Plehwe, vielen Dank für den Beitrag. Ja, sicherhlich werden solche Organisationen ihre Existenzberechtigung haben. Da gebe ich Ihnen Recht. Vermutlich werden diese noch stärker darüber nachdenken müssen, was ihre “USP” ist. Da ist es ähnlich wie bei den Medien oder anderen Intermediären, die auch mit den Folgen des Netzes zu kämpfen haben.

  6. Interessanter Beitrag… ich denke, die Frage wird nicht sein, ob NGOs nachwievor eine Daseinsberechtigung haben, oder nicht – denn vor Ort organisieren sich Workshops und konkrete Projekte eben nicht gänzlich von allein. Da kann auch eine Plattform, die online Volunteers sammelt nicht helfen, denn koordiniert werden müssen diese dennoch – und nicht zu vergessen: Es bedarf auch strikter Regelungen und Professionalisierung, gerade im Feld. Allein die Bereitschaft zum Helfen genügt ja nicht, um Wasserpumpen und Sanitäranlagen auch tatsächlich zu bauen. Der Prozess des Fundraisings und Campaignings, als auch der Meinungsbildung im Netz wird sich allerdings mit Sicherheit ändern, da bin ich überzeugt – und den großen NGOs gehen die Mittel flöten, wenn sie nicht aktiv darauf reagieren, statt passiv abzuwarten..

  7. Pingback: Zukunft des Marketing – Marketing der Zukunft | Moderne-Unternehmenskommunikation.de

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