K12

Wahlblogs: Zu wichtig?

15. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Ok, jetzt gehöre ich ja fast doch zu der hohen Zahl von Bloggern, die ausschließlich selbstreferentiell über das Bloggen schreiben:

Frank Patalong hat in Spiegel online einen Beitrag über Wahlblogs veröffentlicht. Der Grundtenor: Nur die Besten kommen durch! Viele Blogs dümpeln mangels Aktualisierung. aber vor allem mangels authentischen Inhalten vor sich hin. Die Nutzerzahlen sind im Vergleich zu anderen Sites, die eine politische Berichterstattung anbieten, überschaubar. Interessant sind die Polit-Blogs vor allem dadurch, dass sie eine gewisse “Elite” erreichen, d.h. potentielle Multiplikatoren, so dass man sie nicht unterschätzen sollte.

Dann habe ich mir einige Blogs angeschaut. Die offiziellen Parteiblogs waren eher mau und wenig interessant. Lebhafter scheinen mir eher die “nicht-offiziellen” Blogs zu sein. Eine Auswahl:

Viel Spaß beim Lesen!

The Global PR Blog Week 2.0

14. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Ich will mich ja gar nicht in die hohe Zahl von Bloggern einreihen, die ausschließlich selbstreferentiell über das Bloggen schreiben. Gleichwohl scheint mir die Art und Weise, die Veranstaltung The Global PR Blog Week 2.0 abzuhalten (online, im Blog) als auch die Themen (über Tools, Anwendungen und Kommunikationsthemen) höchst interessant. Mal sehen, wie es da abgeht… Gibt es abends auch Caipirinhas?

An der Veranstaltung teilnehmen kann man zwischen dem 19. und dem 23. September hier: http://www.globalprblogweek.com/

The Rise of Employee Bloggers

14. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Edelman PR hat zusammen mit Intelliseek ein White paper zu Mitarbeiterblogs herausgegeben, welches man sich dort downloaden kann. Darin wird daraus eingegangen,

  • warum man überhaupt bloggen sollte
  • welchen Einfluß Mitarbeiterblogs auf Konsumenten haben (die entsprechende Herleitung dort ist allerdings relativ dünn)
  • Einfluß auf die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens
  • Fallbeispiele (z.B. CEO-Blogs)
  • Fallstricke und Tipps

Insgesamt eine gute Übersicht, lesenswert und vor allem kostenlos.

Geobasierte Kommunikation?

8. September 2005 · von Jörg Hoewner · 1 Kommentar

Autor: Jörg Hoewner

Zu den spannendsten Technologie-/Kommunikationsthemen derzeit gehört die Frage, wie sich die Verbindung zwischen Geo-codierten Datenbanken und GPS auf die Kommunikation auswirken wird bzw. (es ist ja noch sehr neu) könnte. Ich habe in meinem Beitrag vom 12.8. schon mal darauf hingewiesen und erste Anwendungsideen skizziert (noch sehr oberflächlich).

In der aktuellen De-Bug, der Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte, beschäftigt man sich auf vier Seiten mit dem Thema. Anlass für mich, die Gedanken dort aufzugreifen und an der einen oder anderen Stelle weiterzuspinnen.

Worum geht es?
Was passiert, wenn man Datenbanken mit geographischen Informationen verbindet? Wenn Informationen nicht nur begriffsabhängig (wie in Suchmaschinen), chronologisch (wie in Archiven oder in kalenderorientierten Sortiersystemen) oder autorenabhängig verfügbar gemacht werden, sondern abhängig vom Ort eines Objekts oder eines Subjekts?

Stellen Sie sich vor, Sie laufen als Tourist durch Berlin mit einem PDA mit Navigationssystem, welcher über Mobilfunk mit einer Datenbank verbunden wird. Sie laufen an einem eher unscheinbaren Haus vorbei und werden vom Gerät darauf aufmerksam gemacht, dass in dem Haus z.B. ein berühmter Philosoph gelebt hat, sie bekommen historische Fotos angezeigt, etc..

Sie sind auf der Wohnungssuche und bekommen auf dem Weg zur Arbeit einen Hinweis, dass in dem Haus, vor dem Sie gerade stehen, eine Wohnung frei ist, Sie erfahren den Preis, können sich Bilder anschauen und bekommen eine Information, dass der Ansprechpartner genau jetzt erreichbar ist. Klingeln Sie an? Oder rufen Sie vorher noch eine weitere Datenbank ab, die Ihnen Basisdaten zum Viertel, in dem Sie sich befinden, zur Verfügung stellt: Die Kriminalitätsrate, die Entfernung zur nächsten Schule, das Durchschnittseinkommen der Bewohner, der Anteil an jungen Menschen mit Kindern…

Solche Anwendungen werden möglich durch die Konvergenz bereits vorhandener und verbreiteter Technologien.

Was konvergiert da technologisch?

  1. Mobile Devices wie PDA, Handy oder On-Board-Computer im Auto
  2. GPS (oder demnächst Galileo)
  3. Online-Datenbanken (wie z.B. Suchmaschinen)

Die Technologien gibt es schon und sie sind weit verbreitet. Bezüglich der Konvergenz gibt es schon einige Anwendungen, allerdings noch nicht so komfortabel oder so genau oder so in Echtzeit, wie in den oben skizzierten Beispielen. Da sind z.B. die Location Based Services der Mobilfunkanbieter, in denen abhängig von der jeweiligen Mobilfunkzelle, in der ein Nutzer sich befindet, Veranstaltungs- oder Datinginfos geliefert werden. In Navigationsgeräten befinden sich häufig Infos zu Sehenswürdigkeiten oder zur Hotelsuche (allerdings noch rudimentär).

Aufsehen erregt hat nun vor allem die Anwendung Google Earth (Yahoo und Microsoft bieten ähnliche Systeme an), in der Satellitenbilder mit Google-Suchmaschinen-Informationen kombiniert werden können. Mir ist dabei aufgefallen, dass jeder über die tollen Karten und Zoomeffekte spricht, aber kaum jemand über die Anwendungen, die Google in seiner Professional- oder Enterprise-Version skizziert:
Ab der der “Plus”-Version wird die Verbindung mit GPS Wirklichkeit: Plug in your GPS device to see your trek. Import a spreadsheet of houses on the market. Draw 3D objects and print clear shots of a beach you are travelling to..

Die Professional- und Enterprise-Versions ermöglichen es, allerlei von Google-unabhängigen Datenbanken mit Google Earth zu verbinden. Google nennt als Beispiele mehrere Branchenlösungen: Immobilien (Standortbewertung für Investitionen, Verkaufspräsentationen, Infrastrukturinformationen), Versicherungen (Analyse geographischer Risikofaktoren wie Erdbebengebiete, Flutgebiete, Schadenshäufigkeiten in bestimmten Regionen), NGOs (Umweltinformationen), Heimatschutz (“Critical infrastructure vulnerability assessment and protection, First responder site familiarization and planning, Pattern visualization of surveillance data”), Verteidigung (“Mission planning, training, and simulation, Aerial imagery distribution to geographically dispersed operations, Visualization of tracked assets and personnel in the field”). De-Bug schreibt, dass es schon jetzt Datenbanken gibt, in denen die Wohnorte von Sexualstraftätern in US-Wohnorten ausgewiesen werden.

Interessant ist, dass Google besonders um die Branchen wirbt, die dem gemeinen Mitteleuropäer eh schon einigermaßen suspekt sind wie Verteidigung und Versicherung. Insofern wird auch deutlich, dass die neue Anwendungswelt nicht nur Vorteile für den Nutzer hat, sondern eben auch Nachteile für diejenigen, die Objekt der Informationen sind: Wenn Sie demnächst eine Tariferhöhung bekommen von Ihrer Versicherung, weil Sie in einem “riskanteren” Stadtteil wohnen und in Ihrem Viertel Überwachungskameras (da eine muslimische Einrichtung in der Nähe ist) installiert werden, haben Technologien wie Google Earth ein klein bisschen dazu beigetragen, dass die Bürger und ihre Umgebung transparenter gemacht wurden.

Ich denke, an der Aufzählung wird klar, dass Google und Koakteure gedanklich bei den Anwendungen schon viel weiter sind, als es die meisten bisher wahrgenommen haben. Sicherlich gibt es schon seit längerem Geomarketing-Datenbanken (die wurden z.T. schon im US-Wahlkampf eingesetzt), aber durch Google und andere erschliessen sich breitere Nutzergruppen und neue Anwendungsfelder. Positiv fallen indes Projekte wie Plazes.com (Link und Erklärung siehe unten), die sich diese Möglichkeit zu Eigen machen, um Menschen zusammenzuführen.

Linktipps:

Danke an Ralf Neuhäuser für einige Linktipps!

Ergänzung: Ein guter Beitrag zu “Plazes.com” findet sich hier. Lesen!

TV vs. Radio: Das Kanzlerduell

5. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner, notorischer Wechselwähler

“Entertainment is the supra-ideology of all discourse on television.” (Neil Postman)

Ich hatte gestern die Gelegenheit, das Kanzerduell in zwei unterschiedlichen Medien verfolgen zu können: Das komplette Duell im (Auto-)Radio und viele Auszüge aus dem Duell als Wiederholung im Fernsehen. Ich war überrascht über die unterschiedliche Wirkung, die die beiden Medien bei vermeintlich gleichem Inhalt bei mir (und meiner Frau) hervorgerufen haben.

Über die Eigenschaften des TV als “kaltes” Medium (McLuhan) und Print als “heisses” Medium wurde schon viel geschrieben. Vergleiche zwischen Radio und TV wurden seltener adressiert, aber auch dazu haben sich schon kompetente Leute geäussert.

Nun, gestern hatte ich meinen persönlichen Feldversuch, bei der ich ausserdem meine eigene Kontrollgruppe war. Meine Wahrnehmungen:

Die Wirkung:
Im Radio schien Frau Merkel der Sieger. Sie schien häufiger auf die Fragen geantwortet zu haben, sich gut aus Angriffen von Schröder herauszuargumentieren und vor allem schien sie häufiger auf ihre zukünftige Politik einzugehen (wenn auch manchmal wenig konkret). Schröder dagegen, sicherlich ein souveränder Redner, hat in 90min kein Wort darüber verloren, was er denn in den nächsten vier Jahren zu tun gedenke.
Er verstand es geschickt, Fragen so umzubiegen, dass er sie nicht beantwortet musste, sondern dass Frau Merkel letztlich diejenige war, die an ihn gestellte Fragen beantworten musste. Natürlich hat auch sie häufig nicht auf die Fragen der Journalisten geantwortet, wie es Politiker eben häufig tun, aber eben doch häufiger als der Kanzler. Dieser verstand es darüber hinaus besser, Seitenhiebe auszuteilen, sei es auf Frau Merkels Versprecher, auf ihre Position vor dem Irakkrieg, etc.. Im Radio wirkte der Kanzler extrem unsympathisch.

Im TV wirkte das (wie auch die Umfragen bestätigen) anders. Durch die Art der Präsentation, die eher lockere Art von Schröder, die gewisse Souveränität, die er ausstrahlte, erzielte er die Wirkung, die er erzielen wollte: Kompetent, jemand, “der Bescheid weiss”. Das Bild kam an.

Die unterschiedliche Wirkung erkläre ich mir so: Bilder erzeugen eine andere Art von inhaltlicher Wahrnehmung: Welches Bild wird vermittelt? Welche Gefühle werden erzeugt? Welche Sympathien? Wer hat die meisten Lacher oder Nicker auf seiner Seite? Die inhaltlichen Argumente sind zweitrangig, deren Präsentation gibt den Ausschlag.
Im Radio dagegen bekommt man von der Präsentation (bis auf die Stimme) nicht so viel mit, da ist es egal, welche Frisur jemand hat, ob jemand schmollend dreinschaut oder souverän, die Hand in der Hosentasche lässt oder mit den Händen die Luft zerteilt.
Da gibt es nur die Möglichkeit, auf die Inhalte (d.h. die Argumentation) und die Stimmlage zu hören. Natürlich rufen auch diese zuweilen Emotionen hervor (vor allem Ärger 😉 ), aber der aufmerksame Zuhörer achtet doch viel mehr auf die Inhalte, weil ihm am Ende auch gar nichts anderes übrigbleibt, während der aufmerksame Zuschauer andere Sinne erregt bekommt.

Die entscheidende Frage ist natürlich, welchen Einfluß die Wahrnehmung des Duells auf die Wahlentscheidung nehmen wird. Ich bin gespannt auf die Analysen danach. Hängt die Entwicklung dieses Landes in den nächsten vier Jahren wirklich von einem im Bauch erzeugten Sympathiegefühl ab?

Man kann darüber lamentieren, wie arm der öffentliche politische Diskurs heute aussieht. Neu oder originell ist diese Erkenntnis nun wahrlich nicht.

Walter Lippman (“Public Opinion”) bringt es auf den Punkt:

“The larger the number of people, the simpler the communication must be.”