K12

Reputationssysteme und Web 2.0 / Reputationsmessung on line

20. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Vor einigen Tagen habe ich an dieser Stelle einen Beitrag über das Phänomen “Web 2.0” veröffentlicht. Schaut man sich die Diskussion um das so genannte Web 2.0 an, dann taucht die Feststellung immer wieder auf, dass die neuen “Social Software”-Entwicklungen häufig mit sogenannten Reputationssystemen einhergehen.
In diesen Systemen, haben Nutzer die Möglichkeit Bewertungen von Personen, Beiträgen oder von Produkten vorzunehmen.
Bekannt geworden sind solche Reputationssysteme durch populäre Websites wie Amazon.com oder Ebay, in denen Bücher, CDs oder (im Falle von Ebay) die Handelspartner einander bewerten können: Ist das Buch lesenswert? Was bietet der Autor da an? Habe ich mein ersteigertes Produkt zügig erhalten? Etc..

Weitere Beispiele für ähnlich kodifizierte Systeme lassen sich auch in der Unternehmenskommunikation beobachten. So nutzt Siemens in seinem sogenannten “ShareNet”, in dem Vertriebler die Qualität der von anderen Vertrieblern vermittelten Kontakte bewerten können.

In Verbraucherforen wie ciao.com wird das unterstützende Prinzip von Reputationssystemen zum Business Modell erhoben: Solche Angebote dienen dazu, alles und jeden zu bewerten: Vom Praktikumsplatz in einem Unternehmen bis hin zur Gesichtscreme gibt es hier zu allen denkbaren Themen Bewertungen von Menschen wie Du und ich.

Aus den Beispielen wird klar, dass Reputationssysteme kein Phänomen von Web 2.0 sind, sondern seit einigen Jahren im Web gang und gäbe sind. Der Unterschied ist heute, dass durch die höhere Anzahl der auch publizierenden und sichtbaren Nutzer (ermöglicht durch Weblogs, Wikis, aber auch einfach dadurch, dass fast jeder Ebay nutzt) die Relevanz solcher Reputationen grösser ist und einzelne Nutzer dadurch meist mehrere “Reputationen” innehaben (ich bin z.B. unterwegs bei Ebay, Amazon, OpenBC, in Wikipedia und als Blogger, um nur einige Beispiele zu nennen).

Reputationssysteme dienen dazu Vertrauen herzustellen, um damit eine persönliche Nähe zu ersetzen, die es in einem lokal verteilten (dispersen) Netz wie dem Internet nicht oder wenig gibt. Sie sind sozusagen Ersatz für geographische Nähe, indem sie (soziale) Beziehungen bewerten und damit (hier passt der Begriff) verorten. Danah Boyd schreibt in seinem sehr lesenswerten Beitrag “Why Web 2.0 matters: Preparing for glocalization”:

“Reputation systems emerge to help localize the social structure, to indicate contextualized trust, respect and relations.”

Diese zu diesem Zweck entwickelten Reputationssysteme werden im Web ergänzt durch eine ganze Reihe von Plattformen, die die “Online-Reputation” von Personen, Unternehmen und Produkten, etc. vervollständigen: Consumer web sites / Websites mit Testberichten, Sites, die sich mit konkreten Unternehmen beschäftigen (z.B. Corporatewebwatch.com) oder auch Aktienforen. (Reputation entsteht darüber hinaus im Web durch Medienresonanz und das Agieren eines Subjekts (z.B. einem Unternehmen) selbst.)

Ich nenne das hier mal den “Reputationsraum”.
Mir ist klar, dass es keinen eigenständigen Online-Reputationsraum gibt. Jedes Produkt und Unternehmen hat auch eine Real-World-Reputation (manche sagen auch “Image” dazu). Es ist nicht sinnvoll beide Sphären On- und Offline zu trennen. Was es reizvoll macht, sich mit dem Online-Thema verstärkt auseinanderzusetzen, ist die Tatsache, dass die “Online-Reputationen” einer Analyse leichter zugänglich sind und somit interessant für den praktischen Einsatz in der Unternehmenskommunikation. Und da stecken die meisten noch in den Kinderschuhen.

Interessant sind dabei die Fragen:

  • Welchen Einfluß hat die Unternehmenskommunikation auf den Reputationsraum on line? Oder finden die Bildungsprozesse gar ohne sie statt?
  • Wie kann Unternehmenskommunikation in ethisch einwandfreier Weise darauf einwirken?
  • Welchen Einfluß hat der Reputationsraum on line auf das Gesamtimage eines Unternehmens?
  • Ist der Reputationsraum on line repäsentativ?
  • Wie lässt sich der Reputationsraum on line vermessen und bewerten?

Sachdienliche Hinweise sind willkommen!

Wahlblogs: Zu wichtig?

15. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Ok, jetzt gehöre ich ja fast doch zu der hohen Zahl von Bloggern, die ausschließlich selbstreferentiell über das Bloggen schreiben:

Frank Patalong hat in Spiegel online einen Beitrag über Wahlblogs veröffentlicht. Der Grundtenor: Nur die Besten kommen durch! Viele Blogs dümpeln mangels Aktualisierung. aber vor allem mangels authentischen Inhalten vor sich hin. Die Nutzerzahlen sind im Vergleich zu anderen Sites, die eine politische Berichterstattung anbieten, überschaubar. Interessant sind die Polit-Blogs vor allem dadurch, dass sie eine gewisse “Elite” erreichen, d.h. potentielle Multiplikatoren, so dass man sie nicht unterschätzen sollte.

Dann habe ich mir einige Blogs angeschaut. Die offiziellen Parteiblogs waren eher mau und wenig interessant. Lebhafter scheinen mir eher die “nicht-offiziellen” Blogs zu sein. Eine Auswahl:

Viel Spaß beim Lesen!

The Global PR Blog Week 2.0

14. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Ich will mich ja gar nicht in die hohe Zahl von Bloggern einreihen, die ausschließlich selbstreferentiell über das Bloggen schreiben. Gleichwohl scheint mir die Art und Weise, die Veranstaltung The Global PR Blog Week 2.0 abzuhalten (online, im Blog) als auch die Themen (über Tools, Anwendungen und Kommunikationsthemen) höchst interessant. Mal sehen, wie es da abgeht… Gibt es abends auch Caipirinhas?

An der Veranstaltung teilnehmen kann man zwischen dem 19. und dem 23. September hier: http://www.globalprblogweek.com/

The Rise of Employee Bloggers

14. September 2005 · von Jörg Hoewner · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Edelman PR hat zusammen mit Intelliseek ein White paper zu Mitarbeiterblogs herausgegeben, welches man sich dort downloaden kann. Darin wird daraus eingegangen,

  • warum man überhaupt bloggen sollte
  • welchen Einfluß Mitarbeiterblogs auf Konsumenten haben (die entsprechende Herleitung dort ist allerdings relativ dünn)
  • Einfluß auf die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens
  • Fallbeispiele (z.B. CEO-Blogs)
  • Fallstricke und Tipps

Insgesamt eine gute Übersicht, lesenswert und vor allem kostenlos.

Geobasierte Kommunikation?

8. September 2005 · von Jörg Hoewner · 1 Kommentar

Autor: Jörg Hoewner

Zu den spannendsten Technologie-/Kommunikationsthemen derzeit gehört die Frage, wie sich die Verbindung zwischen Geo-codierten Datenbanken und GPS auf die Kommunikation auswirken wird bzw. (es ist ja noch sehr neu) könnte. Ich habe in meinem Beitrag vom 12.8. schon mal darauf hingewiesen und erste Anwendungsideen skizziert (noch sehr oberflächlich).

In der aktuellen De-Bug, der Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte, beschäftigt man sich auf vier Seiten mit dem Thema. Anlass für mich, die Gedanken dort aufzugreifen und an der einen oder anderen Stelle weiterzuspinnen.

Worum geht es?
Was passiert, wenn man Datenbanken mit geographischen Informationen verbindet? Wenn Informationen nicht nur begriffsabhängig (wie in Suchmaschinen), chronologisch (wie in Archiven oder in kalenderorientierten Sortiersystemen) oder autorenabhängig verfügbar gemacht werden, sondern abhängig vom Ort eines Objekts oder eines Subjekts?

Stellen Sie sich vor, Sie laufen als Tourist durch Berlin mit einem PDA mit Navigationssystem, welcher über Mobilfunk mit einer Datenbank verbunden wird. Sie laufen an einem eher unscheinbaren Haus vorbei und werden vom Gerät darauf aufmerksam gemacht, dass in dem Haus z.B. ein berühmter Philosoph gelebt hat, sie bekommen historische Fotos angezeigt, etc..

Sie sind auf der Wohnungssuche und bekommen auf dem Weg zur Arbeit einen Hinweis, dass in dem Haus, vor dem Sie gerade stehen, eine Wohnung frei ist, Sie erfahren den Preis, können sich Bilder anschauen und bekommen eine Information, dass der Ansprechpartner genau jetzt erreichbar ist. Klingeln Sie an? Oder rufen Sie vorher noch eine weitere Datenbank ab, die Ihnen Basisdaten zum Viertel, in dem Sie sich befinden, zur Verfügung stellt: Die Kriminalitätsrate, die Entfernung zur nächsten Schule, das Durchschnittseinkommen der Bewohner, der Anteil an jungen Menschen mit Kindern…

Solche Anwendungen werden möglich durch die Konvergenz bereits vorhandener und verbreiteter Technologien.

Was konvergiert da technologisch?

  1. Mobile Devices wie PDA, Handy oder On-Board-Computer im Auto
  2. GPS (oder demnächst Galileo)
  3. Online-Datenbanken (wie z.B. Suchmaschinen)

Die Technologien gibt es schon und sie sind weit verbreitet. Bezüglich der Konvergenz gibt es schon einige Anwendungen, allerdings noch nicht so komfortabel oder so genau oder so in Echtzeit, wie in den oben skizzierten Beispielen. Da sind z.B. die Location Based Services der Mobilfunkanbieter, in denen abhängig von der jeweiligen Mobilfunkzelle, in der ein Nutzer sich befindet, Veranstaltungs- oder Datinginfos geliefert werden. In Navigationsgeräten befinden sich häufig Infos zu Sehenswürdigkeiten oder zur Hotelsuche (allerdings noch rudimentär).

Aufsehen erregt hat nun vor allem die Anwendung Google Earth (Yahoo und Microsoft bieten ähnliche Systeme an), in der Satellitenbilder mit Google-Suchmaschinen-Informationen kombiniert werden können. Mir ist dabei aufgefallen, dass jeder über die tollen Karten und Zoomeffekte spricht, aber kaum jemand über die Anwendungen, die Google in seiner Professional- oder Enterprise-Version skizziert:
Ab der der “Plus”-Version wird die Verbindung mit GPS Wirklichkeit: Plug in your GPS device to see your trek. Import a spreadsheet of houses on the market. Draw 3D objects and print clear shots of a beach you are travelling to..

Die Professional- und Enterprise-Versions ermöglichen es, allerlei von Google-unabhängigen Datenbanken mit Google Earth zu verbinden. Google nennt als Beispiele mehrere Branchenlösungen: Immobilien (Standortbewertung für Investitionen, Verkaufspräsentationen, Infrastrukturinformationen), Versicherungen (Analyse geographischer Risikofaktoren wie Erdbebengebiete, Flutgebiete, Schadenshäufigkeiten in bestimmten Regionen), NGOs (Umweltinformationen), Heimatschutz (“Critical infrastructure vulnerability assessment and protection, First responder site familiarization and planning, Pattern visualization of surveillance data”), Verteidigung (“Mission planning, training, and simulation, Aerial imagery distribution to geographically dispersed operations, Visualization of tracked assets and personnel in the field”). De-Bug schreibt, dass es schon jetzt Datenbanken gibt, in denen die Wohnorte von Sexualstraftätern in US-Wohnorten ausgewiesen werden.

Interessant ist, dass Google besonders um die Branchen wirbt, die dem gemeinen Mitteleuropäer eh schon einigermaßen suspekt sind wie Verteidigung und Versicherung. Insofern wird auch deutlich, dass die neue Anwendungswelt nicht nur Vorteile für den Nutzer hat, sondern eben auch Nachteile für diejenigen, die Objekt der Informationen sind: Wenn Sie demnächst eine Tariferhöhung bekommen von Ihrer Versicherung, weil Sie in einem “riskanteren” Stadtteil wohnen und in Ihrem Viertel Überwachungskameras (da eine muslimische Einrichtung in der Nähe ist) installiert werden, haben Technologien wie Google Earth ein klein bisschen dazu beigetragen, dass die Bürger und ihre Umgebung transparenter gemacht wurden.

Ich denke, an der Aufzählung wird klar, dass Google und Koakteure gedanklich bei den Anwendungen schon viel weiter sind, als es die meisten bisher wahrgenommen haben. Sicherlich gibt es schon seit längerem Geomarketing-Datenbanken (die wurden z.T. schon im US-Wahlkampf eingesetzt), aber durch Google und andere erschliessen sich breitere Nutzergruppen und neue Anwendungsfelder. Positiv fallen indes Projekte wie Plazes.com (Link und Erklärung siehe unten), die sich diese Möglichkeit zu Eigen machen, um Menschen zusammenzuführen.

Linktipps:

Danke an Ralf Neuhäuser für einige Linktipps!

Ergänzung: Ein guter Beitrag zu “Plazes.com” findet sich hier. Lesen!