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Social Media am Arbeitsplatz: teuer und böse?

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Autorin: Carina Waldhoff

An dieser Stelle geht es üblicherweise viel um eine bessere Vernetzung von Wissen und  Kontakten.  Heute aber geistern  über mehrere Kanäle die Ergebnisse einer englischen Studie (die meisten Inhalte noch in der PM des Auftraggebers), die verkürzt besagt: Arbeitnehmer verschwenden ihre Arbeitszeit und kosten Unternehmen Millionen, indem sie im Job auf Seiten wie MySpace, Facebook, Xing etc. unterwegs sind.

Die Studie  selbst habe ich leider nicht in die Finger bekommen. Wenn ich aber irgendetwas aus dem (ansonsten  … wenig geliebten …) Statistik-Teil meines Studiums mitgenommen habe, dann ist das: Nie einer Studie Lemming-like über den Weg trauen! Deswegen nur ein paar grobe Schätzungen zu den Zahlen, die mir vorliegen:

1. Englische Mitarbeiter „verschwenden“ 200 Mio. Euro täglich, indem sie auf Social Network-Seiten unterwegs sind. Bei einer Bevölkerung von 50 Millionen Einwohnern gehe ich mal großzügig von 20 Millionen Engländern aus, die regelmäßig am Arbeitsplatz Zugang zu onlinefähigen Rechnern haben und komme auf einen Verlust von 10 Euro pro Tag. Ich weiß nicht, wie die 200 Mio. zu Stande gekommen sind, aber in Bezug auf die Wirtschaftskraft eines Mitarbeiters erscheint mir dieser Durschschnittswert dann schon nicht mehr sooo dramatisch.

2. Wohl aus den 3.500 befragten Unternehmen (ordentliche Stichprobe!) hochgerechnet kommt die Studie auf 233 Millionen Stunden, die der englischen Wirtschaft monatlich durch die Lappen gehen auf genannten Seiten. Auch das dividiere ich wieder durch meine angenommenen 20 Millionen möglichen „Arbeitszeit-Verschwender“ und komme auf 12 Stunden im Monat und damit abzüglich aller freien Tage auf deutlich unter einer Stunde täglich, die im Schnitt auf Social Networks entfallen.

3. Auftraggeber der Studie ist eine Kanzlei für Arbeitsrecht.  Well – das Internet und die teilweise unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen bieten „a whole lot of new business opportunities“ für Arbeitsrechtler; entsprechend verständlich ist es, wenn Anwälte hier auf betriebliche Regelungen drängen, deren Verletzung lukratives Geschäft auf Jahre bringen würde.

Öffnet man den Horizont dann wieder ein wenig, sind Plattform nicht gleich Plattform und Job nicht gleich Job. Will sagen: Xing z.B. ist sicher business-orientierter als MySpace. Und in vielen Jobs gehört das Networken zum täglich Brot und ist absolut im Interesse des Arbeitgebers. Das tatsächliche arbeitsrechtliche Problem – „Arbeiten Mitarbeiter auch tatsächlich in ihrer Arbeitszeit?“ – existiert nicht erst seit Web 2.0. Früher waren’s eben Privattelefonate, Flurfunken, geistiges Abgleiten… nur, dass die Differenzierung zwischen Arbeiten und privatem Surfen in den heutigen Büro-Umgebungen ohne technische Filter etc.  schlechter zu kontrollieren ist (ich meine mich auch zu erinnern, vor einigen Jahren mal von einer „Spiegel-Online-Sucht“-gelesen zu haben; der krankhaften Angst, dass sich in der Welt etwas getan haben könnte, ohne dass ich es in Sekundenschnelle mitbekommen habe…).

Dagegen sind Unternehmen wohl am ehesten gefeit, indem sie ihre Mitarbeiter mit passenden, sinnvollen, motivierenden Aufgaben auslasten. Und für den „Wissensarbeiter“ geht es bei sozialen Netzwerken eben nicht nur um den persönlichen Nutzen durch möglichst viele Kontakte, sondern um Problemlösung und fachlichen Austausch. Und hier profitieren die Unternehmen gewaltig.

Aber jetzt hör ich mal auf, bevor die Abmahnung kommt. Treibe mich schließlich schon wieder ganz schön lange in so einem bösen Blog herum…

Autor: Carina Waldhoff

Carina Waldhoff, Jg. 75, ist Kommunikationsberaterin bei der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Sie studierte Anglistik, Psychologie und Pädagogik in Bochum und Barcelona sowie Kultur- und Medienmanagement in Hamburg. In ihrer Diplomarbeit beschäftigte sie sich mit dem Nutzen von Corporate Citizenship für die Unternehmenskommunikation. Nach dem Studium arbeitete sie als Referatsleiterin Interne Kommunikation bei der Vereinigten IKK in Dortmund, anschließend als Junior Consultant bei CP/COMPARTNER in Essen und reiste dann ein Jahr durch Australien, wo sie auch zum ersten Mal bloggte.

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