Zukünftige Fragen der PR
17. Juli 2006 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar
Autor: Jörg Hoewner Philip Young fasst in mediations einige grundlegenden Fragen zusammen, mit der sich die PR-Theorie in der Zukunft wird beschäftigen müssen. Ausgangspunkt waren Präsentationen und Diskussionen, die auf der BledCom aufgeworfen wurden. Das PR-Modell von James Grunig war in den letzten Jahrzehnten DAS Modell für die PR – und ein normatives dazu. Das „two-way symmetrical model“, sozusagen Grunig´s Königsweg der PR, ist in der Praxis nicht wirklich anzutreffen. Dieses Modell dürfte aus verschiedenen Richtungen unter Druck geraten:
- Grundsätzlich sind mehr praxis- d.h. empirie-basierte Modelle gefragt: Wie sieht die Realität aus? Und wie kann man das modellieren. Und nicht umgekehrt.
- Alle PR-Modelle, nicht nur das von Grunig, sind sehr ethnozentrisch, d.h. sehr aus westlicher bzw. US-Perspektive gedacht. Mit dem Aufstieg einer „asiatischen“ PR-Praxis werden möglicherweise ganz andere Perspektiven erforderlich, also auch andere Erklärungsprinzipien.
- Die gängigen Modelle gehen in der Regel von einer Rollenverteilung Sender/Empfänger, Kommunikator/Rezipient, Organisation/Stakeholder aus. Wie sieht PR eigentlich in einer vernetzten – das meine ich nicht nur technisch, sondern auch soziologisch – Welt aus? Neue Denkmuster sind erforderlich, wenn man die Beziehungen von Netzwerkteilnehmern untereinander besser verstehen will, wie sie unter anderem von Social Software ermöglicht wird. Einige frühe Überlegungen zum Beispiel gibt es dazu von Don Dunnington im IAOC-Blog.
User Partizipation? Demokratisierung? Wie viele machen denn nun mit?
13. Juli 2006 · von Jörg Hoewner · 5 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
In einem früheren Post habe ich die Frage gestellt, wie viele Menschen sich wirklich aktiv als Content contributors, Blogger, etc. betätigen können, weil bei dem Geschreibe über die Demokratisierung der Medien, der Meinungsbildung, der Produktentwicklung davon ausgegangen wird, dass auf einmal alle Konsumenten und Rezipienten aktiv werden wollen.
Ein Indiz auf eine Antwort liefert Tomi T Ahonen in einem Post auf „Communities dominate brands“:
„YouTube was on the Financial Times on 28 June 2006 quoted with daily new videoclip postings of 60,000 every day. But their daily viewing traffic is 70 million. So the ratio of user-generated content vs member viewing traffic is 1,167 to 1. Over 1000 times more viewing than original creating of content. This might be an aberration, except that if we look at our earlier posting of the Finnish Idols from this year, they had 1,682 creating content, which was then viewed 1.95 million times. That ratio is spookily similar at 1,159 to 1.“
Er rundet die Zahl ab und bildet damit eine Benchmark, in dem er von einem „Ratio of original content to content viewing is 1000 to 1“ spricht.
Ausserdem muss man bedenken, dass viele Nutzer mehrfach Content einstellen, d.h. das Verhältnis Aktiver Nutzer / Leser ist noch weniger vorteilhaft.
Schaut man sich die Zahlen für das häufig zitierte Flaggschiff „Wikipedia“ an kommen wir zu folgenden Zahlen:
48.000 Beitragende zu 3.800.000 Artikel, d.h. ein Beitragender steht für rechnerisch 80 Artikel (Quelle: http://en.wikipedia.org/wiki/Wikipedia:About). Darüber hinaus gibt es noch viel mehr Edits, d.h. die 48.000 Nutzer arbeiten im Schnitt an noch viel mehr Artikel als diese 80. Leider habe ich keine Zahl zu den Gesamt-Visits gefunden.
Die letzten offiziellen Zahlen liegen für 2004 vor und zwar für die englischsprachige Wikipedia. Im letzten erfassten Monat Oktober 2004 sind das (http://stats.wikimedia.org/EN/TablesWikipediaZZ.htm):
- 36.680 Wikipedianer
- 1.100.000 Artikel bei 2.792 neuen Artikeln pro Tag, das sind fast 84.000 neue Artikel
- Bei 917.000 Visits bzw. 13,3 Mio. Page requests
Interessant wäre die Zahl der Edits pro Monat im Vergleich zu den Page requests, dann hätten wir eine zum YouTube-Beispiel vergleichbare Zahl. Die haben wir aber nicht.
Die nächste vergeichbare Zahl ist die Anzahl der Page requests im Verhältnis zur Anzahl der neuen Artikel: 158:1.
Eine eindeutige Aussage zur Zahl der aktiven Nutzer vs Anzahl der passiven Nutzer lässt sich damit immer noch nicht treffen, denn – wenn man sich die Wikipedia-Zahlen anschaut – gehorcht das Engagement dem Pareto-Prinzip: Einige Nutzer tragen ungleich mehr zum Content bei als andere:
Im Januar 2006 gab es 7519 Wikipedianer (von 135.930) mit insgesamt mehr als 100 Edits, das sind ca. 5-6 Artikel, da ein Artikel im Schnitt 17,8 mal editiert wurde.
Es gab 116.925 Wikipedianer mit weniger 1-4 Edits, die restlichen 11.486 hatten 5-99 Edits vorzuweisen. Hier wäre ein Durchschnittswert interessant…
Zu viel Zahlen? Hier sind die zentralen Erkennntnisse:
- Das Verhältnis der aktiven / passiven Nutzung liegt bei irgendwo zwischen 1:100 und 1:1000. Das deckt sich übrigens mit der Anzahl der Leser vs. Anzahl der Kommentare in diesem Blog. 😉
- Bei den aktiven Nutzern gibt es eine Ungleichverteilung: Die Gesamtzahl der Beiträge der aktivsten 20% der Nutzer bei Wikipedia ist grösser als die Zahl der Beiträge der anderen 80% Aktiven.
- Daraus kann man NICHT folgern, dass Web2.0 in Hinblick auf eine Verbreiterung / Demokratisierung der Contentproduktion, Meinungsbildung usw nur heiße Luft wäre. DENN: Akkumuliert man die Gesamtzahl der Blogger, Kommentar- und Rezensionsschreiber, MySpace-Teilnehmer, etc.. aller Web2.0-Anwendungen (hier eine Auswahl von Teilnehmerzahlen, allein das sind 200-300 Millionen weltweit), darf man sicherlich von einer breiten Partizipation der Nutzer sprechen.
- Die Hoffnung von manchen Unternehmen über Web2.0-Ansätze mehr als nur einen kleinen, besonders aktiven Ausschnitt von Kunden zu engagieren, dürfte sich nicht erfüllen. Andere mögliche Nutzen (Kunden grundsätzlich zu erreichen, Kundennähe, Engagement zeigen, Feedback und Lernen) sind damit wichtiger.
Verwandte Beiträge dazu:
>>Wie belastbar ist das Einbinden von Kunden ins Marketing?
Software-Liste: Enterprise 2.0-Software
5. Juli 2006 · von Jörg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · 1 Kommentar
Autor: Jörg Hoewner
(Spät) gefunden: Zwei umfangreiche Listen mit Social Software, die für den unternehmensinternen Einsatz geeignet sind (also Enterprise 2.0-Software), eine von Dion Hinchcliffe, die andere von Jeff Nolan:
- Dion Hinchcliffe: Running a business on Web-based software
- Jeff Nolan´s Wiki „Web 2.0 in the enterprise“
Verwandte Beiträge dazu:
>>Unternehmensinternes Web 2.0? (2)
>>Enterprise 2.0 – Stand der Dinge
>>Enterprise 2.0 in der Praxis
PR 2.0? (2)
3. Juli 2006 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Vor einigen Tagen habe ich einige Gedanken rund um „PR 2.0“ gesponnen und habe in diesem Zusammenhang auf einige Diskussionsbeiträge in anderen Blogs zu diesem Thema hingewiesen. Heute bin ich auf einen Beitrag von Phlipp Young (University of Sunderland) zum selben Thema gestossen, in dem er fragt, was „New PR“ eigentlich ausmacht. Er vermeidet absichtlich die Buzz-Abkürzung „PR 2.0“, denn seiner Ansicht nach stehen wir nicht wirklich vor einem Paradigmenwechsel in der PR, sondern eher vor einer grundlegenden Erweiterungen der Möglichkeiten:
Die Idealvorstellung von PR (Grunigs Modell eben) war schon seit langem geprägt von symmetrischer, bi-direktionaler Kommunikation, nur war eben die Realisierung dieses Ideals ein schwieriges Unterfangen, da eben viele Leute eher massenmedial erreichbar machen. Und hier setzt der grundlegende Charakter von Social Software an, da die neuen Technologien eben jene zwei-seitig/symmetrische Kommunikation wesentlich einfacher als bisher möglich ermöglichen:
„My view is that whereas the fundamental nature of the PR function clearly hasn’t changed, the new relationships that are being enabled by social softwares is making possible the practical implication of more transparent two-way flows and this is new.“
Verwandte Beiträge dazu:
>>PR 2.0?
Die Internet-Zukunft, die vergangene Zukunft – und die Gegenwart
29. Juni 2006 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Bei Smartmobs bin ich auf einen Hinweis („Imagining the Internet – Elon/Pew“) von Mike Love aufmerksam geworden: Er weist auf ein Research-Projekt der Elon University mit dem Pew Internet Project hin, in dem die Zukunft des Netzes erdacht werden soll.
Zur Zukunft: Darum geht es bei diesem Projekt grundsätzlich. Im Bereich „Forward150/Back 150“ kann man schon jetzt die nächsten 150 Jahre Revue passieren lassen. Es ist klar, dass wir ab 2050 und später downloads direkt im Hirn (sofern vorhanden) speichern können. Ich wünschte, ich könnte das jetzt schon…
Handfester sind die Vorhersagen der Webnutzer, die am Projekt teilnehmen können, da geht es z.B. um Kontrolle durch grosse Konzerne, Regierungen und um den Zusammenbruch des Netzes. Teleportationen sind hier ein weiteres Schwerpunktthema. Star Trek lässt grüssen.
Zur vergangenen Zukunft: Schätzchen finden man sicherlich in dem Bereich, in dem die Vorhersagen aus den frühen 90ern zu finden sind, quasi Vorhersagen, wie wir heute das Netz nutzen und unser Leben leben würden. Z.B. Stewart Brand, der 1995 behauptet, dass in Zukunft niemand mehr Steuern zahlen muss, weil alle Transaktionen nur verschlüsselt und on line stattfinden würden. Lieber Stewart, ich wünschte Sie hätten Recht – aber Ihre Fantasie reichte offensichtlich nicht aus, um die Fantasie unserer Finanzinstitutionen realistisch einzuschätzen…
Zur Gegenwart: Über der Kommentarfunktion in Smartmobs gibt es eine Art Web2.0-Gadgetleiste:
Sehr beeindruckend… Ist das die Zukunft?
Da fehlen doch noch welche!
