Autorin: Carina Waldhoff
Ich bin bei der Lektüre meiner Wochenend-SZ auf ein wirklich lesenswertes Interview mit dem Chefredakteur des britischen Guardian, Alan Rusbridger, gestoßen (Langfassung gibt’s online). Neben dem Einblick in britische Medienstrukturen (natürlich wird auch dort der Wettbewerb zwischen der öffentlich-rechtlichen BBC, den privat finanzierten Qualitätszeitungen und den tabloids ausgefochten und die Schnittmengen neu definiert) und den spezifischen Weg des Guardian (durch eine Stiftung finanziert, was zumindest den unmittelbaren finanziellen Druck dämpft) fand ich seine Einschätzung zum Thema „Bürgerjournalismus und Blogs“ angenehm pragmatisch und – im Gegensatz zu vielen quälenden Diskussionen hierzulande – ideologiefrei:
„Es lohnt sich sehr, mit den Lesern zusammenzuarbeiten, vor allem auf Gebieten, die sie viel besser verstehen als wir. Das gab es früher nicht. Wir müssen Formen der Kooperation suchen. Die Vorstellung allerdings, dass Bürgerjournalisten die Arbeit professioneller Journalisten ersetzen könnten, ist abschreckend, weil sie nie die umfassende Fähigkeit einer Redaktion entwickeln könnten, Zusammenhänge und Fakten breit und umfassend zu verifizieren. Was Bürgerjournalisten antreibt, ist meistens ein spezifisches Interesse. Dieser Ansatz ist nicht schlecht, sondern lobenswert – aber im Kern ist er oft unjournalistisch.“




