K12

Buchtipp: „Critical Perspectives on Social Media and Protest“ von Lina Dencik / Oliver Leistert (Ed.)

22. September 2016 · von Joerg Hoewner · Keine Kommentare

Untertitel: Between control and emancipation

Kurzverdikt: Die beiden ersten Beiträge reichen eigentlich.

Ok, vielleicht ist das Kurzverdikt etwas harsch. Für Menschen, die sich schwerpunktmäßig mit dem Thema auseinandersetzen, ist es evtl. – wie in der Buchbeschreibung angeteasert – so was wie ein „Must read“. Aber insgesamt finden sich darin jede Menge normativer Aussagen über Social Media-Potentiale, Aussagen über ethische Aspekte des Einsatzes von Sozialen Medien (Stichwort „Slacktivism“) usw., aber relativ wenig Befunde.

Das Einleitungskapitel der Herausgeber fasst eigentlich die Einzelbeiträge genügend zusammen. Herausstehend ist dann auch der erste Beitrag nach dieser Einleitung, von Sebastian Haunss: „Promise and practice of studies of social media and movements“.

Darin fasst er den Stand der Forschung rund um das Thema zusammen (gut gelungen, wie ich finde). Wer sich einen Überblick verschaffen will, dem kann das reichen.

Er fasst zusammen, dass die Wahrnehmung rund um den Einsatz von Sozialen Medien in Protestbewegungen vor allem von den Cyber-Optimisten geprägt wird, die darin die Chance Transaktionskosten für Proteste dramatisch zu senken, Zugangshürden zur Partizipation in Protesten zu verringern und neue Formen des Protestes zu ermöglichen – und all das soll das Spielfeld dramatisch verändern.

Und hier kommen die Realos und Pessimisten ins Spiel: Die Befunde sprechen eine andere Sprache. Ja, es ist was dran an den Erwartungen, aber man darf die neuen Chancen nicht überbewerten. Koordinationskosten sinken in der Tat, aber ohne physische Strukturen, ohne eine entsprechende Organisation geht noch immer nix. Vielmehr ist es so, dass die Gefahr besteht, dass die Leute bequem vom Sessel Solidaritätsbekundungen zusammenklicken oder Online-Petitionen unterschreiben – die tendenziell folgenlos bleiben, aber dadurch nicht mehr zu politisch wirksamen Formen des Protestes zusammenfinden.

Der „Arabische Frühling“ wird gerne als von Twitter und Facebook getriebene Revolution kolportiert. De facto sieht es so aus, als ob die Proteste über Multiplikatoren und Mund-zu-Mund-Propaganda getrieben wurden. Social Media spielte erst später eine Rolle als alternative Informationsquelle oder Kanal, mit denen sich Gruppierungen untereinander koordiniert haben. Bestenfalls sind Social Media hier also eher Verstärker, nicht der große Katalysator, als der sie häufig dargestellt werden.

Die neuen Fallbeispiele zeigen auch noch ein anderes Problem: Mit der Kommunikation über Facebook / Twitter steigt auch die Überwachbarkeit. Protest-Äußerungen werden für die Staatsmacht sichtbar und ggfs. nachverfolgbar (siehe Klarnamenzwang bei Facebook).

 

Buchtipp: „Strategische Onlinekommunikation“ von Thomas Pleil / Olaf Hoffjann (Hg.)

16. September 2016 · von Joerg Hoewner · Keine Kommentare

Untertitel: „Theoretische Konzepte und empirische Befunde“

Kurzverdikt: Pflichtlektüre

Im von Pleil / Hoffjann herausgegebenen Beitragsband kann man über 14 Beiträge sein Theoriewissen bezüglich Onlinekommunikation / Online-PR / PR aktualisieren bzw. auf den neuen Stand halten.

Im Buch werden drei Themenschwerpunkte gesetzt: Dialog, Risiko und Innovation, wobei die Teilüberschriften „Überschätzter Dialog“, „Überschätztes Risiko“ und „Überschätzte Innovationskraft“ eigentlich schon die Kernaussagen der einzelnen Beiträge zusammenfassen.

In „Überschätzter Dialog“ wird aufgezeichnet, wie Dialog als Zweck von Onlinekommunikation von Organisationen als Anspruchshaltung formuliert, aber nur selten eingelöst wird: Meist scheitert der Dialog daran, dass die von Organisationen ausgesendeten Signale bzw. Kommunikationsofferten eher informativ / monologisch ausgerichtet sind und daher wenig Anlass zu Dialog liefern.

In „Überschätztes Risiko“ wird auf die Shitstorm-Problematik eingegangen, bzw. den Shitstorm als wahrgenommenes Risiko. In den beiden Beiträgen werden tatsächlich empirische Befunde beigetragen, die die Risikowahrnehmung in Bezug auf Resonanzeffekte oder „Digital Spillover“-Effekte (Diffusion in die Massenmedien) stützen. Offen bleibt jedoch, inwieweit wirklich ein nachhaltiger Imageschaden oder gar ökonomischer Schaden verursacht.

Neu für mich war, dass der Begriff „Shitstorm“ in diesem Zusammenhang – ähnlich wie der Begriff „Handy“ – ein rein deutsches Konstrukt ist (bzw. von Sascha Lobo geprägt sein soll). In den USA wäre man vom Begriff eher konsterniert – der analoge Begriff hier heißt „Online Firestorm“.  ;-)

In „Überschätzte Innovationskraft“ wird auf die Diffusion von Social Media-Innovationen in Organisationen eingegangen: Inwieweit wird deren Einführung strategisch und systematisch angegangen wird. Weiterlesen →

Buchtipp: „Digital Storytelling“ von Dieter Georg Herbst / Thomas Heinrich Musiolik

31. August 2016 · von Joerg Hoewner · Keine Kommentare

Untertitel: Spannende Geschichten für Interne Kommunikation, Werbung und PR

Kurzverdikt: Lesenswert und inspirierend

Das Thema „Storytelling“ ist en vogue, gerade in den letzten 2-3 Jahren ist das Angebot an Titel rund um „Digitales Storytelling“, „Storytelling für Unternehmen“, „Storytelling in Werbung und PR“ oder „Visuelles Storytelling“ sprunghaft angestiegen.

Insofern erwartet man nicht viel Neues, wenn man das kleine, 160S. umfassende Büchlein in den Händen hält. Komprimiert werden dementsprechend die Basics behandelt, also, was macht Geschichten aus? Wie ist ihr Aufbau, wie entwickelt mal eine Geschichte, etc..

Spannender wird es, wenn Herbst und Musiolik auf die Besonderheiten des digitalen Storytelling eingehen. Hier entwickeln sie ein einfaches, aber mächtiges Raster, dass einem hilft, strukturiert über das Thema nachzudenken: Weiterlesen →

Pokémon Go – Türöffner für die Augmented Reality?

26. Juli 2016 · von Alexander Smolianitski · Keine Kommentare

Pokémon Go ist durchsetzungsstark. Das stellte ich anderthalb Wochen nach der Veröffentlichung fest: Meine Mutter installierte sich die App auf ihrem iPhone und verkündete: „In zwei Tagen habe ich mehr Pokémons als du.“ Keine Kunst: Sie ist mindestens vier bis fünf Tage die Woche unterwegs, quer durch die Republik.

Aber: Warum hat sie so viel Spaß an dieser App, obwohl sie bislang alle Augmented-Reality-Anwendungen mit Nichtachtung gestraft hat?

Wir schreiben das Jahr 2016 – das Jahr der neuen Realitäten, wie Medien und Unternehmen verkündet haben. Große Erwartungen gehen damit einher, doch keiner weiß so wirklich, wie man mit dieser neuen Technologie umgehen soll. Auf Messen und Kongressen legen Aussteller mehrere VR-Brillen an den Stand – vermutlich, um hip zu wirken. Doch jeder, der einmal Google Cardboard ausprobiert hat, weiß, dass die Ernüchterung bereits nach wenigen Minuten einsetzt: Man kann die Brille als Gimmick nutzen, allerdings nicht für viel mehr. Auch Augmented-Reality-Anwendungen, die eine scheinbar reale Welt erschaffen, existieren nur in ihrer Nische: Eine Anwendung mit tatsächlichem Mehrwert für die breite Masse konnte noch keiner präsentieren. Bis jetzt.

Pokémon Go: Bewegung der Jäger und Sammler

Erst mit Pokémon Go kennt jeder eine App, die virtuelle Wesen in der realen Welt verortet und Menschen auf die Straßen bringt. Oder in den Park – wie diese New Yorker hier, die einem „Vaporeon Monster“ hinterherstürzen:

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Unternehmenskultur unter der Lupe: Warum eine Analyse im Change-Prozess Sinn macht

7. Juli 2016 · von Katrin Greven · Keine Kommentare

Kulturanalyse Change

Kulturanalyse Change

Wo früher nur Bilanzen gewälzt wurden, untersuchen heute selbst Unternehmensberater auch die vermeintlich „weichen“ Faktoren: So steht im Rahmen von M&A-Prozessen, also bei Fusionen und Übernahmen, seit einiger Zeit neben der klassischen Unternehmensprüfung – Due Diligence – auch immer öfter eine Cultural Due Diligence auf dem Plan. Die Frage hierbei: Sind die beteiligten Unternehmen überhaupt kulturell kompatibel? Um das herauszufinden, analysieren Berater zuerst die „Ist-Zustände“ auf beiden Seiten. Anhand der Ergebnisse werden im zweiten Schritt Transaktionschancen und -risiken ermittelt, sowie Empfehlungen für die kulturelle Integration entwickelt. Es gilt, potentielle Konfliktfelder, die aus einem „Clash of Cultures“ entstehen könnten, frühzeitig zu erkennen.

Vorausschauendes Konfliktmanagement

Doch nicht nur, wenn die ganz großen Räder des Change – wie im Rahmen von M&A-Prozessen – gedreht werden, macht eine Kulturanalyse Sinn. Auch wenn unternehmensintern Veränderung angestrebt wird, lohnt sich der Blick auf den Status Quo der gewachsenen Unternehmenskultur. Zum Beispiel, wenn eine zukunftsweisende Strategie eingeführt werden soll, ein Innovationsprozess angeschoben, ein Leitbild entwickelt – oder wenn eine neue Geschäftsführung einzieht. Wenn in Unternehmen grundlegende Strategiewechsel anstehen, steht immer die entscheidende Frage im Raum: Trägt die bestehende Kultur die neuen Ziele? Eine Kulturanalyse kann dies beantworten. Weiterlesen →