K12

Geobasierte Kommunikation?

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Autor: Jörg Hoewner

Zu den spannendsten Technologie-/Kommunikationsthemen derzeit gehört die Frage, wie sich die Verbindung zwischen Geo-codierten Datenbanken und GPS auf die Kommunikation auswirken wird bzw. (es ist ja noch sehr neu) könnte. Ich habe in meinem Beitrag vom 12.8. schon mal darauf hingewiesen und erste Anwendungsideen skizziert (noch sehr oberflächlich).

In der aktuellen De-Bug, der Zeitschrift für elektronische Lebensaspekte, beschäftigt man sich auf vier Seiten mit dem Thema. Anlass für mich, die Gedanken dort aufzugreifen und an der einen oder anderen Stelle weiterzuspinnen.

Worum geht es?
Was passiert, wenn man Datenbanken mit geographischen Informationen verbindet? Wenn Informationen nicht nur begriffsabhängig (wie in Suchmaschinen), chronologisch (wie in Archiven oder in kalenderorientierten Sortiersystemen) oder autorenabhängig verfügbar gemacht werden, sondern abhängig vom Ort eines Objekts oder eines Subjekts?

Stellen Sie sich vor, Sie laufen als Tourist durch Berlin mit einem PDA mit Navigationssystem, welcher über Mobilfunk mit einer Datenbank verbunden wird. Sie laufen an einem eher unscheinbaren Haus vorbei und werden vom Gerät darauf aufmerksam gemacht, dass in dem Haus z.B. ein berühmter Philosoph gelebt hat, sie bekommen historische Fotos angezeigt, etc..

Sie sind auf der Wohnungssuche und bekommen auf dem Weg zur Arbeit einen Hinweis, dass in dem Haus, vor dem Sie gerade stehen, eine Wohnung frei ist, Sie erfahren den Preis, können sich Bilder anschauen und bekommen eine Information, dass der Ansprechpartner genau jetzt erreichbar ist. Klingeln Sie an? Oder rufen Sie vorher noch eine weitere Datenbank ab, die Ihnen Basisdaten zum Viertel, in dem Sie sich befinden, zur Verfügung stellt: Die Kriminalitätsrate, die Entfernung zur nächsten Schule, das Durchschnittseinkommen der Bewohner, der Anteil an jungen Menschen mit Kindern…

Solche Anwendungen werden möglich durch die Konvergenz bereits vorhandener und verbreiteter Technologien.

Was konvergiert da technologisch?

  1. Mobile Devices wie PDA, Handy oder On-Board-Computer im Auto
  2. GPS (oder demnächst Galileo)
  3. Online-Datenbanken (wie z.B. Suchmaschinen)

Die Technologien gibt es schon und sie sind weit verbreitet. Bezüglich der Konvergenz gibt es schon einige Anwendungen, allerdings noch nicht so komfortabel oder so genau oder so in Echtzeit, wie in den oben skizzierten Beispielen. Da sind z.B. die Location Based Services der Mobilfunkanbieter, in denen abhängig von der jeweiligen Mobilfunkzelle, in der ein Nutzer sich befindet, Veranstaltungs- oder Datinginfos geliefert werden. In Navigationsgeräten befinden sich häufig Infos zu Sehenswürdigkeiten oder zur Hotelsuche (allerdings noch rudimentär).

Aufsehen erregt hat nun vor allem die Anwendung Google Earth (Yahoo und Microsoft bieten ähnliche Systeme an), in der Satellitenbilder mit Google-Suchmaschinen-Informationen kombiniert werden können. Mir ist dabei aufgefallen, dass jeder über die tollen Karten und Zoomeffekte spricht, aber kaum jemand über die Anwendungen, die Google in seiner Professional- oder Enterprise-Version skizziert:
Ab der der „Plus“-Version wird die Verbindung mit GPS Wirklichkeit: Plug in your GPS device to see your trek. Import a spreadsheet of houses on the market. Draw 3D objects and print clear shots of a beach you are travelling to..

Die Professional- und Enterprise-Versions ermöglichen es, allerlei von Google-unabhängigen Datenbanken mit Google Earth zu verbinden. Google nennt als Beispiele mehrere Branchenlösungen: Immobilien (Standortbewertung für Investitionen, Verkaufspräsentationen, Infrastrukturinformationen), Versicherungen (Analyse geographischer Risikofaktoren wie Erdbebengebiete, Flutgebiete, Schadenshäufigkeiten in bestimmten Regionen), NGOs (Umweltinformationen), Heimatschutz („Critical infrastructure vulnerability assessment and protection, First responder site familiarization and planning, Pattern visualization of surveillance data“), Verteidigung („Mission planning, training, and simulation, Aerial imagery distribution to geographically dispersed operations, Visualization of tracked assets and personnel in the field“). De-Bug schreibt, dass es schon jetzt Datenbanken gibt, in denen die Wohnorte von Sexualstraftätern in US-Wohnorten ausgewiesen werden.

Interessant ist, dass Google besonders um die Branchen wirbt, die dem gemeinen Mitteleuropäer eh schon einigermaßen suspekt sind wie Verteidigung und Versicherung. Insofern wird auch deutlich, dass die neue Anwendungswelt nicht nur Vorteile für den Nutzer hat, sondern eben auch Nachteile für diejenigen, die Objekt der Informationen sind: Wenn Sie demnächst eine Tariferhöhung bekommen von Ihrer Versicherung, weil Sie in einem „riskanteren“ Stadtteil wohnen und in Ihrem Viertel Überwachungskameras (da eine muslimische Einrichtung in der Nähe ist) installiert werden, haben Technologien wie Google Earth ein klein bisschen dazu beigetragen, dass die Bürger und ihre Umgebung transparenter gemacht wurden.

Ich denke, an der Aufzählung wird klar, dass Google und Koakteure gedanklich bei den Anwendungen schon viel weiter sind, als es die meisten bisher wahrgenommen haben. Sicherlich gibt es schon seit längerem Geomarketing-Datenbanken (die wurden z.T. schon im US-Wahlkampf eingesetzt), aber durch Google und andere erschliessen sich breitere Nutzergruppen und neue Anwendungsfelder. Positiv fallen indes Projekte wie Plazes.com (Link und Erklärung siehe unten), die sich diese Möglichkeit zu Eigen machen, um Menschen zusammenzuführen.

Linktipps:

Danke an Ralf Neuhäuser für einige Linktipps!

Ergänzung: Ein guter Beitrag zu „Plazes.com“ findet sich hier. Lesen!

Autor: Jörg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. In den vergangenen 20 Jahren hat Jörg Hoewner zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32 bzw. +49 (177) 4594974

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