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Neues Selbstbewusstsein – Kommunikation in der Zeitarbeitsbranche

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Neues Selbstbewusstsein – Kommunikation in der Zeitarbeitsbranche

Zeitarbeit hat nicht den besten Ruf. Wie kommuniziert man in so einer Branche und wie viel Luft nach oben gibt’s überhaupt? Maren Letterhaus ist stellvertretende Pressesprecherin beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Ein Interview über Pöbeleien, einen Imagewandel und das neue Selbstbewusstsein.

Hallo Maren, ich habe gerade eine nicht repräsentative Umfrage unter Kollegen zum Thema „Image der Zeitarbeit“ durchgeführt. Willst du hören? ?
Maren Letterhaus
Klar!
Es fängt aber an mit „arme Schweine“ und „moderne Sklaven“ … Trotzdem weiter?
Maren Letterhaus
?(Immer her, ich kann damit umgehen.)
? =Ausgrenzung, Ausbeutung, Unsicherheit, Ungerechtigkeit, Rechtlosigkeit
? = Abwechslung, Einstiegschance, Flexibilität, spannende (unverbindliche) Einblicke, schnelle und professionelle Vermittlung
Ich merke: Es gibt irgendwie gar nicht „das Image“ der Zeitarbeit …
Maren Letterhaus
So sehe ich das auch. Es kommt ganz darauf an, wen man fragt. Viele haben durch Zeitarbeit zurück in ein festes Arbeitsverhältnis gefunden. Die verbinden mit Zeitarbeit etwas Positives. Einige haben aber auch Vorurteile. Erstaunlicherweise sind das oft genau die, die selbst noch nie mit Zeitarbeit in Berührung kamen.
Die Debatte wird oft emotional, das merkt man schon an Begriffen wie „Ausbeutung“ oder auch mal „Politikversagen“. Wie kommuniziert Ihr in so einem Umfeld?
Maren Letterhaus
Wir versuchen vor allem, sehr transparent zu sein.
Inwiefern?
Maren Letterhaus
Unseren Tarifvertrag kann sich zum Beispiel jeder auf unserer Internetseite  anschauen.
Euren Tarifvertrag?
Maren Letterhaus
Die Zeitarbeit hat ihren eigenen Tarifvertrag. Das schafft innerhalb der Branche Fairness. Es spielt zum Beispiel erstmal keine Rolle, ob jemand in einer Kfz-Fabrik oder in einem Hotel beschäftigt ist – auch bei häufig wechselnden Einsätzen gibt’s einen gut planbaren, gleichbleibenden Lohn. Um die Lohnunterschiede zwischen Zeitarbeitnehmern und Stammbeschäftigten auszugleichen, haben sich die Zeitarbeitsunternehmen und die Gewerkschaften 2012 auf zusätzliche Branchenzuschläge geeinigt.
Ok, Transparenz. ? Weiter?
Maren Letterhaus
Aufklärung ?
Beispiel? ?
Maren Letterhaus
Wir veröffentlichen zum Beispiel regelmäßig Reportagen in der Verbandszeitung Z direkt!. Da kommen Menschen zu Wort, die über Zeitarbeit eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen haben. Diese Geschichten werden dann gern bei Facebook geteilt.
2017 haben wir zum ersten Mal den iGZ-Award verliehen. Dort konnten sich unsere Mitgliedsunternehmen gemeinsam mit einer Mitarbeiterin bzw. einem Mitarbeiter bewerben, die/den sie überdurchschnittlich stark gefördert haben. Das war zum einen eine tolle Wertschätzung des außerordentlichen Engagements, zum anderen kam der Award auch in den Medien gut an. In diesem Zusammenhang wurde dann auch endlich mal von positiven Zeitarbeitserfahrungen berichtet. Häufig stehen ja leider Skandale im Mittelpunkt… ?
Wie lautet denn euer großes Ziel, auf das ihr hinarbeitet?
Maren Letterhaus
Wir wünschen uns gar keine positive Berichterstattung, eine neutrale würde uns schon reichen. Langfristig möchten wir, dass Zeitarbeit in der Öffentlichkeit als ganz normales Arbeitsverhältnis wahrgenommen wird. Aber uns ist auch klar, dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist.
Wie weit seid ihr von der Wahrnehmung als „ganz normales Arbeitsverhältnis“ denn noch entfernt?
Maren Letterhaus
Das wird wohl noch etwas dauern, aber wir geben nicht auf ? Es ist eben immer leichter, auf etwas zu schimpfen, als sich ein detailliertes Bild zu machen. Und letztlich wollen die Leser auch lieber Skandale als Heile-Welt-Geschichten, das ist nun mal so. Aber im Vergleich zum Image von vor zehn Jahren hat sich unter anderem dank unserer Arbeit schon einiges getan! Das merken wir deutlich daran, wie sich die Art der Diskussion verändert hat.
Nämlich?
Maren Letterhaus
Früher hieß es einfach „Scheiß Leiharbeit“. Heute eher „Irgendwie finde ich es nicht so cool, aber manchen hilft es ja auch.“ Man wird nicht mehr gleich so angegangen, alles ist sachlicher und differenzierter geworden. Aber da ist noch reichlich Luft nach oben.
Hat sich denn eure Kommunikation verändert?
Maren Letterhaus
Ja, wir haben schon vor einigen Jahren aufgehört uns zu rechtfertigen.
Hast du ein Beispiel?
Maren Letterhaus
Ein früherer iGZ-Slogan lautete „iGZ fairändert Zeitarbeit“. Das implizierte noch, dass sich einiges in der Branche tun muss. Zu der Zeit passte das.
Und heute?
Maren Letterhaus
Inzwischen gibt es das iGZ-DGB-Tarifvertragswerk, einen Branchenmindestlohn, eine Kontakt- und Schlichtungsstelle, einen iGZ-Ethik-Kodex, eine professionelle Ausbildung zu Personaldienstleistungskaufleuten und vieles mehr. Die Branche hat einiges angepackt ? Und die Bedingungen haben sich grundlegend geändert.
Und das findet man auch in den Slogans wieder?
Maren Letterhaus
Genau. Nach „iGZ fairändert Zeitarbeit“ kam „Zeitarbeit: fair, flexibel, sicher.“, dann „Zeichen guter Zeitarbeit“. Da merkt man schon einen deutlichen Wandel im Selbstbewusstsein. Es folgten „Gute Zeitarbeit spricht für sich.“ und „Zeitarbeit hilft“.
Was kommt als nächstes? ?
Maren Letterhaus
Verrate ich noch nicht ? Aber Ziel ist es, dass wir irgendwann gar keine Slogans mehr brauchen, um für die Branche zu werben – eben weil sie als ganz normales Arbeitsverhältnis angesehen wird.
Du hast ja gesagt, dass man schon einen Wandel spüren kann – der aber sehr langsam vorangeht. Meinst du, ihr könnt das über eure Kommunikation wirklich schaffen?
Maren Letterhaus
Kommunikation ist ein sehr wichtiger Baustein, um Transparenz zu schaffen und aufzuklären. Aber sie kann natürlich nicht allein stehen. Deshalb arbeiten wir als Interessenverband weiter daran, die Rahmenbedingungen in der Branche noch weiter zu verbessern, sie noch fairer zu machen. Denn Kampagnen können noch so toll sein – nur wenn sich die Menschen fair behandelt fühlen und zufrieden sind, verbessert sich auch das Image der Branche.
Dann wünsche ich euch viel Erfolg und danke fürs Interview.
Maren Letterhaus
Gern!

Zeitarbeit hat nicht den besten Ruf. Wie kommuniziert man in so einer Branche und wie viel Luft nach oben gibt’s überhaupt? Maren Letterhaus ist stellvertretende Pressesprecherin beim Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ). Ein Interview über Pöbeleien, einen Imagewandel und das neue Selbstbewusstsein.

Autor: Verena Waldbröl

Verena Waldbröl ist Redakteurin bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Sie hat schon für deutsche Residenten in Südspanien und eine Lokalzeitung am Niederrhein geschrieben, bevor sie im Volontariat das Corporate Publishing für sich entdeckt hat.

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