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Willkommen in Deutschland!

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Willkommen_in_DeutschlandMiteinander im Gespräch bleiben – das ist einer der Schlüssel für die Integration von Flüchtlingen in Deutschland. Welche Erfahrungen können wir aus unserer Kommunikationsarbeit für diese Aufgabe mitnehmen?

Willkommen in Deutschland! Ein starkes Signal geht von diesem Satz aus – und er steht für eine Haltung, die ich persönlich sehr begrüße. Was aber, wenn diese emotionale Botschaft auf Dauer nicht trägt? Was muss geschehen, damit sie nachhaltig wirken kann? Damit sie ansteckt und eine wirklich große Bewegung von Bürgern weiter in Gang hält? Und wie kann es gelingen, dass die Willkommenskultur auch dann noch gelebt wird, wenn die Situation schwieriger wird? Schnell bauen Missverständnisse und falsche Erwartungen große Hürden für das Miteinander auf. Zu schön wäre es, wenn wir jetzt ein gemeinsames Verständnis dafür schaffen könnten, wie es in Zukunft weitergehen soll. In einer idealen Welt würden wir davon ausgehend die nötigen Maßnahmen erkennen und handeln. In unserer weitaus komplexeren Welt können wir das anstreben, müssen aber auch die Voraussetzungen dafür schaffen.

Wenn die Stimmung kippt

Zu schnell kann die Stimmung kippen, von Medien und Meinungsmachern gelenkt, von enttäuschten Erwartungen untergraben. Kommunikation verändert – mit dieser Überzeugung treten wir als Kommunikationsagentur an. Und so betrachte ich auch ganz persönlich, wie viele meiner Kolleginnen und Kollegen, die Welt um mich herum. Klar ist, dass Kommunikation allein nicht ausreicht. Aber sie kann verhindern, dass sich die Gräben zwischen dem „wir“ und dem „ihr“ vertiefen und unter dem Druck der Ereignisse unüberwindbar werden. Und das sind die wichtigsten Grundlagen von aussichtsreicher Kommunikation:

  • Transparenz schaffen
  • Augenhöhe herstellen
  • Orientierung geben

Gute Vorbilder

All dies bedarf einer guten, sachlichen Informationspolitik. Und das setzt voraus, dass die Angesprochenen überhaupt Zugang zu diesen Informationen haben. Nahezu vorbildlich in dem Engagement für Flüchtlinge ist deswegen ein großer deutscher Konzern der ITK-Branche, der beides anstrebt: Kommunikationsstrukturen stärken und relevante Informationen liefern. Mit kostenlosen WLan-Hotspots, die einen Internetzugang ermöglichen und einer Website in acht Sprachen, die wichtigste Themen rund um das Ankommen in Deutschland aufgreift: Welche Rechte habe ich, wenn ich nach Deutschland flüchte? An wen kann ich mich wenden? Wie stelle ich einen Asylantrag und was mache ich, wenn er abgelehnt wird? Die Seite vernetzt darüber hinaus mit Ansprechpartnern vor Ort, die sehr gezielt handeln und helfen können. Ein anderer ITK-Anbieter hat angekündigt, demnächst ein vergleichbares Angebot zu schaffen. Gut, wenn Unternehmen hier verantwortlich handeln.

Sehr vielfältig ist aber auch die Landschaft von privaten Initiativen – hilfreich ist zum Beispiel der Deutsch-Einstiegskurs „Welcomegrooves“, mit dem Flüchtlinge erste wichtige Redewendungen der deutschen Sprache lernen. Ganz entspannt, musikalisch untermalt. Derzeit gibt es die Hilfe für 22 Sprachen, weitere sind in Vorbereitung. In meiner Heimatstadt vernetzen sich mehrere Initiativen via „Fluechtlinge-willkommen-in-duesseldorf“. Und sie funktionieren vor allem so gut, weil sie den Dialog ermöglichen.

Integration durch Kommunikation?

Erfahrenswertes gibt es genug. Was die Neuankömmlinge ausmacht und bewegt, erkundet die Stadt Düsseldorf beispielsweise in einem Interview-Projekt. Dafür schickt sie Ehrenamtliche in Flüchtlingsunterkünfte, damit sie ins Gespräch kommen: Welche Interessen haben die Bewohner? Wo liegen ihre Fähigkeiten? So können Musiker angesprochen werden, ob sie Interesse an einem Zusammenspiel mit den Düsseldorfer Symphonikern haben. Sportler erhalten viel schneller Kontakt zu Vereinen. Und es wird deutlich, welche Angebote tatsächlich benötigt werden. Auch das ist übrigens wieder ein Anknüpfungspunkt für Kommunikation und sich kennenzulernen. Das ist wichtig. Denn es kann ja nicht darum gehen, dass die einen großzügig und edel ein Füllhorn über den anderen ausschütten. Hilfe nach Gutdünken und Wohlgefallen funktioniert ebenso wenig. Alle Beteiligten mitzunehmen läuft anders. Und das kann nicht bedeuten, dass die vermeintlich Wissenden den vermeintlich Unbedarften zeigen, wie der Hase läuft. So fährt man den Karren ganz schnell vor die Wand.

Ganz ehrlich: Wir haben als Kommunikations-Experten viele spannende Erfahrungen in Unternehmen gemacht und viel darüber gelernt, wie sich Organisationen kommunikativ besser aufstellen. Aber die größten Erfolge verzeichnen wir, wenn wir gute Anker im Unternehmen haben: Das sind die Menschen, die Kultur, Einstellungen und Werte des Unternehmens kennen. Wir helfen ihnen dabei, das implizite Wissen zu formulieren und auf den Punkt zu bringen. Aber sie wissen, wo die gewünschte Forderung/Förderung in Überforderung umschlägt. Wo der Weg aus der vielzitierten Komfortzone direkt in die Reaktanzzone führt. Nur mit ihnen gemeinsam können wir ein Konzept erarbeiten, das eine wirksame Kommunikation hervorbringt und nachhaltig ist.

Das heißt – wie oben betont – Transparenz, Augenhöhe, Orientierung schaffen: Keine Informationseliten bilden, sondern Dialogmöglichkeiten über alle Ebenen schaffen. Keine Kommunikation ohne Zuhören mit dem echten Wunsch zu verstehen. Gleichzeitig: Informierte Steuerung und Orientierung. Ja! Auf jeden Fall! Vorbilder sind wichtig und machen Mut.

Wie weit Kommunikation auch bei den Menschen trägt, die sich derzeit lautstark gegen die Asylpolitik der Bundesregierung wenden? Wie erreicht man diejenigen, die sich der Kommunikation bereits verschlossen haben? Wir müssen es versuchen. Und ich freue mich an dieser Stelle sehr über Gedanken und Impulse, wie es gelingen kann.

Denn so grausam das Bild heute ist, so passend ist es auch: Wir sitzen in einem Boot, lasst uns klug darüber verständigen, wohin wir zukünftig rudern wollen. Zu viele Boote haben in den vergangenen Monaten ein tragisches Ende genommen.

Autor: Maike Liess

Maike Liess ist Redakteurin bei K12 - Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Nach Studium und 10 Jahren als freie Autorin in der Unternehmenskommunikation erkundet sie hier seit Juli 2012 unter anderem die Möglichkeiten des Corporate Publishing.

Ein Kommentar

  1. So traurig es ist, bewahrheitet sich die Aussage, dass über kurz oder lang die Willkommenskultur massiv unter Druck geraten wird, wenn sie keine solide Basis hat.
    http://www.theguardian.com/commentisfree/2016/jan/10/ensure-germany-welcome-refugees-cologne-attacks?CMP=fb_gu

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