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Äußerst wirkungsvoll: Reden

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Wissen, was man sagen will …

In 60 Sekunden besser überzeugen als in anderthalb Stunden? Das geht – wenn die Worte sorgsam gewählt sind und die Dramaturgie zumindest einigermaßen überraschend ist. So gesehen beim one and only #Kanzlerduell und den abschließenden Statements der Kandidaten Merkel und Schulz. Professionell gesehen war die Debatte aus Berlin ein Lehrstück und Beleg für die Wirkung des inszenierten Wortes. Denn wenn es zu irgendeinem Zeitpunkt interessant geworden ist, dann in den letzten Minuten, die die Kandidaten für eine kurze Ansprache hatten.

Um eines vorwegzuschicken: Selbstverständlich ist Substanz entscheidend. Aus Sicht einer Redenschreiberin interessant war aber, wie die Kontrahenten ihre Chance wahrnehmen würden, zu emotionalisieren und sich klar zu positionieren. Martin Schulz, der Kanzlerkandidat der SPD, wählt dafür eine sehr plakative Formulierung, um ein Hauptthema seiner Partei, Gerechtigkeit, zu unterstreichen. Entsprechend ist seine Assoziation zu den 60 Sekunden, die ihm dafür zur Verfügung stehen: In diesem Zeitraum verdiene eine Krankenschwester 40 Cent, ein Manager hingegen 30 Euro. Er zieht alle Register, setzt auf Pathos und damit einen wirkungsvollen Schlusspunkt.

Auch in Unternehmen gibt es Gelegenheiten, die sich nicht ein zweites Mal bieten; die genutzt werden müssen, um Belegschaften, Investoren oder andere Stakeholder auf die eigene Seite zu ziehen – zu überzeugen. Sie für einschneidende Veränderungen zu gewinnen, den Boden für eine neue Mentalität zu bereiten, zu signalisieren: „Ich gehe voran!“ Das gelingt besonders gut mit einer packenden und überzeugenden Rede.

Warum Redenschreiber?

… und prüfen, ob man verstanden wird.

Authentizität ist eins der wichtigsten Merkmale einer guten Rede. Warum also verfassen richtig gute CEOs ihre Reden nicht selbst? Warum überlassen sie es professionellen Redenschreibern, wenn es darum geht, vor ihre Belegschaft zu treten? Genau deswegen: Weil professionelle Redenschreiberinnen und Redenschreiber die Vortragenden, den Habitus, die Stärken und Schwächen ihrer Kunden erforschen und ihnen nichts aufzwingen, was nicht authentisch wirken würde. Gleichzeitig haben sie jedoch den Abstand, um einen weiteren sehr wichtigen Aspekt zu berücksichtigen: Das Publikum. Auch hier gilt die alte Weisheit, dass der Köder dem Fisch schmecken muss, nicht dem Angler. Und durch diesen Geschmackstest fällt so manche Rede, wenn sie an den Bedürfnissen der Zuhörer vorbei gehalten wird. Vor der Schreibarbeit steht also die Recherche:

  • Wo drückt der Schuh?
  • Welche Sprache sprechen die Anwesenden?
  • Und welche Schlagworte können sie wirklich nicht mehr hören?

Einem Profi gelingt dieser Spagat zwischen den Anforderungen des Vortragenden und des Publikums.

Verstehen wir uns? Wahrnehmungsfilter

In der Regel gibt es in Organisationen neben der gemeinsamen Sprache auch viele unterschiedliche Verständnisebenen. Soll heißen: Während im Management manche Buzzwords Zeit sparen und zu einem schnellen gemeinsamen Informationsstand führen, sorgen die gleichen Schlagworte in anderen Unternehmensbereichen für Verwirrung und lassen die Belegschaft dort verunsichert zurück. Der Grund: Nicht nur die Sprache selbst, sondern auch die Interpretation der Worte kann extrem differieren. So ist aus betriebswirtschaftlicher Sicht an „Synergien“ und deren Nutzung nichts auszusetzen. Jenseits der Management-Ebene ist es der Stress-Auslöser schlechthin. Gerade in der Change-Kommunikation stellen wir häufig fest, dass gut Gemeintes nicht immer gut ankommt. Auch hier gilt es, genau hinzuhören und den Handelnden beratend zur Seite zu stehen. Denn was in einer solchen Situation wie ein rettender, weil neutraler Anker erscheint, baut oft neue Hürden auf: Daten und Fakten, die unangreifbar erscheinen, verlieren unmoderiert ihre Wirkung. Erst mit einer Übersetzung in die menschliche Logik, mit einer begreifbaren Story können sie das bezwecken, was gewünscht ist: ein Verständnis für die nächsten Schritte. Und das ist notwendige Voraussetzung für ein Umschalten im Kopf und ein aktives Mitgehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Über gute Reden stehen wir mit Kolleginnen und Kollegen im ständigen Austausch. Von Euch wüssten wir gerne: Welche Rede hat Euch zuletzt begeistert? Lasst es uns wissen!

Autor: Maike Liess

Maike Liess ist Redakteurin bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Nach Studium und 10 Jahren als freie Autorin in der Unternehmenskommunikation erkundet sie hier seit Juli 2012 unter anderem die Möglichkeiten des Corporate Publishing.

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