Veränderungskommunikation

Anspruch: Anarchie aushalten

30. Juni 2009 · von Carina Waldhoff · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Viel Aufgeregtheit dieser Tage über Sinn, Unsinn, Grenzen, Verläufe etc. in Social Media. Angefangen von der – wichtigen und gebotenen – Aufregung über „Zensursula“ über Frau Kraft’s „Basta!“ gegenüber den Ruhrbaronen bis hin zur Online-Petition für eine kritsche Auseinandersetzung mit der GEMA. Anstrengend, zwischen Polemik und „Ich auch“-Äußerungen die Argumentation und Gedanken dingfest zu machen; zumindest bei mir selbst beobachte ich gerade eine gewisse innere Blog-Bockade. Kann natürlich auch die Hitze sein, die das Hirn ein wenig sämig macht. Einen guten Ansatz zur Ordnung findet Mirko Lange, der das BGH-Urteil zu SpickMich! als Anlass nimmt, um sich Gedanken über die Folgen unserer erneut in ihrem Wert bestätigten Meinungsfreiheit zu machen. „Anarchie aushalten“ ist das, was in meinem Appell-Ohr aus diesem Beitrag hängenblieb. Und „sauber bleiben“: Wenn Verbandsmitgliedern (also Bürger, nicht Funktionäre – wer ist schließlich nicht in irgendeinem Verband organisiert?) auf neue Plattformen zur Meinungsäußerung geholfen wird, hat das nichts zu tun mit Tarnkappen-PR á la Deutsche Bahn, bei der zeitweise wohl lieber glückliche Kunden erfunden wurden anstatt daran zu arbeiten, deren Schar zu mehren und echte Fürsprecher zu gewinnen. Wir erleben gerade zum ersten Mal die Möglichkeit, wirklich „Public Relations“ zu machen, nämlich in Beziehung zu treten mit verschiedensten Öffentlichkeiten. Das ist anstrengend und ähnelt häufig ungeordneten Kneipendiskussionen nach 22.00 Uhr (im Gegensatz zum Lokalfunk-Beitrag, in dem Wirt und drei Stammgäste einen vorbereiteten O-Ton abliefern). Aber ein Set an Regeln, ob geschrieben oder ungeschrieben, existiert, der Wirt kann Pöbler des Hauses verweisen, wer handgreiflich wird, trifft auf die Herren in Grün und im Eifer des Gefechts traut sich eben auch mal jemand ein Statement zu, das in exponierterer Atmosphäre unter den Tisch gefallen wäre (und vielleicht die Diskussion jetzt bereichert). Eine wichtige Funktion von PRlern muss es im Moment sein, ihren Kunden die Scheu vor diesen  nicht-exklusiven Orten zu nehmen, sich erst einmal mit ihnen ohne Krawatte an den Tresen zu setzen und sie dann feststellen zu lassen, dass man mit vielen Gästen gute Gespräche führen kann anstatt sie nur über sich reden zu lassen. Das ist für viele Unternehmenslenker und -kommunikatoren ein echter Kulturschock, und den zu überwinden und die passenden Konsequenzen zu ziehen, ist ein echter Coaching-Job für professionelle Berater.

NGO 2.0: „Wie NGOs kommunizieren, koordinieren und mobilisieren“

26. März 2009 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Christiane Schulzki-Haddouti hat erste Ergebnisse einer Studie „“Kooperative Technologien für Arbeit, Ausbildung und Zivilgesellschaft” in einem Post (der Text wird im Magazin Contraste erscheinen) zusammengefasst „Wie NGOs kommunizieren, koordinieren und mobilisieren“. Da ich vor einigen Tagen hier eine kurze Zusammenfassung der McKinsey-Studie zu Erfolgsfaktoren bei der Einführung von Web2.0 in Unternehmen geschrieben habe, ist insbesondere der Vergleich zu den Erfolgsfaktoren bei NGOs interessant. Diese beschreibt Christiane kurz im letzten Absatz:

  • Richtige Tool-Auswahl, die sich an den jeweiligen Barrieren richten. (Hier würden mich die Barrieren genauer interessieren)
  • Kompetenz-Träger, die den anderen als Vorbild dienen und beratend zur Seite stehen.
  • Geringer Anpassungsaufwand.
  • Entscheidung Hosting mit Selber-verwalten vs. SaaS-Lösung
  • Gruppen-Konsens schaffen: Gemeinsam beschliessen, kooperative Technologien einzusetzen.

In einigen Punkten (Tool-Auswahl, interne Botschafter) gibt es eine Übereinstimmung zu dem, was man aus Unternehmen kennt. Aufgrund ihrer Organisation spielt bei den NGOs der Gruppen-Konsens eine größere Rolle und Fragen, die mit der IT-Infrastruktur zusammenhängen. Für viele Unternehmen kommen SaaS-/ ASP-Modelle schon rein aus datenschutzrechtlichen oder Sicherheitsbedenken nicht in Frage.

Bin gespannt auf mehr Informationen zum Thema.

Anschauungsobjekt Innovationskultur: Tim Berners-Lee

25. März 2009 · von Carina Waldhoff · 1 Minute Lesedauer · 2 Kommentare

Immer wieder heißt es ja, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern auch zeitlichen Freiraum geben müssen, um innovativ zu werden. Google z.B. verpflichtet seine Mitarbeiter dazu, 20 Prozent ihrer Arbeitszeit für die Weiterentwicklung ihres Geschäftsbereiches und gönnt ihnen 10 Prozent, um auf privaten Interessensgebieten zu „forschen“.

Tim Berners-Lee erzählt in diesem Video, wie er durch Frust motiviert und in seiner persönlichen „Daddel-Zeit“ am Arbeitsplatz eine kleine technologische Revolution ersann: das Internet.

Ganz nebenbei bemerkt, halte ich dieses Stück auch für ein Paradebeispiel amerikanisch geprägter Präsentationskultur, jenseits aller Powerpoint-Meisterwerke: Meiner Meinung nach steht da vorne weder ein Charismatiker noch ein gewiefter Rhetoriker, sondern einfach ein authentischer Mensch, der eine Geschichte entwickeln und komplizierte Sachverhalte laienverständlich erklären kann („these http-things“…).
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McKinsey: Sechs Wege, Web2.0 in Unternehmen zu verankern

25. März 2009 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar

In der aktuellen McKinsey Quarterly gibt es einen schönen Beitrag zur Web2.0-Implementierung in Unternehmen: „Six ways to make Web 2.0 work“.

In der Vorbereitung zu den sechs Tipps gibt es eine Grafik, die den Nutzen partizipativer Medien und wo die sechs Tipps ansetzen, veranschaulicht:

Six ways to make Web 2.0 work

Six ways to make Web 2.0 work

Um diese Möglichkeiten zu eröffnen, empfiehlt McK die folgenden Schritte:

  1. Der Wandel hin zu einer bottom-up-Kultur erfordert die Hilfe von „oben“ („from the top“): Das Management muss unterstützen, Vorbild sein. In diesem Blog schon mehrfach genannt.
  2. Die nützlichsten Anwendungen kommen von den Nutzern selbst, aber sie brauchen später die Unterstützung des Managements, um weiter zu wachsen und breiter ausgerollt zu werden. McK sagt, dass die Web2.0 Anwendungen, die am Ende am meisten Nutzenbringen, nicht die sind, von denen das Management es vorher erwartet.
  3. Was in die Arbeitsabläufe passt, wird genutzt: Web2.0 im Unternehmen ist kein Selbstzweck. Die Akzeptanz steigt erheblich, wenn die Anwendungen sinnvoll und hilfreich in bestehende Arbeitsabläufe integriert werden können.
  4. Thema Incentives: Die Egos und Bedürfnisse der Nutzer ansprechen, nicht nur ihre Geldbörsen. Geld ist meist nur ein kurzfristig wirksamer Motivator.
  5. Die richtigen Lösungen kommen von den richtigen Nutzern: Die Auswahl der Teilnehmer an partizipativen Lösungen ist gerade in der Anfangsphase relevant, auch um eine kritische Masse an Inhalten (z.B.) zu bekommen und das Engagement zu nutzen, um die Anwendungen zu optimieren.
  6. Die „Top-down“ und selbst-gemanagten Risiken ausbalancieren: Hier geht es um das Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Selbstorganisation. McK meint, das komplettes Laissez faire nicht zielführend sei. Policies, Meldemechanismen für unpassenden Content etc. dienen dazu, sowohl die Qualität als auch andere Auswüchse zu managen.

Nicht alle diese Tipps sind neu, aber einige bringen einen neuen Spin hinein (speziell Punkt 6). Interessant am Beitrag ist, dass die einzelnen Punkte durch kurze reale Fallbeispiele illustriert werden. Lesen!

PS: Eine nette Funktion auf der Website ist die Funktion „Twitter Responses from our readers“, über die direkt Twitter-Kommentare zum Artikel angezeigt werden.

Schwerelose Marken – das Ende vom Eigentum: Die Bedeutung der Zugangsgesellschaft für die Markenkommunikation

9. März 2009 · von Frederik Bernard · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Frederik Bernard | FBKB

In den vergangenen Jahren hat sich die Bedeutung von Eigentum und Besitz, von Märkten und Verkaufsprozessen drastisch gewandelt. Waren bis Ende des vergangenen Jahrtausends noch Transaktionen von Eigentum, d.h. von haptischen Gütern sowohl im privaten als auch im geschäftlichen Umfeld das Ziel des wirtschaftlichen Strebens, so sind wir nunmehr an einem Wendepunkt angelangt, in dem es weniger um die Anhäufung von Eigentum, sondern – ganz im Gegenteil – um den reinen Zugang zu Dienstleistungen, Services, Informations- und Kommunikationsangeboten, Kultur- und Reiseangeboten oder aber speziellen Interessensgruppen geht. Der Zugang zu Netzwerken, die weltweit und teilweise unabhängig von Raum und Zeit bestehen, macht aus dem Nachfragenden einen Nutzer, aus dem Anbieter einen zentralen „Gatekeeper“ und aus Märkten vielfältige Netzwerkstrukturen.

Dieses vollkommen neue Konzept, das seinen Ursprung bereits in den siebziger Jahren mit den ersten Leasing-Angeboten hatte, gewinnt erst jetzt an Akzeptanz und damit auch an Bedeutung und wird unsere Art zu leben und zu wirtschaften nachhaltig verändern. Unternehmen müssen sich sowohl strategisch wie auch organisatorisch auf diese neue Zugangsgesellschaft einrichten und sowohl ihr Marketing, ihre Markenkommunikation und auch den Vertrieb neu justieren. Insbesondere für die Markenkommunikation bestehen ganz neue Möglichkeiten, Mehrwerte zu schaffen und durch Vertrauen eine langfristige Bindung zu den Zielgruppen auf- oder auszubauen. Die Bindung von Zielpersonen ist die zentrale Herausforderung für die Markenkommunikation der Zukunft.

Dieser Artikel von Frederik Bernard zeigt auf, welche Chancen und Risiken es für moderne Marken in einer Welt des Zugangs gibt – und wie mehr Nutzen und weniger Ballast zu den zentralen Erfolgsfaktoren für Marken und Unternehmen werden.

Der ganze Beitrag kann hier heruntergeladen werden.