K12

Prompt engineering: unverzichtbare Kompetenz für die „synthetische Kreativität“ 

25. Februar 2023 · von Joerg Hoewner · Keine Kommentare

Gezeichnete Roboter und Kabel auf lila Hintergrund

Über die verschiedenen KI-Werkzeuge zur Content-Synthese und die sich daraus ergebenden Möglichkeiten habe ich in den letzten Wochen schon eine ganze Reihe von teilweise sehr spannenden Artikeln gesehen. Ein zentraler Aspekt für die Steuerung dieser Werkzeuge wird dabei eher nebenbei erwähnt. So richtig klar wurde mir das am vergangenen Wochenende bei der Lektüre des spannenden Wired-Beitrags „Engine of Wow“ (US-Ausgabe Feb 2023) zum Thema Kunst/Design und AI. Gleichzeitig nehme ich immer mehr  Sponsored Posts auf Instagram wahr, bei denen Anbieter wie Promptbase (https://promptbase.com) ihre Prompt-Sammlungen (Anm. d. Redaktion: Prompt = schriftlicher Befehl an die KI) verkaufen – hier entsteht anscheinend ein neues Geschäftsmodell.  

Die Rede ist also von „Prompts“, den Eingabeaufforderungen, die man bei ChatGPT oder DALL-E2 in das Eingabefenster eingibt und die am Ende zu den gewünschten oder überraschenden Ergebnissen bei Text- oder Bildsynthese führen. Diese Prompts können Fragen, Schlüsselwörter oder Sätze sein, die ein Mensch in das KI-System eingibt. Das System nutzt dann diese Informationen, um relevante Ergebnisse zu analysieren und zu liefern. 

Dazu muss man wissen, dass die Interaktion (zum Beispiel) mit ChatGPT einen dialogischen Charakter hat: Innerhalb eines Threads passt die KI die Ergebnisse beziehungsweise den Output des Programms an weitere Eingaben an. Beispiel: Man startet mit dem Prompt „Warum sind Prompts für die Interaktion mit KI wichtig?“ und erhält ein Ergebnis. Dieses Ergebnis kann über einen weiteren Prompt innerhalb desselben Chats/Threads modifiziert und erweitert werden, zum Beispielindem ich schreibe: „Liefere mir weitere Aspekte“ oder „Gib mir mindestens fünf Tipps für den Umgang mit Prompts“ oder „Schreibe das Ergebnis im Sprachstil von Skakespeare um“. Aus einer Kette von Interaktionen kann ich also die Ergebnisse steuern – im Rahmen der Möglichkeiten beziehungsweise der (Un-) Vorhersehbarkeit, die mir das Sprachmodell gibt.  

Steuerbarkeit bedeutet also, Prompts regelbasiert anzuwenden, um weniger zufällige Ergebnisse zu erzielen. Solche Regeln für den eigenen Einsatzzweck zu erlernen, wird daher eine Kompetenz von Redakteur:innen oder Designer:innen sein müssen. Sie werden zukünftig neben (oder anstatt) der Google-Suche noch ein weiteres Browser-Fenster mit der Lieblings-KI öffnen müssen, um einzelne Aufgaben im Dialog mit dem System zu lösen: Ideen entwickeln, Texte skizzieren, Texte schreiben, Bilder generieren.  

Die Frage, ob es sinnvoll ist, eine persönliche Sammlung von Prompts anzulegen, beantworte ich deshalb klar mit  “ja!”. Die eigene Prompt-Sammlung kann für die zukünftige Verwendung nützlich sein, insbesondere wenn die Prompts genau und relevant sind. Sie kann Zeit bei der Recherche sparen, da die Prompts bereits ausprobiert wurden und sich als effektiv erwiesen haben.  

Daneben können bestimmte Prompts zu unerwünschten Ergebnissen führen: Ergebnisse die unsinnig sind oder von schlechter Qualität, weil schlicht die Grenzen des Sprachmodells beziehungsweise des zu Grunde liegenden Trainingsmaterials überschritten werden.  

Im Rahmen der Kommunikationsarbeit ergibt es daher Sinn, sich schon jetzt über Systeme Gedanken zu machen, wie „Prompting best practises“ oder „Prompting-Verläufe“ so dokumentiert und gespeichert werden können, dass Teammitglieder gemeinsam auf dieses Wissen zugreifen können. Denkbar ist auch die Entwicklung von Prompts, die bestimmte Stile generieren und so dazu beitragen können, bestimmte Tonalities oder Designstile reproduzierbar zu halten.  

Die Vermittlung entsprechender Kompetenzen wird Thema von Trainings und Weiterbildungen sein. Dabei werden wir lernen, dass unterschiedliche Modelle und Anwendungen mit gleichen Prompts unterschiedliche Ergebnisse generieren. 

Prompt Engineering mag heute zwar noch nicht im Zentrum der Betrachtung stehen. Für  eine effektive Interaktion zwischen Mensch und Maschine ist es jedoch schon heute unabdingbar. Ich bin gespannt, was sich auf dem Gebiet tut. Verlinkt interessant Artikel gern in den Kommentaren. 

Anmerkung der Redaktion: Die ursprüngliche Illustration dieses Beitrags hat Jörg Hoewner mit DALL-E 2 generiert. Wir haben das Beitragsbild nach der Veröffentlichung des Artikels in den Leaks geändert. Hier das ursprüngliche Bild:

Autor: Joerg Hoewner

Jörg Hoewner: Jg. 1969, ist Geschäftsführender Partner der K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation und Consultant für moderne Unternehmenskommunikation in Düsseldorf. Seit 1995 berät er Kunden im Bereich Online Relations / Online-PR und war damit einer der ersten Berater in Deutschland auf diesem Feld. In den vergangenen 20 Jahren hat Jörg Hoewner zahlreiche Kunden beraten, viele Unternehmen (darunter DAX30-Unternehmen) und mehrere Verbände. Darüber hinaus ist er als Referent aktiv und Autor zahlreicher Fachbeiträge – online, in Zeitschriften und Büchern. Schwerpunktmäßig beschäftigt er sich mit dem Thema integrierte Kommunikation, deren Messbarkeit und der Auswirkung von Kommunikationstechnologien auf die interne und externe Unternehmenskommunikation. Kontakt: Jörg Hoewner (joerg.hoewner@k-zwoelf.com) – T. +49 (211) 5988 16 32.

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