K12

„Pecha … was?!“ – Oder: Eine Story in sechs Minuten und vierzig Sekunden erzählen

20. November 2023 · von Julia Küter · Keine Kommentare

Einmal im Jahr zeichnet der PR Report 30 PR- und Kommunikationstalente unter 30 aus. Die Initiative bringt Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen der Kommunikation zusammen, wobei hier nicht zählt, wer am „lautesten“ ist. Auch die „leisen“ Strategen, Denkerinnen und Kommunikatoren werden gesehen. Das ist für mich persönlich etwas, was ich an der 30unter30-Initiative besonders schätze. Das Team um Nico Kunkel hat sich während der Auswahl viel Zeit genommen, um sich mit den nominierten Talenten zu beschäftigen. Das wurde auch bei unserem ersten Kick-Off in Karlsruhe deutlich: Die Auswahl der Menschen, die in das Netzwerk aufgenommen werden, hat sich prima ergänzt.

Warm-up mit Herausforderung

Das Warm-up für uns alle war ein Pecha-Kucha-Vortrag, den wir zu Hause vorbereiten durften. Die Themenwahl war völlig frei. „Pecha … was?!“ – genauso fühlte ich mich auch, als ich das erste Mal davon las. Nach einer kurzen Nachfrage bei ChatGPT war klar: Der Vortrag wird genau sechs Minuten und 40 Sekunden lang. Die Herausforderung dabei: Ich durfte insgesamt nur 20 Slides mit jeweils einem Bild für jeweils 20 Sekunden zeigen.

Meine Themenwahl

Nach der ersten Ratlosigkeit begann ich mit der Themensuche: Worüber möchte ich eigentlich reden? Soll es ein Business-Talk werden? Ein kurzer Rundumschlag, was ich bei K12 mache? Vielleicht etwas Persönliches mit einer Botschaft am Ende? Ja, das könnte was werden.

Letztendlich ist mir das Thema dann bei meinem diesjährigen Urlaubsabenteuer zugeflogen: einem Yoga-Reit-Retreat in Island, das ich im September zusammen mit einer Freundin besucht habe. Der vermeintliche Haken bei der Sache: Bei der Anmeldung vor einigen Monaten fühlte ich mich zwar auf der Yogamatte heimisch, im Pferdesattel hingegen gar nicht. Ich konnte nämlich gar nicht reiten. Aber es gibt ja so gut wie nichts, was man nicht lernen kann.

Die Vorbereitung

Weil ich meine Zuhörer:innen nicht sechs Minuten lang mit meinen Urlaubsfotos unterhalten wollte, wählte ich für meinen Vortrag eine höhere Flughöhe. Ich näherte mich über die Fragen: Was bedeutet es eigentlich zu lernen? Welches Bewusstsein braucht man dafür? Zusammen mit meinen eigenen Erfahrungen war mir dann sehr schnell klar: Ich möchte über Mittelmäßigkeit sprechen und darüber, was dieser Begriff mit dem Lernen und mit Mut zu tun hat. Der Zusammenhang ist klar, wenn man ihn erstmal sieht: In keiner anderen Situation als beim Lernen muss man sich seiner eigenen Mittelmäßigkeit bewusst sein. Keine andere Situation erfordert mehr Mut, sich auf etwas einzulassen, von dem man weiß: Darin habe ich entweder nur wenige Erfahrungen oder ich bin völlig blank.

Die Storyline

Für den Vortrag habe ich mir zunächst eine Storyline überlegt: Wie steige ich ein? Welchen roten Faden verfolge ich? Ab welchem Punkt hebe ich das Thema von einer persönlichen auf eine allgemeinere Ebene? Wie formuliere ich die Sätze so, dass ich sie in 20 Sekunden gut rüberbringe und dabei auch meine Zuhörer:innen mitnehme?

Ich musste mehrmals von vorne und auf dem weißen Blatt denken. Dabei habe ich nebenbei das „PechaKucha_Vortrag_v1“ bis „PechaKucha_Vortrag_v2_final_final“ Spiel eröffnet. Irgendwann war ich soweit und sprach meinen eigenen Vortrag durch, um auch auf diesem Weg wieder zu merken: Hier passt es schon gut, an anderer Stelle ist die Story noch nicht rund. Und ehe ich mich versah, handelte nicht nur mein Pecha-Kucha-Vortrag über das Lernen und die Mittelmäßigkeit, er war auch selbst, in Real Life eine Reise mit Lernkurve. Denn nichts anderes tat ich in der Vorbereitung: lernen.

Der Vortrag

Die finale Präsentation habe ich dann beim besagten 30unter30 Kick-Off in Karlsruhe gehalten. Ich war davor sehr aufgeregt, denn ab Präsentationsmodus lief der Timer, die Folien würden sich automatisch wechseln. Drei, zwei, eins, Präsentationsmodus an … und Überraschung: Die sechs Minuten und vierzig Sekunden vergingen wie im Flug. War ja gar nicht so schlimm, dachte ich. Und außerdem: Das hat ja richtig Spaß gemacht!

Zusammen mit den Vorträgen meiner Mitstreiter:innen hat mich diese Pecha-Kucha-Session sehr energiegeladen zurückgelassen. Und vor allem auch: Beeindruckt davon, welche Themen sich in der kurzen Zeit doch sehr stringent und erkenntnisreich vermitteln lassen.  

Meine Lessons Learned

Nach meiner Pecha-Kucha-Reise bin ich um einige Erfahrungen reicher. Für den nächsten Vortrag wäre ich also gewappnet und würde inzwischen sogar denken „Pecha…yeah!“ Meine Lessons Learned:

  • Der Vortrag braucht Zeit. Storyline und Bildauswahl wollen durchdacht sein. Beides entsteht nicht über Nacht.
  • Bei der Storyline helfen klare Botschaften und der Fokus auf das, was am Ende vermittelt werden soll. Kein Abschweifen links und rechts.
  • So natürlich wie möglich sprechen und den Text nicht auswendig lernen, denn wenn man raus ist, ist man raus – gerade bei Aufregung.

Was ich damit künftig mache

Nach dem Vortrag ist vor dem Vortrag. Für mich ist klar, das Format hat Potenzial – auch für die Interne Kommunikation. Denn es erfüllt eigentlich alles, was wir brauchen, um komplexe Themen nachvollziehbar zu gestalten: klare Botschaften, einfache Sprache, eine durchdachte Storyline. Sicherlich ist der Pecha-Kucha-Vortrag nicht für jedes Thema geeignet – manches braucht dann doch mehr Zeit, mehr Erklärungen, Hintergrundinformationen oder einen größeren Kontext. Aber das Format kann einen ersten Impuls setzen und wirkungsvoll mit anderen Kommunikationsmaßnahmen eingesetzt werden. Zum Beispiels in diesen Szenarien:

  • als energiegeladener Opener auf einer Veranstaltung
  • als Warmup in Teammeetings oder
  • als kurze Vermittlungspräsentation, um hinterher in eine FAQ-Session einzusteigen.

Außerdem: Pecha-Kucha beschränkt sich auf das Wesentliche. Und das ist in aktuellen Zeiten wichtiger denn je. Komplexität zu reduzieren und Orientierung zu stiften, mit einfachen und nachvollziehbaren Aussagen. Bei dieser Art des Vortrags stimmt die Aussage „Bilder sagen mehr als tausend Worte“ auf jeden Fall.

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Autor: Julia Küter

Julia Küter ist Beraterin für Interne Kommunikation und Change bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Nach ihrem Studium im Bereich des Kommunikationsmanagements hat Julia Erfahrungen als wissenschaftliche Mitarbeiterin & Dozentin an der Hochschule Osnabrück gesammelt, bevor sie ihr Weg zurück in die Kommunikationsbranche und nach Düsseldorf führte. Nach einer Station als Beraterin für Marken- und Unternehmenskommunikation in einer Düsseldorfer Kommunikationsagentur ist sie zu K12 gekommen. Hier berät sie Kunden in den Bereichen der internen Kommunikation, im Change Management sowie in der Konzeption wirkungsvoller und zielgruppengerechter Kommunikationskampagnen.

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