Veränderungskommunikation

Enterprise 2.0 in der Praxis

4. Juli 2006 · von Jörg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner Funktionieren Wikis, Blogs und Social Bookmarking in der unternehmensinternen Praxis? Mehrere Beispiele scheinen diese Frage zu bejahen:

  • Im Socialtext-Blog wird beschrieben, wie die Dresdner Kleinwort Wasserstein Socialtext als internes Wiki einsetzt. Hier werden drei use cases identifiziert: „Managing meetings“, „Brainstorming and publishing“ und „Creating brainstormings collaboratively“. 2500 Mitarbeiter sollen das Tool aktiv nutzen.
  • IBM gilt als einer der Vorreiter im Einsatz von Social Software im Unternehmen: Kathleen Gilroy und Bill Ives erläutern auf „MasterNewMedia“…
  • …verschiedene Einsatzbereiche von internen Blogs (Projekte, Themen, Kunden, …)
  • …wie Social Bookmarking innerhalb kurzer Zeit innerhalb IBM an Momentum gewonnen hat (50.000 Bookmarks in kurzer Zeit)
  • …wie Wikis und MashUps auch jenseits von knowledge management eingesetzt werden.
Verwandte Beiträge dazu: >>Unternehmensinternes Web 2.0? (2) >>Enterprise 2.0 – Stand der Dinge

Netzwerkkommunikationen im Internet (und in Organisationen). Interview mit Steffen Büffel (media ocean)

26. Juni 2006 · von Jörg Hoewner · 8 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Steffen Bueffel

Steffen Büffel (Jahrgang 1975) ist Medienwissenschaftler an der Universität Trier und arbeitet neben seiner Lehrtätigkeit an seinem Dissertationsprojekt „Netzwerkkommunikationen im Internet. Soziale und diskursive Strukturen in der Weblog-Kommunikation“.

Daneben betreibt Steffen sein hervorragendes Weblog media ocean (zu eben jenen Themen) und beschäftigt sich mit Weblog-Strategien von Verlagen.
Ich habe Steffen beim EUROBLOG2006-Symposium in Stuttgart kennengelernt, wo er über die Weblog-Strategie bei der Zeitung Trierischer Volksfreund referiert hat (hier der Vortrag als PDF, 6MB).

Im Interview berichtet er über Netzwerkkommunikation, innovativen Ansätzen in der Lehre und was man daraus für die Unternehmens- und organisationsinterne Kommunikation lernen könnte.

Steffen, für die, die noch nie auf “media ocean” waren, kannst Du ein paar Takte zu Dir sagen?

Ich empfehle einfach allen, die noch nie auf meinem Weblog waren, das bald und oft nachzuholen. media ocean habe ich 1999 ins Leben gerufen, in der heutigen Form gibt es das Blog aber erst seit 2005. Davor habe ich damit als Gruppenblog in meinen Uniseminaren experimentiert. Auf media ocean blogge ich vor allem zu medienbezogenen Themen und nutze es zur „Selbstvermarktung“. Meine Publikations- und Vortragstätigkeiten sind dort ebenso zu finden, wie meine Erfahrungen in der Hochschullehre und mein Lebenslauf. Kurzum: auf media ocean lernt man den beruflich-professionellen Teil von mir kennen.

Du sagst, Du befasst Dich in Deiner Doktorarbeit über Netzwerkkommunikation im Internet: Was genau versteht man unter “Netzwerkkommunikation”? Und was interessiert Dich genau an dem Thema?

Ich begreife das Internet als Netzwerkmedium, denn die Netzwerkmethaphorik ist das Leitmotif, das sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen zeigt: Auf Ebene der Technik, die eine dezentrale und vernetzte Infrastruktur über den Erdball zieht, über Hypertext bei der Strukturierung von Inhalten und natürlich auf der Ebene der sozialen Vernetzung, um mal ein paar der Vernetzungsdimensionen zu nennen. Im Netzwerkmedium findet konsequenterweise auch Kommunikation in zunehmendem Masse vernetzt statt. Web 2.0 und Social Software haben da ja interessante Beispiele hervorgebracht. Insbesondere die Weblog-Kommunikation betrachte ich als paradigmatischen Fall dessen, was ich unter Netzwerkkommunikation verstehe. Vor allem interessiert mich, wie und warum dezentral organisierte Kommunikation in einem Netzwerk funktioniert, welche Dynamiken sich dabei zeigen und wie sich darin auch Vergemeinschaftungsprozesse zeigen. Ohne Netzwerkkommunikation gäbe es beispielsweise keine Blogosphäre.

Wenn Du Dir Deine Forschungsergebnisse anschaust: Wo warst Du wirklich überrascht? Hattest Du irgendwo einen “Wow-Effekt”?

Wäre ich Naturwissenschaftler und würde nach der Weltformel suchen, dann hätte ich eher die Chance grundlegend und markerschütternd überrascht zu werden. 😉 Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Computern, mit dem Web seit über 10, so dass das meiste für mich in einer relativ natürlichen Abfolge der Medienevolution und der Weiterentwicklung von Kommunikationsformen steht. Es ist demnach weniger der Wow-Effekt, sondern für mich vielmehr die Beobachtung von Faszination. Diese besteht für mich darin als Wissenschaftler ganz nah an der Praxis sein zu können, etwas zu beforschen, was in zunehmendem Maße für die Gesellschaft an Relevanz gewonnen hat und weiter gewinnt. In der Lehre und bei Weiterbildungsveranstaltungen hoffe ich aber Wow- bzw. Aha-Effekte bei den jeweiligen Zuhörern auszulösen. Gerade Journalisten können, sollten und müssen in Sachen Web noch einiges dazulernen.

Wenn Du Dir mal mein Thema anschaust (Unternehmenskommunikation / PR), was bedeuten Deine Erkenntnisse für dieses Thema?

Nunja, ich habe es ja in meiner vorherigen Antwort geschickt verstanden, nichts aus meiner fast fertigen Doktorarbeit zu verraten. 😉 Um dennoch eine Antwort auf Deine Frage zu geben, kann ich nur betonen, dass Unternehmen einen Fehler machen würden, wenn sie sich auf das sich wandelnde Mediennutzungs- und Kommunikationsverhalten ihrer Zielgruppen nicht eingehen. Es setzt halt voraus, dass man sich in den Unternehmen die klassischen Formen der Unternehmens- und PR-Kommunikation in Richtung der neuen vernetzten Formen im Web zu öffnen. Zwar wird die klassischen Formen weiterhin gefragt sein, aber wenn attraktive Zielgruppen mehrheitlich im Web selbst publizieren und sich informieren, sollte man durch entsprechende Strategien diesen erstarkenden „Markt“ bedienen. Dann aber bitte nicht mit den alten Startegien 1:1 ins Web übersetzt, denn das geht 100% in die Hose.

Wie hat sich aus Deiner Sicht die Lehre an der Uni durch das Internet und durch Social Software verändert?

Veränderung passiert nur durch das Engegament von Menschen, im Falle der Universitäten das Engagement der Lehrenden. Diese müssen es zum einen verstehen die Studierenden zu begeistern, zum anderen gilt es die neuen Möglichkeiten von beispielsweise Social Software intelligent und kompetent in die Lehre einzubauen. Ich selbst habe in den vergangenen fünf Jahren neue Konzepte entwickelt, wie man Blended-Learning, also die Kombination von klassischer Präsenzlehre und Lehren/ Lernen mit neuen Medien, sinnvoll kombinieren kann. Im vergangenen Wintersemester habe ich beispielsweise in einem Kurs zum Netzwerkmedium Internet die Studierenden jeweils ein eigenes Weblog betreiben lassen, es gab Chatsitzungen mit externen Experten, die Sprechstunde wurde über Instant Messaging realisiert und gemeinsam haben wir das net-wiki.de entwickelt. Das Involvement und die Motivation der Studierenden war deutlich höher als in anderen Kursen, so dass ich jetzt im Sommersemester das Projekt weiterführen kann.

Lässt sich daraus allgemein was ableiten hinsichtlich organisationsinterner Kommunikation, z.B. in Behörden, Unternehmen, Unis, etc.?

Ich sehe es so, dass webbasierte und medial-vermittelte Formen der Kommunikation klassische Organisations- und Kommunikationsstrukturen aufbrechen und ergänzen werden. Dazu brauchen die Beteiligten Grundlagen und Kompetenzen, um die neuen Möglichkeiten auch effektiv für sich nutzbar zu machen. Grundvoraussetzung ist dabei der Wille Dinge, ausserhalb der gewohnten und gelernten Betrachtungsweisen anzugehen.

Wenn Du zurückschaust, wie hat sich Deine Internetnutzung in den letzten 5 Jahren geändert?

Ich dreh’s mal um: Die Internetnutzung hat meine sonstige Mediennutzung stark verändert. Ich informiere mich breiter als vorher über die Onlineangebote klassischer Medien und in Blogs. Fernseh- und Radiogerät sucht man in meiner Wohnung vergeblich. Der Computer und das Web sind zur zentralen Schaltstelle geworden. Ohne Internet könnte ich inzwischen nur noch schwer leben. Sollte mich das nachdenklich machen???

Mir geht es ähnlich. Gleichwohl habe ich noch einen Fernseher (wenn der kaputt geht, wird allerdings kein neuer angeschafft) und höre Radio im Auto.

Und wie wird die Nutzung des Internets Deiner Meinung nach in 5 Jahren aussehen?

Für eine breitere Masse so, wie sie für mich jetzt schon aussieht und für mich wohl so, dass ich zusätzlich zu meinem stationären Internetzugang ein all-in-one Mobilgerät in Smartphone-Format nutzen werde, mobile Flatrate mit lückenlosem Zugang in ganz Deutschland zu einem vernüftigem Preis inklusive. Das, was derzeit weitestgehend noch als Vision im Zusammenhang mit Web 2.0 propagiert wird, wird in 5 Jahren Realität sein: Das Web als Plattform, Office-Anwendungen in Echtzeit onlinebasiert nutzbar, das persönliche Multimedia-Archiv überall abrufbar, Videoconferencing, Navigationssystem in Kombination mit Google-Mashups, intelligente Social- and Geographical Awareness-Anwendungen.

Du wirst Ende des Jahres mit der Arbeit fertig sein, wo möchtest Du Dein Wissen am liebsten anwenden?

Gerne weiterhin an der Uni, aber ich glaube, dass ich so breit aufgestellt bin, dass ich auch in Onlineagenturen mein Knowhow einbringen kann. Konzepte entwickelt, angewandte Usability-Forschung, E-Learning-Strategien, Web 2.0 und Social Software in Unternehmen, Behörden etc. Alles kein Problem. 🙂

Steffen, danke für Deine Einsichten und Ansichten! Und ich bin gespannt auf Deine Arbeitsergebnisse!

Die Fragen stellte Jörg Hoewner.

Digitale Identität

20. Juni 2006 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar

Autor: Jörg Hoewner

Sehr tiefgründig – so würde ich den Thesenartikel („Thesenpapier“ kann ich ja schlecht schreiben) von Elysabeth Albrycht zum Wesen der „Digital Identity“ beschreiben, den sie schon vor einigen Wochen in ihrem Blog „CorporatePR“ veröffentlicht hat.

Darin geht es darum, wie das Wesen von persönlichen Identitäten an sich sich durch Online-Identitäten ändern (z.B. hin zum „dispersen Ich“), aber auch darum, wie diese über das Netz auffindbar und letzlich beobachtbar werden.

Der Artikel bietet einen Ausgangspunkt zu interessanten Überlegungen. So regt in einem Kommentar zum Artikel David Phillips an darüber nachzudenken, was es heisst, das Konzept der „Digital Identity“ auf Organisationen zu übertragen:

„Transposing this thinking from the personal to the organisational is a good mind game. The extent to which the ‚real‘ organisation is disembodied from the ‚online‘ organisation is interesting. Most people know organisations as a cyber organisation. That is what they see from the web site and the aura of digital comment. These are different entities. Then we might see that as for a person, even more so for an organisations the ingress of digital into the real entity. Will this create a convergence of values? If not and to what extent can the corporate entity survive and prosper?

My view is that without convergent values organisations cannot prosper is this also true of individuals?“

Eine andere interessante Frage ist, inwieweit digitale Identitäten von Mitarbeitern innerhalb von Unternehmen die Wahrnehmung dieser Mitarbeiter durch Kollegen verändern, wenn diese über Abteilungsgrenzen hinaus sichtbarer sind, weil sie sich in Foren, Wikis, Employee blogs, etc. engagieren? Steigert das ihren Einfluss? Macht es sie angreifbarer, weil sie mehr Angriffsfläche bilden, weil sie beobachtbarer sind? Wie beeinflussen „Internet Identities“ die „Intranet Identities“? Wie und in welchem Umfang?

Und inwieweit beeinflusst die Beobachtbarkeit Authentizität? Natürlich bin ich – wenn ich hier schreibe – authentisch. Aber ich spiele hier meine Rolle als nachdenklicher Kommunikationsexperte (wir spielen nach Erving Goffman alle Theater) und lasse eventuelle professionellen Schwächen (bestimmt gibt es welche… 😉 ) außen vor. Wie lässt sich der Medieneinfluss hier festmachen?

Verwandte Beiträge dazu:
>>Reputationssysteme und Web 2.0 / Reputationsmessung on line

Enterprise 2.0 – Stand der Dinge

14. Juni 2006 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

Andrew McAfee beschreibt den aktuellen Stand der Diskussion um Enterprise 2.0 in seinem Post „Enterprise 2.0: The State of the Meme“. Die Erkenntnisse:

  • Enterprise 2.0 nimmt keine Rücksicht auf Hierarchien oder Grenzen innerhalb eines Unternehmens – jeder hat Zugriff
  • Die Entwicklungen werden von allen Beteiligten – CEOs, CIOs, Nutzer – willkommen geheißen. Der meiste Wiederstand kommt aus den mittleren Ebenen.
  • Die Akzeptanz ist gross, weil die Anwendungen einfach zu handhaben sind
  • Offen ist die Diskussion darüber, ob es bei Enterprise 2.0 um die Infrastruktur geht oder um neue „Modi der Zusammenarbeit“ – die meisten tendieren wohl zu letzterer Einschätzung.

Dazu einige (kritische?) Fragen:

  • Gibt es empirische Belege für diese Erkenntnisse? Insbesondere zum Hierarchie-Thema. Ich weiss, entsprechende Studien gibt es zum Effekt von E-mail-Nutzung innerhalb von Unternehmen – aber gibt es das auch zu internen Blogs, Wikis und co? Oder ist das bisher nicht mehr als ein optimistisches Bauchgefühl?
  • Welche Konsequenzen hätte ein solcher Paradigmenwandel? Sind Unternehmen reif dafür? Können neue Technologien hier als Beschleuniger wirken? Was bedeutet es, wenn die mittleren Managementebenen weiter entmachtet werden? Ist das wirklich wünschenswert?


Verwandte Beiträge dazu:
>>
Unternehmensinternes Web 2.0? (2)
>>Unternehmensinternes Web 2.0?

Worte sagen mehr … die erste sprechende Anzeige erblickt das Licht der Welt.

12. Juni 2006 · von Frederik Bernard · 1 Minute Lesedauer · 1 Kommentar

Autor: Frederik Bernard | FBKB

Klassische Kommunikation mal ganz anders: Die Londoner Agentur J. Walter Thompson (JWT) hat zur Kommunikation der Vorteile von Radiowerbung eine Anzeige geschaltet, die beim Aufblättern der Doppelseite im Magazin einen kurzen Spruch sowie die Kontakt-Web-Adresse dem Nutzer zuruft. Wie das funktioniert? Die gesamte Technik wurde auf einen extrem kleinen und ultraflachen Chip gebannt und in das Magazin eingearbeitet. Der Clou: Die eigentliche Doppelseite ist – gähnend leer und weiß.