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K12 Lunch Sessions: Warum wir regelmäßig über Mental Health sprechen

20. November 2023 · von Verena Waldbröl · Keine Kommentare

Seit zwei Jahren heißt es bei K12 regelmäßig: Mittagessen meets Mental Health. Dann kommen wir virtuell zur Lunch Session zusammen und besprechen Themen wie Konfliktmanagement, Stress erkennen und bewältigen, Warnsignale wahrnehmen und viele weitere. Moderator:innen und Impulsgeber:innen sind in dieser Stunde die Mitarbeitenden von NAP! Die Mission der jungen Mental Health Beratung ist es, mentale Gesundheit in Unternehmen langfristig zu stärken – durch bedürfnisorientierte, niedrigschwellige, langfristig ausgelegte und nahbare Angebote.

Fee Kalter moderiert oft unsere Lunch Sessions. Die Psychologin und KOP-Therapeutin (KOP steht für Klärungsorientierte Psychotherapie) hat NAP! Gemeinsam mit ihrem Mann Matthes gegründet. Wie sie sind die meisten im Team Psycholog:innen oder Psychotherapeut:innen, alle haben mehrere therapeutische und beraterische Weiterbildungen absolviert.

Wichtigste Frage: Wofür steht NAP!?

Fee Kalter: Darauf gibt es zwei Antworten. Zum einen ist der (Power)NAP! eine kleine, bedürfnisorientierte Intervention, um (mental) fit und leistungsfähiger zu werden. Zum anderen ist das die Abkürzung für „Not a Psycho“, was – gern provokant – zur Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen beitragen soll.

Mentale Gesundheit ist doch für die meisten ein intimes Thema. Gehört das wirklich ins Unternehmen?

Fee Kalter: Wir verbringen so viel Zeit am Arbeitsplatz, natürlich gehört mentale Gesundheit auch hierher. Das ist nichts, was ich in meine Freizeit verschieben kann, zumal „die Arbeit“ einer der Risikofaktoren für psychische Erkrankungen ist. Das hat auch der Gesetzgeber erkannt und mit dem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) vorgeschrieben, dass Arbeitgeber ihre Mitarbeitenden dabei unterstützen müssen, gesund zu bleiben. Das BGM besteht aus drei Säulen, von denen der betriebliche Arbeitsschutz und das betriebliche Eingliederungsmanagement verpflichtend sind, während die betriebliche Gesundheitsförderung zwar freiwillig, aber empfohlen ist. Dazu gehört auch die psychische Gesundheit. Im Arbeitsschutzgesetz steht beispielsweise, dass alle Arbeitsplätze auf potenzielle psychische und physische Gefährdungen untersucht werden müssen (Gefährdungsanalyse), unabhängig von der Betriebsgröße und Anzahl der Mitarbeitenden.

Wie können Unternehmen die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeitenden fördern?

Fee Kalter: Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema befasst, muss nicht gleich alles umkrempeln. Im ersten Schritt gilt es, für das Thema zu sensibilisieren, zum Beispiel durch einen Gesundheitstag. Ein zweiter Schritt könnten regelmäßige Vorträge zu Gesundheitsthemen sein. Wir begleiten Unternehmen vor allem bei der Kommunikation und beim Teambuilding. Wichtig sind zwei Dinge: Erstens, die Geschäftsführung und die Führungskräfte müssen mitziehen. Sie müssen immer wieder auf die Angebote hinweisen und wertschätzend ins Gespräch gehen. Zweitens, alle Maßnahmen müssen langfristig angelegt sein.

Warum ist das so wichtig?

Fee Kalter: Wir alle erleben Höhen und Tiefen. Im stressigen Alltag übersehen wir dann plötzlich doch wieder die Warnsignale. Ein kontinuierliches Mental Health Management – sich immer wieder daran erinnern, sensibilisiert werden, neues Wissen bekommen – unterstützt in unterschiedlichen Lebenssituationen.

Gesundheitstag, Vorträge … was gibt’s noch für Möglichkeiten?

Fee Kalter: Zum Beispiel unsere Mental-Health-Awareness-Weiterbildung: Hier lernen Laien viel über psychische Erkrankungen, Warnsignale, eine einfühlsame Kommunikation mit Betroffenen, Erste Hilfe bei Panikattacken usw., aber auch über Anlaufstellen. Sinnvoll ist außerdem ganz viel in Richtung Führungskräfteentwicklung und Kommunikation. Wir unterteilen unsere Angebote in vier Bausteine: Impulsvorträge und Keynotes, Teamworkshops, Einzelgespräche und Entspannungseinheiten, bieten aber auch Info-Videos, Podcast, Blogartikel, Online-Kurse usw. an.

Hast du bemerkt, ob und wie sich das Bewusstsein für Mental-Health-Themen bei Unternehmen in den vergangenen Jahren geändert hat?

Fee Kalter: Es gibt ein höheres Bewusstsein. Corona war ein Beschleuniger, ebenso wie andere globale Ereignisse. Die Arbeitsbedingungen haben sich verändert. Aber das Thema steckt immer noch in den Kinderschuhen. Man muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass sich die Wirkung vieler Maßnahmen erst im Laufe der Jahre entfaltet. Leider schreiben sich viele „Mental Health“ auf die Fahnen und betreiben dann „Mental Health Washing“, halten also weniger ein als sie versprechen.

Du erwähnst Corona, hinzu kommen Ukraine, Klima, Israel – hast du einen Ad-hoc-Tipp, um gesund mit dem Dauerkrisenmodus umzugehen?

Fee Kalter: Selbstfürsorge. Immer wieder in sich reinhören, was einem gut tut und wie viel man heute leisten kann. Das kann bedeuten, den Nachrichtenkonsum zu reduzieren, oder mehr mit anderen darüber zu sprechen. Wir fühlen uns oft macht- und hilflos. Ein Gefühl der Kontrolle für sich selbst zurückzubekommen, kann dazu beitragen, dieser erlebten Hilflosigkeit zu entkommen – sei es durch Spenden, Demonstrieren oder Engagieren. Und: Man darf sich Überforderung auch zugestehen.

Wie viel können solche Maßnahmen und vor allem auch eure Angebote letztendlich bewirken?

Fee Kalter: Studien zeigen, dass die Nutzung von Gesundheitsangeboten – vor allem bei mentaler Gesundheit – dazu führt, dass Mitarbeitende sich gesünder und wohler fühlen, und dass sie schneller persönliche Warnsignale erkennen. Dadurch gibt es weniger Fluktuation sowie seltenere und kürzere Krankheitsphasen. Die Mitarbeitenden sind grundsätzlich leistungsfähiger und resilienter. Gleichzeitig gibt es eindeutige Belege dafür, dass eine schlechte psychische Gesundheit – meist gemessen als Depression und/oder Angst – mit Produktivitätsverlusten und Fehlzeiten verbunden ist. Wir gehen einfach in ganz kleinen Schritten voran und haben einen langen Atem. Ich bin Systemikerin durch und durch, deshalb bin ich davon überzeugt: Egal, wo wir ansetzen, nach und nach wird sich das große Ganze in den Unternehmen verändern!

Autor: Verena Waldbröl

Verena Waldbröl ist Redakteurin bei K12 – Agentur für Kommunikation und Innovation in Düsseldorf. Ob Interne oder Externe Kommunikation, Change Kommunikation oder Social Media – schöne Worte findet sie für alles. Am liebsten aber weckt sie bei den KollegInnen die Lust am kreativen Schreiben.

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