Buchtipps: Chesbrough: „Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology“ und Chesbrough, Vanhaverbeke, West: „Open Innovation: Researching a New Paradigm“
20. April 2010 · von Joerg Hoewner · 4 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare
Die Forderung nach Innovationen scheint in unserer modernen Gesellschaft ubiquitär zu sein, da diese als konstitutiver Faktor für wirtschaftlichen Erfolg und die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen gelten. Besonders auch das Open Innovation-Konzept hat im Zug der Diskussion um innovative Wertschöpfung einen wichtigen Stellenwert erhalten. Chesbrough, der als Begründer dieses Theorems gilt, stellt dieses in seinem Werk „Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology“ ausführlich dar. Zunächst beschreibt er die Notwendigkeit der Entwicklung von einem geschlossenen zu einem offenen Innovationsprozess. Bedeutend ist dabei, vor allem im Vergleich zu anderen Open Innovation-Ansätzen, die Wichtigkeit eines zentralen, zugrunde liegenden Business Models. Zudem sind alle externen Akteure potentielle Innovationstreiber, es erfolgt keine Beschränkung auf spezielle Stakeholder-Segmente (wie z.B. lediglich die Kunden). Weiterhin wird die gewinnbringende Umsetzung von Ideen auch außerhalb des eigenen Unternehmens oder gar Sektors thematisiert. Zusammenfassend illustriert Chesbrough eingängig und detailreich die Grundlagen, Entstehung, Notwendigkeit und praktische Anmutung (case studies) von Open Innovation-Konzepten und ihre Bedeutung für die Wertschöpfungsaktivitäten von Unternehmen. Diese Lektüre sollte unverzichtbar nicht nur für Manager, Beteiligte an Innovationsprozessen und aufstrebende Führungskräfte sein, sondern für alle, die einen tieferen Einblick in den Wandel von Innovationsprozessen, dessen Implikationen und Konsequenzen erreichen wollen. Aus dem Inhaltsverzeichnis: 1. Xerox, PARC, and the Limits to Internal Innovation 2. The Closed Innovation Paradigm 3. The Open Innovation Paradigm 4. The Business Model – A Focusing Device for Internal and External Innovation 5. From Closed to Open Innovation: The Transformation of the IBM Corporation 6. Open Innovation at Intel 7. Creating New Ventures out of Internal Technologies: Lucent and Its New Ventures Group 8. Business Models and Managing Intellectual Property 9. What Do I Do Monday Morning? 10. Open Innovation and Public Policy
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Weitere InformationenEbenfalls essentiell für die theoretische und praktische Auseinandersetzung mit Open Innovation-Ansätzen ist das von Chesbrough, Vanhaverbeke und West herausgegebene Werk „Open Innovation: Researching a New Paradigm“. In diesem wird Open Innovation nicht nur genau untersucht, im Vordergrund steht auch die Verbindung zwischen beobachtbarer Innovationspraxis, bestehender Forschung und Theoriebildung. Neben Fragen der Anwendbarkeit, des Nutzens, der Potentiale und der Grenzen gilt es auch, für Unternehmen bedeutende Fragen nach praktischen Folgen für den Organisationsablauf und den Umgang mit intellektuellen Schutzrechten zu klären. Beleuchtet werden zudem Elemente der Open Innovation in der Open Source-Praxis sowie mögliche Nutzen universitärer Forschung für Unternehmensinnovationen. Systematisch betont wird zudem die Bedeutung von Netzwerken für Open Innovation-Konzepte sowie dessen interorganisationaler Kontext. Im letzten Teil zeigen die Autoren den Bedarf an weiterer Forschung und relevante künftig zu klärende Fragen im Hinblick auf Open Innovation auf. Besonders interessant ist die in diesem Werk stärker betonte Verbindung zwischen Praxis, Forschung und Theorie. Zusätzlich werden bereits aufgegriffene Konzepte und Probleme weiter vertieft. Grundsätzlich ist es für alle Beteiligten am Innovationsprozess, für Manager, Studierende und Interessierte ein sehr empfehlenswertes Buch. Insgesamt empfiehlt es sich sehr als Lektüre, sofern die Grundbausteine und –begriffe des Konzepts und seine Entwicklung (siehe: „Open Innovation: The New Imperative for Creating and Profiting from Technology“) bekannt sind. Aus dem Inhaltsverzeichnis:
- Open Innovation: A New Paradigm for Understanding Industrial Innovation (Chesbrough)
- Part I: Firms Implementing Open Innovation
- Part II: Institutions Governing Open Innovation
- Part III: Networks Shaping Open Innovation
- Part IV: Conclusion
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Weitere InformationenBuchtipp: „Wikimanagement“ von Ayelt Komus und Franziska Wauch
31. März 2010 · von Joerg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Untertitel: „Was Unternehmen von Social Software und Web 2.0 lernen können“
Kurzverdikt: Lesenswert
Dieses Buch gliedert sich in drei Teile. Im ersten Teil geht es um die Phänomene, die das Web 2.0 ausmachen. Neben der obligatorischen Darstellung unterschiedlicher Plattform-Arten, geht es schwerpunktmässig um Wikipedia und die dahinter liegenden Prinzipien. Zum Beispiel um die Funktionsweisen, Machtstrukturen, um Regen und die Themen Qualität, Vandalimus und Missbrauch.
Im zweiten Teil werden Organisationsansätze aus den Managementwissenschaften denen aus Wikipedia entgegengestellt und versucht, Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. Die Bandbreite der Organisationsansätze reicht dabei vom Tailorismus bis hin zu systemischen Ansätzen. Nicht schwer vorzustellen, dass die Gemeinsamkeiten zwischen Web 2.0 und systemischen Ansätzen eher vorhanden sind….
Im dritten Teil schliesslich geht es um die Anwendungsfelder von Social Software in Unternehmen. Zum Beispiel beim Erstellen von Dokumentationen, beim Innovationsmanagement oder bei Change Prozessen.
Insgesamt ist das Buch sehr systematisch aufgebaut und bietet einen breiten Überblick über die theoretischen Vor- und Nachteile von Social Software im Unternehmenskontext – das, was gemeinhin unter Enterprise 2.0 gefasst wird.
Aber gerade da, wo es einigermaßen praxisrelevant werden sollte, finden sich vornehmlich die häufig zu lesenden Thesen zum Thema Enterprise 2.0, die sich um Komplexe wie Offenheit, Stakeholder Engagement usw. drehen. Das ist erst einmal nicht schlimm, aber eben sehr theoretisch. Es fehlt mir auch in diesem Buch dazu an Belegen, empirischen Belegen zu den Erfolgsfaktoren von E2.0-Einsätzen. An vielen Stellen scheint mir die fachliche Diskussion schon weiter als in diesem Buch beschrieben, gerade vor dem Hintergrund konkreter Projekte, die eben nicht selten auch mal nicht funktionieren.
Trotzdem lesenswert. Ich hoffe, daher sehr auf eine überarbeitete Auflage zum Werk.
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Der Medienkonsument, das mündige Wesen?
17. März 2010 · von Carina Waldhoff · 4 Minuten Lesedauer · 3 Kommentare
Momentan gibt’s einige hochinteressante und absolut lesenswerte Beiträge, die das Verhältnis von Nachrichten-Schaffenden, -Vermarktern und -Konsumenten unter die Lupe nehmen, hinterfragen und vor allem die Rolle von Social Media für den Priorisierung und Bewertung dieser Nachrichten beleuchten.
Der Medien-Monitor bringt zum Beipiel ein sehr interessantes Interview mit Michael Kessler (bekannt u. a. aus Switch-Reloaded), der sich als Niggemeier-Fan outet und die Funktion seiner massenkompatiblen Medien-Comedy und journalistischer Formate wir „Zapp“ gegenüber stellt:
„…es gibt ja hervorragende Seiten. Wenn ich bei Niggemeier etwas Gutes entdecke, poste ich das auch im Internet und versuche so, Leute darauf hinzuweisen: Guckt Euch das auch mal an! Denn oft steckt ja letztlich viel mehr dahinter: „switch“ kann nur eine Oberfläche abdecken. Aber die Mechanismen, die dahinterstecken – das Grauen, das dahintersteckt – können natürlich nur Journalisten zum Beispiel bei „Zapp“ wirklich eingehend beleuchten und analysieren. Für die breite Masse funktioniert die Medienkritik aber natürlich – wie vieles andere auch – besser, wenn sie unterhaltsam aufgearbeitet wird.“
Thomas Knüwer reibt sich auf Indiskretion Ehrensache verwundert die Augen angesichts der behaupteten Deutungshoheit der Verlage (in diesem Fall: Christoph Keese /Axel Springer Verlag) und demonstriert ad-hoc, was grad so die Aufmacher der großen Tageszeitungen sind: PR-generierte Events, politische Befindlichkeiten, Bits & Pieces für die Rubrik „Unnützes Wissen“. Zu Recht verweist er darauf, dass im angelsächsischen Bereich Facebook mehr Menschen auf Nachrichten stößt als Google. Und die Medien dort – zumindest ist das mein Eindruck – gehen offener, smarter und kompetenter mit der Herausforderung um und definieren ihre Rolle neu, statt das tote Pferd zu peitschen. Alan Rusbridger, Guardian-Chef, sieht die Zukunft des Journalismus im Interview mit dem Standard so:
„Man muss ein Teil dieser Welt sein und sollte sie nicht ablehnen, indem man Barrieren und Mauern rund um sich aufbaut. […] Wenn man, um eine Theateraufführung zu besprechen, einzig und allein eine Kritik für die Zeitung schreibt, dann ist das eine Einbahnstraße. Diese Form des Publizierens investiert viel in die Autorität des Journalisten und verlangt von einem zu glauben, dass die Meinung des Journalisten von sich aus viel Gewicht hat. Das war die Position vieler Zeitungen bis vor fünf Jahren und bei manchen auch noch bis heute. Um es auf eine andere Weise zu sagen: Sicher haben auch viele Leser interessante Sachen zu dem Theaterstück zu sagen. Wenn wir ihnen nicht den Raum geben, das zu sagen, dann wird es jemand anderes tun. Am Ende wäre das dann der attraktivere Ort, um sich über das Theaterstück zu informieren als eine Zeitung.“
Ach ja, Auslöser für diesen Beitrag war eigentlich folgende brisante Analyse, gefunden bei den Ruhrbaronen:
Have no fear: Social Media ROI Angst
9. März 2010 · von Carina Waldhoff · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare
nur kurz ein Lesetipp, weil inhaltlich und sprachlich auf den Punkt: Dieser Artikel des Metricsman Don Bartholomew.
Buchtipp: „Web Analytics 2.0“ von Avinash Kaushik
15. Februar 2010 · von Joerg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Kurzverdikt: Sehr lesenswert.
Rosenmontage sind nicht nur zum Feiern gedacht, sondern auch und vor allem dazu, Web Analytics-Bücher zu studieren. Während in der hiesigen Altstadt menschliche Verhaltensweisen in allen Ausprägungen zu beobachten sind, war die Lektüre dieses Buches über das Messen von Online-Nutzerverhalten doch eher eine klinische und trockene (also nicht-alkoholische) Erfahrung.
Vorab: Das Suffix „2.0“ bezieht sich NICHT auf den Umgang mit Web Analytics in Zeiten von Web 2.0. Vielmehr versucht Kaushik damit zu verdeutlichen, dass das ausschliessliche Messen von „Was wird genutzt auf einer Website?“ und mit welchem Ergebnis („Conversion“) nicht mehr ausreicht und man sich vermehrt den Fragen widmen muss, „warum“ bestimmte Funktionen und Inhalte genutzt werden. Und wie Web Analytics genutzt werden kann, mehr über den Wettbewerb zu erfahren.
Obwohl sich das „2.0“ im Titel nicht auf das Web 2.0 bezieht, werden Themen wie das Messen von User generated content, von Rich Media Applications und Mobile Analytics angesprochen. Wenn auch nicht besonders tiefgehend.
Ein Highlight des Buches ist jenes Kapitel, in dem es um die Messbarkeit von Offline-und Online-Marketing geht und um Multitouch-Analyse.
Eine Resumé? Habe ich was gelernt? Ja! Ist das Buch gut geschrieben? Ja! Werden viele neue und originelle Themen angesprochen? Ja! Ist DAS das Standardwerk und man braucht kein anderes mehr? Nein! Aber man sollte es sich trotzdem kaufen, wenn man sich mit Web Analytics auseinandersetzt.
Der Autor führt ein ziemlich gutes Blog hier: http://www.kaushik.net/avinash/
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