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Umwälzung in der PR?

28. März 2006 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner Das PR-Journal verweist auf ein Interview mit David Weinberger, einem der drei Autoren des „Cluetrain-Manifest“. Im Interview, das Handelsblatt-Blogger Mario Sixtus geführt hat, spricht Weinberger unter anderem von den Veränderungen der (Online-)Medienwelt und deren Auswirkungen auf die PR. Die Kernaussagen zur PR:

„Bloggen ist das komplette Gegenteil von dem, was Public Relations einst war.“ „Das Web erzwingt Änderungen von der PR-Branche. Blogs sind nur ein Teil davon. Die Techniken und Prämissen von PR ergaben in einer vernetzten Welt noch nie Sinn. Seit etwa einhundert Jahren gehen Unternehmen — zurecht — davon aus, ihre Märkte kontrollieren zu können, indem sie nur ausgewählte Informationen veröffentlichen. Wenn man etwas über ein Produkt oder eine Dienstleistung erfahren wollte, musste man das entsprechende Unternehmen fragen und dort erhielt man nur gefiltertes Wissen. In dieser Ausgangslage fällt es Unternehmen natürlich leicht, geschliffene Botschaften zu verbreiten und zu versuchen, die Kunden zu beeinflussen. Aber man zahlt einen hohen, gesellschaftlichen Preis für solch ein Verhalten. Es ist eine entfremdende Technik, sie vertreibt Manschen. Sie distanziert Menschen von Unternehmen und ihren Produkten, denn niemand mag es, diese simplifizierten Ideen zu empfangen, von denen jeder weiß, dass sie nicht realistisch sind. Deswegen versuchen Werbeleute uns diese Botschaften überall aufzuzwingen.“

Zwangsläufig drängen sich bei der Lektüre noch unbeantwortete (und eigentlich unbeantwortbare, da spekulative) Fragen auf:

  • Warum sind die meisten PR-Organisationen immer noch relativ erfolgreich (vor allem Agenturen)?
  • Wie lange werden sie das bleiben? Oder gibt es Parallelen zur Entwicklung in der Werbung, wo in der Tat eine Erosion zu verzeichnen ist?
  • Steht nicht der Beweis, dass das Web einem deutschen Unternehmen richtig Schwierigkeiten bereiten kann, immer noch aus (War der Schaden für Jamba wirklich so nachhaltig?)? Hier fehlt einfach noch ein Ereignis, dass wirklich prominent / wachrüttelt und nicht nur vor allem in den USA stattgefunden hätte.
  • Woran erkennt man den richtigen Weg?…

Oje… Bei der letzten Frage wurde ich sehr müde… Und morgen bin ich auf der Musikmesse und kann nicht weiterschreiben… Ich höre Stimmen. Das Bett ruft. PS: Das komplette Interview als MP3 lässt sich ebenfalls vom Blog downloaden.

Bedenken gegen Google Analytics

25. März 2006 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

In der aktuellen c´t (7/2006, S. 192) schreibt Joerg Heidrich über die datenschutzrechtlichen Komplikationen, die beim Einsatz von Google Analytics als Controlling-Tool entstehen können. Neben der Speicherung von IP-Daten, die rechtlich als personenbezogene Daten gelten, sei vor allem problematisch, dass die Daten in den USA gespeichert würden, wo diese personenbezogene Daten unbegrenzt gespeichert und der weitere Umgang damit lockerer gehandhabt würde als im EU-Raum.

Der Einsatz könnte für Unternehmen etc. damit problematisch sein, so dass vom Einsatz in der jetzigen Form abgeraten wird.

Kommentar von mir: In der Tat scheint mir die Übertragung von Daten in die USA problematisch, auch vor dem Hintergrund, dass Google über diverse andere Tools noch weitere Nutzungsdaten sammelt und somit aus meiner Sicht besorgniserregend viel Nutzerwissen akkumuliert.

Auf der anderen Seite ist die rechtliche Einschätzung der IP-Daten als personenbezogen praxisfern: IP-Adressen sind für controlling-treibende anonym, nur zusammen mit den Zugangsdaten der Provider liessen sich daraus personenbezogene Daten stricken – und auf die hat niemand ausser der Staat Zugriff.
Und man dürfte bei schärferer Auslegung die Frage aufwerfen, warum man überhaupt noch als Unternehmen in Deutschland Websites hosten (betreiben) soll, wenn man nicht messen darf, was eine Site eigentlich bringt, da Visitmessungen damit unmöglich gemacht würden.
Verwandte Beiträge dazu:
>>
Google Analytics – Web Analytics

Euroblog 2006: „Public Relations and social software“ – Bericht Teil 4 Studien und Perspektiven

21. März 2006 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar

Autor: Jörg Hoewner

(Fortsetzung)

Am Samstag folgten zwei interessante Studienzusammenfassungen, eine von

Jan Schmidt, der die Blogger-Studie „Wie ich blogge?!“ vorgestellt hat. Über 4000 Blogger nahmen teil an der Umfrage, die im Oktober 2005 stattfand. Mittels eines speziellen Fragesets konnte z.B. festgestellt werden, dass unter den Bloggern besonders viele Trendsetter aktiv sind. Trendsetter sind Personen, die aufgrund ihres psychisch-sozialen Profils in Bezug auf Konsum, Verhaltensweisen und Gewohnheiten, Einstellungen anderen (Trendfollowers?) voraus sind.

Andere Erkenntnisse:

  • Persönlich-berufliche Positionierung als Motiv korreliert mit dem Alter, oder umgekehrt: persönliche Themen herrschen vor allem bei jüngeren Bloggern vor
  • Bei denen scheint es auch mehr weibliche Blogger zu geben (zahlenmässig im Verhältnis zu männlichen Bloggern 2:1). Gibt es hier Parallelen zum Tagebuchschreiben?

Jan führt sein recht bekanntes Bamblog hier.

Sarah Zielmann (Uni Münster) setzte den Studienvormittag fort mit ihrer Umfrage unter CEO-Bloggern in Deutschland, Großbritannien, Italien und Frankreich. Interessant war das neben anderem vor allem dadurch, da die Studie ein Licht darauf warf, wie Blogging in eine Corporate Kommunikationsstrategie eingebunden wird:

  • CEO Blogger finden sich vor allem bei kleineren Unternehmen. Hier scheint es eine besondere Chance zu bieten, sich und die Unternehmenskompetenzen entsprechend zu positionieren.
  • Wettbewerbs-Bashing etc. findet so gut wie nicht statt. Es werden eher allgemeine Marktbetrachtungen angestellt („Non-conflicting topics“)
  • Der einen Hälfte der CEO-Blogger sind Blog-Kommentare wurscht, der anderen Hälfte wichtig.
  • Viele berichten, dass Offline-Kommentare (Anrufe von Kollegen, Angesprochenwerden auf Konferenzen, etc.) weitaus häufiger sind als Online-Kommentare (Verhältnis 3:1). Hat mich überrascht, es zeigt auch, dass diese Blogs von der jeweiligen Branche wahrgenommen werden.
  • Viele legen mit dem Bloggen einfach mal los, das heißt eine Einbindung in eine Kommunikationsstrategie gibt es z.T. nicht.

Ansgar Zerfaß (MFG) rundete die Vortragsreihe ab, in dem er dem Thema Corporate Blogging einen theoretischen Rahmen gab: Welche Einsatzbereiche von Blogging gibt es? Welche Rolle spielen Markenpositionierung und Marktsegmentierung für den möglichen Einsatz von Blogging?

Er veranschaulichte das Thema anhand der Grafiken, die schon im Buch „Die neuen Meinungsmacher“ (hier meine Rezension) nachzuschlagen sind und die eine sehr schöne Systematisierung des Phänomens „Corporate Bloggings“ darstellen. Am besten einfach anschauen.

Weitere Infos in Ansgar Zerfaß´ Meinungsmacherblog.Ich möchte auch noch mal auf die Präsentationsdownloads hinweisen, die Vorträge lassen sich downloaden.

Weitere Ergänzung: Auch Philip Young hat nun auch seine Zusammenfassung des Symposiums online gestellt, ebenso mit einigen Links zu weiteren Summaries.

Euroblog 2006: “Public Relations and social software” – Bericht Teil 3: Präsentationen

20. März 2006 · von Jörg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

(Fortsetzung)

Die Präsentationen von Euroblog 2006 können hier heruntergeladen werden: http://www.euroblog2006.org/symposium/presentations/presentations.html

Euroblog 2006: “Public Relations and social software” – Bericht Teil 2: Case Studies

20. März 2006 · von Jörg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar

Autor: Jörg Hoewner

(Fortsetzung)

Danach gibt es weiter mit einigen Case Studies:

Michael Schuster von der Wiener Agentur „Knallgrau“ stellte das Projekt Anarctica2005.com vor. Ein sehr interessantes Projekt, das von der Bank Austria gesponsert wurde. Dabei ging es darum, dass sich der Österreicher Wolfgang Melchior zu Fuß auf dem Weg zum Südpol gemacht hat und dabei live aus den einzelnen Etappen berichtet hat. Das Besondere war, dass die Berichte über ein Satellitentelefon abgegeben wurden und dann als Podcasts abgerufen werden konnten. Fragen der Nutzer, Feedback usw. wurde ebenfalls über das Telefon an den Abenteurer übermittelt. Laptops, PDA hätten bei Temperaturen bis zu -50 Grad schlicht den Geist aufgegeben. Ein schönes Projekt. Es generierte dabei über 32.000 Visits, 150.000 Page Impressions. Ca. 25% der Abrufe kamen via RSS. Da es 186 Kommentare gab zu 44 Posts (Casts?), komme ich auf eine Kommentarrate von 0,6% gemessen an den Visits.

Simone Happ von T-Systems Multimedia Solutions in Dresden präsentierte das Projekt catablog.de, ein Corporate Blog, mit dem hauptsächlich Personen angesprochen werden sollten, die sich für E-Procurement interessieren. Im Gespräch mit Simone Happ wurde klar, dass eine transparente Unternehmenskultur und Rückendeckung durch einen CEO (oder sonstwie-Chef) mitentscheidend sein kann, wenn es darum geht, Unternehmen für das Relationship-Building zu öffnen.

Der Medienwissenschaftler Steffen Büffel ging auf Weblog-Strategien von Printverlagen ein und nahm dabei die Blog-Strategie des „Trierischen Volksfreund“ (http://blog.intrinet.de) unter die Lupe. Der „Volksfreund“
betreibt nicht nur Journalisten-Blogs, sondern bietet den Lesern einen Blog-Hosting-Service an, den bisher schon 250 Menschen aus der Region nutzen. Neben der sehr schönen Präsentation war die anschliessende Diskussion interessant, bei der um folgende Fragen ging: Lässt sich über Leser-Involvement der Trend zurückgehender Abonnenten- und Leserzahlen umkehren? Wie lässt sich damit Geld verdienen? Wie sieht überhaupt die Zukunft der Tageszeitung aus?

Steffen führt ein interessantes Blog namens „Media Ocean“.

Den Abschluss des Freitags bildete der Vortrag von Trine-Maria Kristensen (http://www.socialsquare.dk/) und Børge Kristensen (Uni Kopenhagen): Hier ging es um Blog-Usability und die Frage, ob es generell blog-spezifische Usability-Issues gibt. Hier entzündete sich geradezu eine hitzige Diskussion, ob dem so sei (ohne die Frage am Ende auflösen zu können). Für mich habe ich mitgenommen:

  • Die Akzeptanz von Blogs durch „Normalo-Internet-Nutzer“ ist noch nicht soo berauschend.
  • Ein Grund könnte (!) sein, dass viele Blogs noch sehr stark wie für Spezialisten / Nerds gemacht daherkommen: Das Thema wird nicht ganz klar, bestimmte Funktionen wie „Trackbacks“, „Permalinks“ und „RSS“ tragen nicht unbedingt zur Allgemeinverständlichkeit bei.

Und weiter geht´s dann morgen…