Veränderungskommunikation

Generation Podcast: Mach´ Dir doch Dein eigenes Radioprogramm …

4. Januar 2008 · von Frederik Bernard · 12 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar

„Der Rundfunk wäre der denkbar großartigste Kommunikationsapparat des öffentlichen Lebens, ein ungeheures Kanalsystem, das heißt, er wäre es, wenn er es verstünde, nicht nur auszusenden, sondern auch zu empfangen, also den Zuhörer nicht nur zu hören, sondern auch sprechen zu machen und ihn nicht zu isolieren, sondern ihn auch in Beziehung zu setzen. Der Hörfunk könne den Austausch, Gespräche, Debatten und Dispute ermöglichen.“

Radiotheorieen von Bertolt Brecht, 1927 – 1932 Autor: Frederik Bernard | FBKB Podcasts? Was soll das sein? Wieder so ein moderner Web-Krams, von dem alle sprechen, den aber niemand wirklich braucht? Nun, es muss ja etwas dran sein, an den digitalen Medienangeboten im Aboprinzip. ARD und ZDF haben schließlich Video-Podcasts für Tagesschau und Tagesthemen, Langenscheidt hat einen und auch die Bundeskanzlerin erklärt regelmäßig und als erste Staatslenkerin weltweit, was die große Koalition warum wie machen wird. Inzwischen gibt es nahezu 8.000 – 10.000 Podcasts alleine in Deutschland, Tendenz steigend. Podcasts, das sind im Grunde Rundfunksendungen, die völlig eigenständig und höchste einfach von jedem produziert und ins weltweite Netz gestellt werden können. So wird das Medium Rundfunk dann doch noch demokratisch – so, wie es sich Brecht in seinen Radiotheorien vor fast 100 Jahren immer gewünscht hat. Podcasts können als reine Audio-Beiträge erscheinen, als Video-Dateien und auch – eine recht neue Form von Podcasts, die aber nur konsequent ist – als besprochene, kommentierte oder mit Musik hinterlegte Präsentationen (sogenannte Chartcasts). Letztere eigenen sich insbesondere sehr gut zur Erläuterung von komplexen Sachverhalten, als Einstieg in Lernstoff (eLearning) oder als Schulungs- und Infomationsmaterial zu neuen Produkten und Services eines Unternehmens für die Mitarbeiter, Kunden oder aber Journalisten. Podcast ist ein zusammengesetzter Kunstbegriff, der – mittlerweile auch im Duden zu finden – aus den Begriffen iPod (tragbarer MP3-Player von Apple) sowie dem Begriff „Broadcasting“ (für „senden“ oder „übertragen“ von Radiosendungen) entstanden ist. Der Vorteil von Podcasts liegt in der asynchronen Produktions- und Konsumphase. So werden Podcasts staffelweise produziert (täglich, wöchentlich, monatlich, …) und bereitgestellt. Über ein sogenanntes RSS-Abo (RSS = Really Simple Syndication, ein Format zum Nachrichtenaustausch im Internet auf XML-Basis) erfährt der Abonnenement automatisch von neuen Folgen seines Abos und kann diese einfach per Knopfdruck herunterladen. Die meisten Podcasts sind kostenlos. Auch die sogenannte RSS-Funktion ist mittlerweile in den meisten Software-Produkten integriert. So unterstützen nahezu alle modernen Web-Browser einen RSS-Feed und auch immer mehr klassische Desktop- und Web-Anwendungen können RSS-Feeds interpretieren (z.B. Weblogs). Podcasts werden auf den Websites der jeweiligen Anbieter bereitgestellt und von dort aus via RSS-Feed distribuiert. Jedes Mal, wenn ein neues Podcast eingestellt wird, wird auch der RSS-Link aktualisiert. Öffnet nun ein Nutzer seinen Screen-Reader oder sein iTunes (Mediathek zur Verwaltung von Musik- und Videosdaten von Apple), werden sämtliche Abos (RSS-Links) überprüft und – falls neue Folgen eines Podcasts verfügbar sind – heruntergeladen. Die starke Verbreitung der Podcasts und damit ihren Siegeszug haben zwei zentrale Punkte begünstigt. Zum Einen können alle Podcasts kostenlos im Apple iTunes Store publiziert werden und sind damit aufindbar für die zahlreichen Nutzer des Portals – und zwar sowohl auf Windows- als auch auf Apple-Ebene (daneben gibt es aber auch noch zwhalreiche weitere Portale und Verzeichnisse für Podcasts). Zum Zweiten sind Podcasts platzsparend angelegt und können nicht nur schnell übertragen, sondern auch direkt auf dem eigenen MP3-Player gespeichert und gehört bzw. angesehen werden. Die hohe Leistungsfähigkeit der Geräte ermöglicht einen problemlosen Konsum aller Genre von Podcasts (Audio, Video, Charts). Podcasts als Gipfel der dialogorientierten, demokratischen Kommunikation im Web ermöglichen die Behandlung diverser Spezialthemen in eigenen Podcasts, die ansonsten in der breit gefächerten Medienwelt keine Berücksichtigung finden würden (da sich beispielsweise eine eigene Sendung oder aber ein Magazin zu einem Nischenthema nicht lohnen würde). Damit ermöglichen Podcasts auch eine sehr persönliche, enge Bindung über ein Nischenthema zu einer speziellen, kleinen Zielgruppe – und dass auf einem technisch sehr hohen Niveau. Die Bedeutung für die Marke und das Marketing Für Marken respektive für markenorientierte Unternehmen haben Podcasts eine seher hohe Bedeutung, bieten sie doch die Möglichkeit, ihre Produkte und Services, ihre Marken und Markenwelten erlebbar zu machen. „Mit allen Sinnen genießen“ – diesem Ziel kommt ein Video-Podcast definitiv näher als beispielsweise eine Broschüre, ein Newsletter oder eine Anzeige nach dem Gießkannenstreuprinzip. Podcasts sind näher dran, sind persönlicher, emotionaler und – Chance und Risiko zugleich – werden freiwillig konsumiert. Der Nutzer muss den Klick auf den RSS-Feed schon selber machen (und genauso schnell ist im Übrigen ein Podcast-Abo auch wieder abbestellt). Drängen sich Anzeigen oder Wurfsendungen beispielsweise dem Konsumenten auf und können nur durch Ignoranz seitens des Konsumenten gewürdigt werden, eigenen sich Podcasts nicht als Massenwerbemedium. Sie müssen gewollt und freiwillig konsumiert werden. Wem das gelingt, der wird dank der Abofunktion mit einer hohen Kundenbindung belohnt. Doch was sind die Erfolgfaktoren eines Podcasts? Nun, auch wenn Podcasts einfach und damit effizient und wirtschaftlich produziert werden können, so muss die Qualität der eines Markenherstellers entsprechen. Podcasts, insbesondere Video-Podcasts, bieten die Möglichkeit, qualitativ hochwertige Inhalte zu transportieren und diese emotional, spannend, unterhaltsam rüber zu bringen. Podcasts bieten nicht viel Reichweite (im Gegensatz zu Anzeigen oder Massenmailings), aber verfügen über eine deutlich höhere, von Emotionen und Erlebniswerten geprägte Kontaktintensität. Durch diesen Qualitätsvorteil und die inhaltlich starke Ausprägung sind Podcasts perfekt dazu geeignet, dem Kunden Produkte und Services, insbesondere bei Neueinführungen, näher zu bringen und zu erklären. Auch als Produktergänzungsinstrument lassen sich Podcasts sehr gut nutzen. So bringen diverse Magazine, so zum Beispiel auch de:bug, weitere Informationen zu Ihren Beiträgen, Langversionen von Interviews oder einfach nur die Artikel als Hörbeitrag, um diese im Auto konsumieren zu können. Durch „kultige“ Podcasts können auch Effekte des Viralmarketings angestossen werden. So schieben sich heute Jugendliche gerne Videoschnippsel per Mail oder Multimedia-SMS zu – und verbreiten damit Ihre Botschaften. Durch diese Art von erlebnisorientierten Podcasts wird die Marke begreifbar im eigentlichen Sinne. Sie ist kein fremdes Konstrukt, sie wird zum permanenten Begleiter des Konsumente, zum Freund, den man anfassen, hören und sehen kann. Ein Freund, bei dem man sich wohl fühlt. Mehr Involvment der Zielpersonen ist maximal bei großen, aber auch deutlich aufwendigeren Live-Events möglich! Die Bedeutung für die interne Kommunikation Auch in der internen Kommunikation eignen sich Podcasts sehr gut, um schnell und effizient und damit auch kostengünstig, Mitarbeiter zu informieren, Hintergrundinformationen zu neuen Produkten und Forschungsprojekten zu publizieren sowie Einführungs- und Schulungsveranstaltungen bereitzustellen. In der internen Kommunikation können Podcasts durch ein hohes Maß an Authentizität und den hohen Erlebniswert punkten. Komplexe Sachverhalte lassen sich in einer moderierten Präsentation besser erklären (und man kann auf die ansonsten üblichen Backup-Charts verzichten), erklärungsbedürftige IT-Systeme oder Maschinenbedienungen lassen sich durch Video-Podcasts „direkt am Gerät“ erläutern und vorführen. So wird das Handbuch verständlicher, praxisnäher. Eine in den vereinigten Staaten bereits recht gut durchgesetzte Nutzung des Podcasts als Dialoginstrument des CEO ist hierzulande noch nicht so verbreitet. Das dahinter stehende Konzept ist recht verständlich: So kommt – dank zahlreicher Fusionen, Umstrukturierungen und einem permaneneten Unternehmenswandel – der Unternehmensführung, allen voran dem CEO, eine immer stärkere Bedeutung zu. Er ist der Lenker des Unternehmens, der Chef-Stratege, der mit immer schnelleren Entscheidungen und kürzeren Entscheidungszeiträumen nicht nur die Geschicke des Unternehmens, sondern auch die der Mitarbeiter bestimmt. So ist es nur allzu gut nachvollziehbar, dass die Mitarbeiter wissen wollen, wo es lang geht, was die Marschrichtung ist und – warum die eine oder andere Entscheidung getroffen wurde. CEOs sind gut beraten, den regelmäßigen Dialog mit der Belegschaft zu führen. Ein Video-Podcasts ist dabei ein probates Mittel, um überzeugend, authentisch in Wort und Bild zu den Mitarbeitern zu sprechen. Interaktionselemente wie ein CEO-Forum oder ein CEO-Chat ergänzen den Podcast dann und machen ihn interaktiv. Selbstvertändlich ist aber auch, dass ein Podcast gerade auf CEO-Ebene nicht den persönlichen Kontakt zur Belegschaft ersetzt. Er kann nur ein ergänzendes Instrument sein, das aber über eine wesentliche höhere Glaubwürdigkeit und Kontaktintensität verfügt als beispielsweise der klassische „Letter from the CEO“. Unsere Bundeskanzlerin hat das mit ihrem eigenen Podcast bereits erkannt. Trittbrettfahren erlaubt:Podcast Sponsoring als Reichweitenmultiplikator Der Erlebnischarakter eines Podcasts in Verbindung mit den individuellen, ganz persönlichen Zielgruppen, lässt sich auch zur Vermarktung der eigenen Marke nutzen. Podcast-Sponsoring ist das Zauberwort in diesem Zusammenhang. Das Prinzip ist recht einfach und aus anderen Medienkooperationen bekannt: Man suche sich ein paar themen- und zielgruppenaffine Podcasts aus und buche dort entsprechende Werbezeiten, die mit eigenem Material bestückt werden. Die Werbebeiträge können als Werbeblock oder aber, was häufiger geschieht, als Intro integriert werden. Wichtig ist aber auch hierbei, die Tonailtät zu treffen. Werden die Podcasts zu kommerziell oder sind zu viele, nervige Werbeblöcke integriert, verliert das Angebot schnell die Akzeptanz der Nutzer. Setzt man seine Botschaften jedoch gekonnt und gezielt ein, lassen sich erstaunliche Reichweiten realisieren. So gibt es derzeit in vielen großen Städten, allen voran in Berlin, diverse Szene-Podcasts, die sich genauso gut nutzen lassen wie Musik-Podcasts oder Special-Interests-Podcasts (z.B. für Hundezüchtung), die eine große und vor allem qualitativ hochwertige Fangemeinde haben. Fazit: Podcasts sind effizient, einfach zu erstellen und bieten höchste Qualität und Kontaktintensität Der Konsument wird zum Macher, der Rundfunk zum demokaritschen Mitmach-Medium, Berthold Brechts Radiotheorieen kommen zu einem späten Beweis. Podcasts ermöglichen es, die Marke erlebbar, begreifbar, bewertbar zu machen, Konsumenten umgeben sich freiwillig mit Beiträgen, wenn diese gut produziert, inhaltlich stark, authentisch sind und einen Mehrwert bieten. Nur dann werden sie das Abo akzeptieren und wollen. Nicht der Sender bestimmt, was gehört oder gesehen wird, sondern der Empfänger. Er abonniert die Podcasts – oder bestellt diese genauso schnell wieder ab. Gelingt es einem Unternehmen, seine Zielgruppen mit qualifizierten Podcasts im Abo zu binden, wird es mit einer sehr starken Kontaktintensität belohnt und erreicht präzise die Zielpersonen, die für das eigenen Unternehmen und die Marke von größter Relevanz sind. Echte Fans, begeistert, emotional involviert. Und in Verbindung mit weiteren Web-Anwendungen wie Foren, Chats, einem Weblog oder Wikis können Unternehmen in einen ganz neuen, intensiven Dialog mit ihren bestehenden oder potentiellen Kunden treten. Damit kann das persönliche, individuelle, authentische und lang angepriesene 1:1 Marketing endlich zur Realität werden.

Fundstücke rund um Netzwerkanalyse, Informationsdiffusion, Community-Identifikation und Netzwerkwachstum

12. Dezember 2007 · von Joerg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Jörg Hoewner

…zum Teil eher für die Hobby-Mathematiker von uns, aber ganz interessant:

„Wir brauchen eine neue Art des Denkens“ – Interview mit Klaus Burmeister von Z_Punkt.

3. Dezember 2007 · von Jörg Hoewner · 8 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Vor einigen Wochen habe ich mit Klaus Burmeister, dem Gründer und geschäftsführenden Gesellschafter von Z_punkt, ein Interview geführt, das auch in unserer aktuellen Publikation „Von der Spinnovation zur Sinnovation“ (zum Download geht’s hier) erscheint.

Z_punkt ist ein Beratungsunternehmen für Corporate Foresight. Letzte Woche fand deren zweite Konferenz aus dem Zyklus „Rethinking Business“ statt – wer’s verpasst hat, findet die Vorträge und Materialien (cool!) hier. Aber erstmal die Einschätzungen von Klaus Burmeister zum aktuellen Innovationsstand und-klima in Deutschland:

JH: Herr Burmeister, Sie postulieren keine neuen Trends, sondern übersetzen sie für die Wirtschaft, zum Beispiel in Ihren „15 Thesen für die Wirtschaft von morgen“. Die letzte dieser Thesen lautet: „Innovation heißt Selbstreflexion und kultureller Wandel. Wir brauchen ein Gemeinwesen, das Innovationskultur lebt – und auch das Scheitern kultiviert.“ Das klingt nach einem langen Weg für Deutschland. Sehen Sie bereits positive Ansätze?

KB: Selbstverständlich gibt es da positive Ansätze, aber wir haben da noch einen langen Weg vor uns. Sowohl in den Unternehmen, staatlichen Stellen als auch in den Universitäten ist klar geworden, dass wir uns ein einem harten Wettbewerb befinden. Entsprechend gibt es da Ansätze wie im Bildungsbereich Exzellenz-Center, Bildung von Clustern zum Beispiel im IT-Bereich in den neuen Bundesländern oder auch in NRW im Bereich Bio-Technologien, verstärkt gibt es Kooperationen in der mittelständischen Wirtschaft. Auf der anderen Seite muss man aber feststellen, dass das Thema Innovation noch viel zu eng gedacht wird, dass Konzepte wie „Open Innovation“, also die Öffnung von Unternehmen z.B. für Kunden oder Wissenschaft und andere Unternehmen, noch viel zu kurz kommen. Hoffnungsschimmer für die technologische Leistungsfähigkeit Deutschlands ist das, was sowohl wir von Z_punkt als auch DB Research in der Studie „Deutschland 2020“ als „Projektwirtschaft“ bezeichnen. Positiv ist, dass das Bewusstsein, dass weitere wichtige Schritte in Sachen Innovation anstehen, in den Unternehmen weitestgehend vorhanden ist – ich bin also verhalten optimistisch.

JH: Sie haben gerade das Thema „Open Innovation“ angesprochen – sind Sie da in Deutschland schon auf erste Beispiele gestoßen?

KB: Da wären zum Beispiel KFZ-Zulieferer wie Webasto, die gezielt Lead-User bei der Entwicklung von Produkten einbeziehen. 3M und Hilti sind weitere bekannte Beispiele für die frühzeitige Einbindung von Kunden. Mit dem Web 2.0 ergeben sich natürlich immer mehr Möglichkeiten – siehe „Spreadshirt“.

Auch im Social Commerce gibt es gute Beispiele, z.B. die Seite www.genusshandwerker.de, die den Slow-Food-Gedanken über ein ausgeklügeltes Logistik-Netz umsetzt. Hier können Lebensmittel höchster Qualität von Produzenten in mehreren europäischen Ländern in weniger als einer Woche zum Kunden geliefert werden, mit Frischegarantie. Die technologischen Möglichkeiten des Internet werden im Bereich „Open Innovation“ noch für einen gehörigen Schub sorgen. Mit Zunft AG (www.die-zunft.de) zeigt sich ein sehr interessanter Ansatz, der neben der virtuellen Vernetzung konkrete Zunftorte in Planung hat, die nicht nur LOHAS (Lifestyles of Health and Sustainability) ansprechen, sondern einen neuen Verkaufskanal eröffnen, die Creative Class aktivieren und einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten.

JH: Aus welcher Richtung können wir mehr Innovationen erwarten: Aus den großen Unternehmen oder von den KMUs?

KB: Es gibt eine Studie (Venohr 2007), die belegt, dass gut 1000 Weltmarktführer innerhalb ihrer Branchen aus dem Mittelstand kommen. Weltmarktführer kann man nur als hoch innovatives Unternehmen sein, und etwa ein Drittel der Mittelständler zählt hier zu den Vorreitern in Sachen Innovation und arbeiten unter denselben Bedingungen wie die „Großen“. In Zukunft wird es jedoch verstärkt darum gehen, neue Kooperationen und Wertschöpfungswege zu finden, um den Kunden komplette Dienstleistungen anzubieten; einzelne Unternehmen werden das immer seltener leisten können. Auf den Weltmärkten machen Kooperationen zwischen KMUs und den „Großen“ immer mehr Sinn, und die kleineren Unternehmen sind traditionell im Vorteil, wenn es um Reaktionsschnelligkeit und Anpassungsfähigkeit geht. Hier müssten allerdings die Förderbedingungen und -strukturen so angepasst werden, dass die kleineren Unternehmen schneller eine gewisse kritische Größe erreichen und stärker einbezogen werden können.

H: Welche Rolle kann Corporate Foresight in mittelständischen Unternehmen bzw. KMUs spielen? Wie weit sind mittelständische Unternehmen da heute?

KB: Wir führen dazu gerade eine Studie durch, die noch ausgewertet wird (www.openforesight.de) – soviel steht aber schon fest: Das Bewusstsein für Corporate Foresight ist auch im Mittelstand vorhanden; es fehlt allerdings noch die passende Übersetzung bzw. Anpassung an mittelständische Strukturen; auch der Ausbau von personellen Kapazitäten ist häufig nicht möglich. Es gibt aber einen großen Bedarf an Unterstützung, Hilfestellung und Lernen. Das heißt: Wie kann man Mittelständlern helfen, ihre Probleme rechtzeitig zu erkennen, neue Märkte und die Veränderung der Kundenstruktur zu erkennen, Innovationsfelder zu identifizieren… Dazu muss man Methoden finden, die auch den knapperen Ressourcen im Mittelstand gerecht werden.

JH: Welche Herausforderungen sehen Sie im Mittelstand über die Ressourcen hinaus? Woran hapert es hier aus Ihrer Sicht?

KB: Bei den Unternehmen, die an unserer Studie teilgenommen haben, kann man natürlich ein gewisses Bewusstsein voraussetzen. Bei anderen Unternehmen dieser Größe muss das häufig noch geweckt werden, ebenso wie ein Verständnis, dass eine Chance darin besteht und es sich lohnt, sich intensiver mit Kundenwünschen und neuen Technologien auseinanderzusetzen. Der wirtschaftliche Veränderungsdruck besteht ohnehin; was fehlt, sind die Tools, die für diese Unternehmen und ihre Branchen übersetzbar sind – genau daran hapert es. Wichtig ist außerdem der Blick über den Tellerrand: Mittelständler verpassen wichtige Entwicklungen, weil sie zu stark nur auf Kunden und Wettbewerber – nämlich heutige Wettbewerber – schauen.

JH: Welche Rolle spielen dabei kulturelle Faktoren?

KB: In deutschen Unternehmen sind die Geschäftsführer ganz entscheidend für die Entwicklung bis hin ins Tagesgeschäft verantwortlich. Da viele dieser Geschäftsleitungen sehr ingenieursgetrieben sind, muss man hier häufig noch stärker die Bedeutung von Kooperationen vermitteln. Andererseits bringen Geschäftsführer in mittelständischen Unternehmen ein sehr starkes Bewusstsein mit für ihre Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitern, innerhalb der Region etc. Generell sind Mittelständler natürlich auch viel reaktionsfähiger. Allerdings kann die Geschäftsführung nicht alles selbst machen und die Strukturen, um Aufgaben sinnvoll zu delegieren, fehlen häufig.

JH: Wie hängen Corporate Foresight und Innovation(smanagement) im Mittelstand zusammen? Wo sehen Sie diese Aufgaben organisatorisch zugeordnet?

KB: Angeordnet sind diese Arbeitsbereiche, wie schon erwähnt, häufig in der Geschäftsführung, darüber hinaus im Vertrieb, im Strategischen Marketing oder auch in einem Arbeitsbereich Innovation. Der gesamte Mittelstand steht vor der Herausforderung, in einer globalisierten Ökonomie ökonomisch erfolgreich zu sein. Es reicht nicht mehr, über die neueste Produktionstechnologie zu verfügen.

Was es braucht, ist eine neue Art des Denkens, die das Umfeld von Unternehmen stärker einbezieht und sich über enge Zeiträume hinaus orientiert – das wird eine strategische Kernaufgabe der Zukunft sein.“

Dieses Interview und weitere finden sich in der Publikation „Von der Spinnovation zur Sinnovation, das downgeloadet werden kann unter (PDF, 6,3MB, ca. 100 Seiten):

http://www.kommunikation-und-innovation.de

eBook zu Kommunikation und Innovation: Von der Spinnovation zur Sinnovation

13. November 2007 · von Joerg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare

Autor: Kirsten Jantke

Gegen die Verschwendung

Eigentlich klingt das mit der Innovation ganz einfach: Nur durch das Zusammenwirken vieler Köpfe entstehen Innovationen. Damit das gelingt braucht es eine leistungsstarke Kommunikation. „Haben wir“, meinen viele, „Schließlich ist bei uns keiner auf den Mund gefallen.“ Das glauben wir auch nicht. Trotzdem gelingen Kooperation, Gedankenaustausch und das Abgleichen von Wahrnehmungen und Perspektiven in Unternehmen und Organisationen oftmals nicht ausreichend. Es mangelt meistens nicht an der persönlichen Kommunikationsfähigkeit der Beteiligten, sondern an geeigneten Plattformen und Strukturen oder auch Kenntnissen über Organisationskommunikation und Systemdynamik. Manchmal fehlt nur ein kleiner Schritt zum großen Durchbruch.

Wir meinen, die meisten Unternehmen wissen gar nicht, was sie wissen und nutzen nicht alles, was sie können. Wir finden, dass hier Deutschlands wertvollste Ressourcen verschwendet werden.

Deshalb haben wir unsere Beratungserfahrungen in dem demnächst erscheinenden Buch „Von der Spinnovation zur Sinnovation“ aufgeschrieben. Darin finden sich Tipps, Rezepte und Beispiele, wie Innovationsfähigkeit und Innovationsleistung von Unternehmen und Organisationen verbessert werden können. Zur Nachahmung möchten wir herzlich einladen.

Das Buch kann schon schon downgeloadet werden unter (PDF, 6,3MB, ca. 100 Seiten):

http://www.kommunikation-und-innovation.de