Kommunikation eines IT-Projektes: Rein und raus
23. Oktober 2007 · von Joerg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner Seit einiger Zeit unterstützen wir einen Kunden kommunikativ bei der Einführung eines neuen IT-Systems für seine 13.000 Mitarbeiter. Wie man sich vorstellen kann, ist das ein aufwendiges Projekt, das voraussichtlich fünf Jahre dauern wird. Letzte Woche habe ich dem Management Team für dieses Projekt die Ergebnisse von qualitativen Interviews vorgestellt, die wir an verschiedenen Standorten mit Mitarbeiter aller Ebenen durchgeführt haben. Festgestellt haben wir u.a. grundlegende Informationsdefizite über das Projekt, die Auswirkungen auf die einzelnen, ein „gefühlter Blackbox-Effekt“ (in der Anfangsphase des Projektes – in der Analysephase – wurden Mitarbeiter zu einzelnen Prozessen befragt, dann haben sie ein halbes Jahr nichts mehr davon gehört; Kollegen wechselten zum Projektteam, etc..) und dass das mittlere Management aus verschiedenen Gründen Informationen nicht weiterträgt. Klar ist, dass hier was falsch gelaufen (bzw. zu spät) ist – wobei die aus meiner Sicht richtigen Schritte anlaufen (z.B. lokale Projektmessen, Management-Engagement-Pakete), aber eben zum Teil etwas spät. Ein Problem ist, dass gerade die wichtigen IT-Mitglieder des Projekt Management Teams Probleme haben, der Analyse zu folgen. Beobachtungen:
- In der Analysephase eines IT-Projektes und auch in den folgenden Phasen (Design, Konstruktion, Implementierung) haben die IT-Experten zu relativ vielen Menschen in der Organisation Kontakt… Aber eben meist nur zu anderen Experten. Aber daraus entsteht natürlich der Eindruck, alle wüssten über das Projekt und deren Auswirkungen schon genügend viel. Das Problem: Relativ gesehen wissen 5-10% der Mitarbeiter relativ viel, die anderen 90% kaum etwas.
- „Nicht sein kann, was nicht sein darf.“: Das Projektteam steht unter einem enormen Druck. Ein neuer Risikofaktor darf da einfach nicht sein. Nun kommt da ein Kommunikations-Hansl und erzählt, dass es ein Problem gibt…
- „Qualitative Interviews“ sind sowieso suspekt: Warum gibt es in der Auswertung nicht so schöne Kuchendiagramme und wer hat überhaupt die möglichen Antworten (vor-)ausgewählt?
Und das führt mich zum Punkt: Das Feedback von der Organisation in das Projektteam hinein ist mindestens genauso wichtig, wie die Kommunikation nach draussen. Nur, wenn die Projektmitglieder wiedergespiegelt bekommen, welche Erwartungen, Befürchtungen, Wahrnehmungen Otto-Normal-Mitarbeiter hat, entsteht eventuell die Einsicht, dass es zu informieren, transparent zu gestalten und Fragen zu beantworten gibt. Und man bekommt ja auch einiges geboten, z.B. Informationen darüber, was den Leuten wirklich wichtig ist, welche Prioritäten z.B. in dem Projekt aus Mitarbeitersicht entsprechen. Folglich ist dieses Feedbackabholen und-geben kein Einmalsprint, sondern ein Dauerlauf.
Kleine Quellenliste zum Thema „Innovation“
30. September 2007 · von Joerg Hoewner · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Wir schreiben gerade an einer Publikation zum Thema Innovation und Kommunikation, die im Herbst veröffentlicht werden wird. Für meine Beiträge darin waren die folgenden Quellen besonders nützlich (möchte ich also hiermit nicht vorenthalten):
Literatur:
James A. Schwarz (2007): The A to Z of Idea Management
Patricia B. Seybold (2006): Outside Innovation. Harper Collins.
Eric v. Hippel (2005): Democratizing Innovation. MIT Press.
angdon Morris (2006): Permanent Innovat!on. The definitive Guide to the Principles, Strategies, and Methods of Successfull Innovators. Kostenloser Download als E-book: http://www.permanentinnovation.com
Alexander Raabe (2007): Social Software im Unternehmen. Wikis und Weblogs für Wissensmanagement und Kommunikation. VDM Verlag Dr. Müller. (Wird demnächst hier rezensiert)
Everett M. Rogers (2003): Diffusion of Innovations. 5th Ed.. Free Press/ Simon&Schuster. (Rezension? Dafür brauche ich noch ein bisschen)
Blogs:
http://venture2.typepad.com/
innovation.net: Schwerpunkt sind Hilfestellungen bei der Einführung von Open Innovation.
http://mass-customization.blogs.com/
Mass Customization & Open Innovation News: Eins der führenden deutschsprachigen Blogs zum Thema „Crowdsourcing“ und Open Innovation.
http://innovateonpurpose.blogspot.com/
Innovate on Purpose: Fokus auf nachhaltige Innovationsfähigkeit.
http://www.innovationcreators.com/wp/
Innovation Creators-Blog: „Successful innovation is not about the ideas or inventions; it’s about the people“. Eins der führenden Blogs zum Thema.
Onlinequellen:
http://www.openinnovators.de
Open Innovator: Community für Open Innovation im deutschsprachigen Raum
https://www.innoscore.de
Das kostenlose Internet-Portal zur Selbstbewertung der Innovationsfähigkeit. „Dieses Selbstbewertungsinstrument ist ein Ergebnis des Forschungs- und Entwicklungsprojektes InnoKMU „Verfahren zur Bewertung und Steigerung der Innovationsfähigkeit produzierender KMU“ und wurde unter der Leitung des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) und in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) konzipiert.
Open Innovation Plattformen:
http://www.innocentive.com
http://www.fellowforce.com
http://www.ninesigma.com
Mehr zu diesen Plattformen, hier.
Enterprise 2.0: Wie alles anfing! Download nur noch 4 Wochen kostenlos.
30. September 2007 · von Joerg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Der Artikel, mit dem Andrew McAfee den Begriff „Enterprise 2.0“ geprägt hat („Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration“), ist nun zum kostenlosen Download verfügbar. Vorraussichtlich nur noch für 4 Wochen. Also: Zeit nutzen.
Gefunden bei Andrew McAfee.
Social Media am Arbeitsplatz: teuer und böse?
13. September 2007 · von Carina Waldhoff · 4 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autorin: Carina Waldhoff
An dieser Stelle geht es üblicherweise viel um eine bessere Vernetzung von Wissen und Kontakten. Heute aber geistern über mehrere Kanäle die Ergebnisse einer englischen Studie (die meisten Inhalte noch in der PM des Auftraggebers), die verkürzt besagt: Arbeitnehmer verschwenden ihre Arbeitszeit und kosten Unternehmen Millionen, indem sie im Job auf Seiten wie MySpace, Facebook, Xing etc. unterwegs sind.
Die Studie selbst habe ich leider nicht in die Finger bekommen. Wenn ich aber irgendetwas aus dem (ansonsten … wenig geliebten …) Statistik-Teil meines Studiums mitgenommen habe, dann ist das: Nie einer Studie Lemming-like über den Weg trauen! Deswegen nur ein paar grobe Schätzungen zu den Zahlen, die mir vorliegen:
1. Englische Mitarbeiter „verschwenden“ 200 Mio. Euro täglich, indem sie auf Social Network-Seiten unterwegs sind. Bei einer Bevölkerung von 50 Millionen Einwohnern gehe ich mal großzügig von 20 Millionen Engländern aus, die regelmäßig am Arbeitsplatz Zugang zu onlinefähigen Rechnern haben und komme auf einen Verlust von 10 Euro pro Tag. Ich weiß nicht, wie die 200 Mio. zu Stande gekommen sind, aber in Bezug auf die Wirtschaftskraft eines Mitarbeiters erscheint mir dieser Durschschnittswert dann schon nicht mehr sooo dramatisch.
2. Wohl aus den 3.500 befragten Unternehmen (ordentliche Stichprobe!) hochgerechnet kommt die Studie auf 233 Millionen Stunden, die der englischen Wirtschaft monatlich durch die Lappen gehen auf genannten Seiten. Auch das dividiere ich wieder durch meine angenommenen 20 Millionen möglichen „Arbeitszeit-Verschwender“ und komme auf 12 Stunden im Monat und damit abzüglich aller freien Tage auf deutlich unter einer Stunde täglich, die im Schnitt auf Social Networks entfallen.
3. Auftraggeber der Studie ist eine Kanzlei für Arbeitsrecht. Well – das Internet und die teilweise unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen bieten „a whole lot of new business opportunities“ für Arbeitsrechtler; entsprechend verständlich ist es, wenn Anwälte hier auf betriebliche Regelungen drängen, deren Verletzung lukratives Geschäft auf Jahre bringen würde.
Öffnet man den Horizont dann wieder ein wenig, sind Plattform nicht gleich Plattform und Job nicht gleich Job. Will sagen: Xing z.B. ist sicher business-orientierter als MySpace. Und in vielen Jobs gehört das Networken zum täglich Brot und ist absolut im Interesse des Arbeitgebers. Das tatsächliche arbeitsrechtliche Problem – „Arbeiten Mitarbeiter auch tatsächlich in ihrer Arbeitszeit?“ – existiert nicht erst seit Web 2.0. Früher waren’s eben Privattelefonate, Flurfunken, geistiges Abgleiten… nur, dass die Differenzierung zwischen Arbeiten und privatem Surfen in den heutigen Büro-Umgebungen ohne technische Filter etc. schlechter zu kontrollieren ist (ich meine mich auch zu erinnern, vor einigen Jahren mal von einer „Spiegel-Online-Sucht“-gelesen zu haben; der krankhaften Angst, dass sich in der Welt etwas getan haben könnte, ohne dass ich es in Sekundenschnelle mitbekommen habe…).
Dagegen sind Unternehmen wohl am ehesten gefeit, indem sie ihre Mitarbeiter mit passenden, sinnvollen, motivierenden Aufgaben auslasten. Und für den „Wissensarbeiter“ geht es bei sozialen Netzwerken eben nicht nur um den persönlichen Nutzen durch möglichst viele Kontakte, sondern um Problemlösung und fachlichen Austausch. Und hier profitieren die Unternehmen gewaltig.
Aber jetzt hör ich mal auf, bevor die Abmahnung kommt. Treibe mich schließlich schon wieder ganz schön lange in so einem bösen Blog herum…
Blogs als pragmatisches Kommunikationsinstrument: Fallbeispiel
7. September 2007 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Blogs eignen sich für den Intraneteinsatz als ein schnell aufzusetzendes, kosteneffizientes Mittel, um Mitarbeiter über Marktentwicklungen, Projekte oder Innovationen auf dem laufenden zu halten und sie darüber über die blog-immanenten Feedbackmöglichkeiten, einzubinden.
Bei Suw Charman (Corante) bin ich auf eine etwas ältere, aber dafür ausführliche Fallstudie (PDF, 2,7 MB) gestossen:
Bei einem europäischen Pharmaunternehmen mit etwas 4.000 Mitarbeitern wurden daher eine Reihe von Blogs eingerichtet, die einerseits Umwelt- und Marktinformationen vermitteln, andererseits unternehmensinterne Communities zu vernetzen, die sich mit einzelnen Indikationen beschäftigen:
„we have four blogs organised according to our therapeutic areas
of interest such as oncology and endocrinology. These blogs are restricted to a named user population of approximately 150 people at the moment, comprising marketing, research and development, operations and senior management.“
Die Gründe, weshalb man sich für Bloglösungen entschieden hat, war vor allem die Gegensatz zu anderen IT-Systemen hohe Flexibilität und der geringe Aufwand, um diese einzurichten und zu verwalten.
Was dem Blogeinsatz entgegenkommt ist ausserdem die Tatsache, dass viele Inhalte dafür wie z.B. Marktinformationen unstrukturiert vorliegen und daher für Datenbanklösungen weniger geeignet wären. Von der Tatsache, dass Blogs meist automatisch mit RSS ausgestattet sind, erhofft man sich eine Verringerung des E-mail-Traffics, der zunehmend als Problem wahrgenommen wird.