Social Media am Arbeitsplatz: teuer und böse?
13. September 2007 · von Carina Waldhoff · 4 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autorin: Carina Waldhoff An dieser Stelle geht es üblicherweise viel um eine bessere Vernetzung von Wissen und Kontakten. Heute aber geistern über mehrere Kanäle die Ergebnisse einer englischen Studie (die meisten Inhalte noch in der PM des Auftraggebers), die verkürzt besagt: Arbeitnehmer verschwenden ihre Arbeitszeit und kosten Unternehmen Millionen, indem sie im Job auf Seiten wie MySpace, Facebook, Xing etc. unterwegs sind. Die Studie selbst habe ich leider nicht in die Finger bekommen. Wenn ich aber irgendetwas aus dem (ansonsten … wenig geliebten …) Statistik-Teil meines Studiums mitgenommen habe, dann ist das: Nie einer Studie Lemming-like über den Weg trauen! Deswegen nur ein paar grobe Schätzungen zu den Zahlen, die mir vorliegen: 1. Englische Mitarbeiter „verschwenden“ 200 Mio. Euro täglich, indem sie auf Social Network-Seiten unterwegs sind. Bei einer Bevölkerung von 50 Millionen Einwohnern gehe ich mal großzügig von 20 Millionen Engländern aus, die regelmäßig am Arbeitsplatz Zugang zu onlinefähigen Rechnern haben und komme auf einen Verlust von 10 Euro pro Tag. Ich weiß nicht, wie die 200 Mio. zu Stande gekommen sind, aber in Bezug auf die Wirtschaftskraft eines Mitarbeiters erscheint mir dieser Durschschnittswert dann schon nicht mehr sooo dramatisch. 2. Wohl aus den 3.500 befragten Unternehmen (ordentliche Stichprobe!) hochgerechnet kommt die Studie auf 233 Millionen Stunden, die der englischen Wirtschaft monatlich durch die Lappen gehen auf genannten Seiten. Auch das dividiere ich wieder durch meine angenommenen 20 Millionen möglichen „Arbeitszeit-Verschwender“ und komme auf 12 Stunden im Monat und damit abzüglich aller freien Tage auf deutlich unter einer Stunde täglich, die im Schnitt auf Social Networks entfallen. 3. Auftraggeber der Studie ist eine Kanzlei für Arbeitsrecht. Well – das Internet und die teilweise unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen bieten „a whole lot of new business opportunities“ für Arbeitsrechtler; entsprechend verständlich ist es, wenn Anwälte hier auf betriebliche Regelungen drängen, deren Verletzung lukratives Geschäft auf Jahre bringen würde. Öffnet man den Horizont dann wieder ein wenig, sind Plattform nicht gleich Plattform und Job nicht gleich Job. Will sagen: Xing z.B. ist sicher business-orientierter als MySpace. Und in vielen Jobs gehört das Networken zum täglich Brot und ist absolut im Interesse des Arbeitgebers. Das tatsächliche arbeitsrechtliche Problem – „Arbeiten Mitarbeiter auch tatsächlich in ihrer Arbeitszeit?“ – existiert nicht erst seit Web 2.0. Früher waren’s eben Privattelefonate, Flurfunken, geistiges Abgleiten… nur, dass die Differenzierung zwischen Arbeiten und privatem Surfen in den heutigen Büro-Umgebungen ohne technische Filter etc. schlechter zu kontrollieren ist (ich meine mich auch zu erinnern, vor einigen Jahren mal von einer „Spiegel-Online-Sucht“-gelesen zu haben; der krankhaften Angst, dass sich in der Welt etwas getan haben könnte, ohne dass ich es in Sekundenschnelle mitbekommen habe…). Dagegen sind Unternehmen wohl am ehesten gefeit, indem sie ihre Mitarbeiter mit passenden, sinnvollen, motivierenden Aufgaben auslasten. Und für den „Wissensarbeiter“ geht es bei sozialen Netzwerken eben nicht nur um den persönlichen Nutzen durch möglichst viele Kontakte, sondern um Problemlösung und fachlichen Austausch. Und hier profitieren die Unternehmen gewaltig. Aber jetzt hör ich mal auf, bevor die Abmahnung kommt. Treibe mich schließlich schon wieder ganz schön lange in so einem bösen Blog herum…
Blogs als pragmatisches Kommunikationsinstrument: Fallbeispiel
7. September 2007 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Blogs eignen sich für den Intraneteinsatz als ein schnell aufzusetzendes, kosteneffizientes Mittel, um Mitarbeiter über Marktentwicklungen, Projekte oder Innovationen auf dem laufenden zu halten und sie darüber über die blog-immanenten Feedbackmöglichkeiten, einzubinden.
Bei Suw Charman (Corante) bin ich auf eine etwas ältere, aber dafür ausführliche Fallstudie (PDF, 2,7 MB) gestossen:
Bei einem europäischen Pharmaunternehmen mit etwas 4.000 Mitarbeitern wurden daher eine Reihe von Blogs eingerichtet, die einerseits Umwelt- und Marktinformationen vermitteln, andererseits unternehmensinterne Communities zu vernetzen, die sich mit einzelnen Indikationen beschäftigen:
„we have four blogs organised according to our therapeutic areas
of interest such as oncology and endocrinology. These blogs are restricted to a named user population of approximately 150 people at the moment, comprising marketing, research and development, operations and senior management.“
Die Gründe, weshalb man sich für Bloglösungen entschieden hat, war vor allem die Gegensatz zu anderen IT-Systemen hohe Flexibilität und der geringe Aufwand, um diese einzurichten und zu verwalten.
Was dem Blogeinsatz entgegenkommt ist ausserdem die Tatsache, dass viele Inhalte dafür wie z.B. Marktinformationen unstrukturiert vorliegen und daher für Datenbanklösungen weniger geeignet wären. Von der Tatsache, dass Blogs meist automatisch mit RSS ausgestattet sind, erhofft man sich eine Verringerung des E-mail-Traffics, der zunehmend als Problem wahrgenommen wird.
Motivationsschub: „Alles, außer gewöhnlich“
13. August 2007 · von Carina Waldhoff · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autorin: Carina Waldhoff
Mir ist vor ein paar Wochen „Alles, außer gewöhnlich“ von Anja Förster und Peter Kreuz in die Hände gefallen – nun wirklich kein Geheimtipp mehr, nachdem die beiden Autoren von „Different Thinking“ quer durch die Bank von Wirtschafts- und Fachmedien abgefeiert wurde.
Ich persönlich habe dieses Buch weniger als „To Do“-Ratgeber denn als Motivationsschub gelesen – und das geht richtig gut angesichts der vielen Beispiele aus der Praxis, die es so angenehm von neuro-linguistischer „Chacka-Chacka“-Berieselung unterscheidet.
Ihre Mantras: Sei mutig, gehe Risiken ein, sei offen für Neues, lasse Fehler und Widersprüche zu. Alles für sich genommen altbekannt, aber mit so leidenschaftlichen Gebetsmühlen wiederholt, dass es tatsächlich wie ein kleines Workout auf die Endorphine wirkt. Die Lektüre dieses Buches wird keinen Erbsenzähler zum Jungunternehmer machen, hoffentlich aber zumindest den Fokus insbesondere von Führungskräften beeinflussen: Als liebsten Feind haben Förster und Kreuz die Markforschung bzw. die marktforschungs-Hörigkeit ausgemacht: Die Messages, dass „der Kunde … wesentliche Informationen vorenthalten“ wird (S. 140), kommt an; ebenso wie die Erkenntnis, dass Benchmarking Unternehmen nie, nie, nie (jetzt übernehme ich schon den Stil der Autoren!) über die Mittelmäßigkeit hinaus katapultieren wird. A propos Stil: So sehr die lebendige Rhetorik die Geschwindigkeit des Buchs unterstützt, so sehr wird sie manchmal aus meiner Sicht das kleine Manko (gut, vielleicht kann für Manche(n) der Holzhammer nicht groß genug sein, insofern hat’s seine Berechtigung…). Und es unterstreicht die große „Trau-Dich, sei individuell“-Message. Auch schön: „Unternehmertum“ als Lebenskonzept wird nicht nur anhand grauer Zweireiher, sondern auch mit Besipielen aus anderen Lebensbereichen dargestellt – Picasso als Beispiel für hohe Produktivität, Einstein als Verfechter des „Wo gehobelt wird, da fallen Späne“-Gedankens…
Herzhaft lachen musste ich über den filmischen Vergleich zu Führungskräften, die sich möglichst ähnliche Mitarbeiter „heranzüchten“: Dr. Evil und sein „Mini-Me“ aus Austin Powers. Life is stranger than fiction. Scheinen sich die beiden Autoren auch häufig zu denken. Hirnwäsche der gesundesten Art, lesen!
Ja, wo bloggen sie denn (die Chefs)?
23. Juli 2007 · von Carina Waldhoff · 3 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autorin: Carina Waldhoff
Kleiner „Nachschlag“ zum Thema CEO-Kommunikation (Beitrag v. 20.07.) – auch PR-Blogger Klaus Eck hat die Rolke/Freda-Studie gesehen und stellt sich die Frage „Wo sind die bloggenden Chefs?“.
Hat mich auch neugierig gemacht. Das Siemens-Beispiel vom letzten Herbst, als Mitarbeiter Auszüge des (internen) Blogs an den Spiegel weitergeleitet haben, kann doch nicht alles sein. Also mal gucken, wer sich sonst noch für die Social Media öffnet. Da hätten wir einmal den Blog des AOL Deutschland-Geschäftsführers Torsten Ahlers – bei den Hamburgern gibt’s da wohl eine Tradition, auch sein Vorgänger Charles Fränkl bloggte schon. Die Resonanz: Ganz schön dünn für ein Unternehmen, das so sehr in der Öffentlichkeit steht. Die meisten Kommentare scheinen tatsächlich auf Einladungen/ Verlosungen o.ä. zu kommen.
Deutlich mehr und impulsiven Rücklauf kann da das DocMorris-Blog verzeichnen – wobei Gründer Ralf Däinghaus (Selbstbeschreibung: „Visionär im Rampenlicht“) aber auch, anders als Ahlers, nicht als Privatperson auftritt, sondern eher wie ein sehr rühriger Pressesprecher daherkommt. Bei der direkten Verlinkung von der DocMorris-Startseite und Gestaltung 100-prozentig im CD sind Kommentare in Dutzender-bis Hunderter-Regionen zumindest keine Überraschung – und in die Diskussionen, die zu klaren Slebstläufern werden, kann der Geschäftsführer wohl auch gar nicht mehr eingreifen.Aber für die wirklich interessanten CEO-Blogs müssen wir wohl doch immer noch ins „Land der begrenzten Unmöglichkeiten“ (Abwandlung Wir sind Helden) gucken: Der Blog von Jonathan Schwartz, Sun CEO, bietet wirklichen Mehrwert für alle möglichen Zielgruppen – Gimmicks für „Tecies“, ein paar hintergründige Gedanken jenseits der und über PR und schiere Unterhaltung, einfach gut gemacht.
Außerdem sehr empfehlenswert: Seth Godins Einsteigertipps für angehende CEO-Blogger: „Blogs work when they are based on: Candor, Urgency, Timeliness, Pithiness and Controversy (maybe Utility if you want six). Short and sweet: If you can’t be at least four out of the five things listed above, please don’t bother“… Also perfektes PR-Handwerk + echter Mehrwert + eine ordentliche Portion Charisma.
Sachdienliche Hinweise auf solche Vorzeige-Fälle gerne an mich!
Intranet/ Enterprise 2.0-Downloads bei Avenue A/ Razorfish
25. Juni 2007 · von Jörg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · 1 Kommentar
Autor: Jörg Hoewner
Ob eine Agentur richtig cool ist, zeit sich häufig daran, wie souverän der Laden mit seinem Wissen umgeht. 😉 Ein positives Beispiel scheint mir Avenue A/ Razorfish: Die haben nicht nur ein interessantes Intranet (aus Opensource-Elementen zusammengebaut), sondern die bieten eine Reihe von wirklich interessanten Whitepaper-Downloads rund um das Thema Enterprise Solutions, also um Web2.o im Intranet bzw. „Old-School“ Intranet.
Besondes empfehlen möchte ich den Best Practise Report, daneben A Web2.0 Tour for the Enterprise und (schon älter) Value-Driven Intranet Design.
Klar ist das alles Eigen-PR, aber gut und nützlich gemacht. Das Workplace-Blog wird derweil nicht so fleissig bestückt.