TV vs. Radio: Das Kanzlerduell
5. September 2005 · von Jörg Hoewner · 4 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner, notorischer Wechselwähler „Entertainment is the supra-ideology of all discourse on television.“ (Neil Postman) Ich hatte gestern die Gelegenheit, das Kanzerduell in zwei unterschiedlichen Medien verfolgen zu können: Das komplette Duell im (Auto-)Radio und viele Auszüge aus dem Duell als Wiederholung im Fernsehen. Ich war überrascht über die unterschiedliche Wirkung, die die beiden Medien bei vermeintlich gleichem Inhalt bei mir (und meiner Frau) hervorgerufen haben. Über die Eigenschaften des TV als „kaltes“ Medium (McLuhan) und Print als „heisses“ Medium wurde schon viel geschrieben. Vergleiche zwischen Radio und TV wurden seltener adressiert, aber auch dazu haben sich schon kompetente Leute geäussert. Nun, gestern hatte ich meinen persönlichen Feldversuch, bei der ich ausserdem meine eigene Kontrollgruppe war. Meine Wahrnehmungen: Die Wirkung: Im Radio schien Frau Merkel der Sieger. Sie schien häufiger auf die Fragen geantwortet zu haben, sich gut aus Angriffen von Schröder herauszuargumentieren und vor allem schien sie häufiger auf ihre zukünftige Politik einzugehen (wenn auch manchmal wenig konkret). Schröder dagegen, sicherlich ein souveränder Redner, hat in 90min kein Wort darüber verloren, was er denn in den nächsten vier Jahren zu tun gedenke. Er verstand es geschickt, Fragen so umzubiegen, dass er sie nicht beantwortet musste, sondern dass Frau Merkel letztlich diejenige war, die an ihn gestellte Fragen beantworten musste. Natürlich hat auch sie häufig nicht auf die Fragen der Journalisten geantwortet, wie es Politiker eben häufig tun, aber eben doch häufiger als der Kanzler. Dieser verstand es darüber hinaus besser, Seitenhiebe auszuteilen, sei es auf Frau Merkels Versprecher, auf ihre Position vor dem Irakkrieg, etc.. Im Radio wirkte der Kanzler extrem unsympathisch. Im TV wirkte das (wie auch die Umfragen bestätigen) anders. Durch die Art der Präsentation, die eher lockere Art von Schröder, die gewisse Souveränität, die er ausstrahlte, erzielte er die Wirkung, die er erzielen wollte: Kompetent, jemand, „der Bescheid weiss“. Das Bild kam an. Die unterschiedliche Wirkung erkläre ich mir so: Bilder erzeugen eine andere Art von inhaltlicher Wahrnehmung: Welches Bild wird vermittelt? Welche Gefühle werden erzeugt? Welche Sympathien? Wer hat die meisten Lacher oder Nicker auf seiner Seite? Die inhaltlichen Argumente sind zweitrangig, deren Präsentation gibt den Ausschlag. Im Radio dagegen bekommt man von der Präsentation (bis auf die Stimme) nicht so viel mit, da ist es egal, welche Frisur jemand hat, ob jemand schmollend dreinschaut oder souverän, die Hand in der Hosentasche lässt oder mit den Händen die Luft zerteilt. Da gibt es nur die Möglichkeit, auf die Inhalte (d.h. die Argumentation) und die Stimmlage zu hören. Natürlich rufen auch diese zuweilen Emotionen hervor (vor allem Ärger 😉 ), aber der aufmerksame Zuhörer achtet doch viel mehr auf die Inhalte, weil ihm am Ende auch gar nichts anderes übrigbleibt, während der aufmerksame Zuschauer andere Sinne erregt bekommt. Die entscheidende Frage ist natürlich, welchen Einfluß die Wahrnehmung des Duells auf die Wahlentscheidung nehmen wird. Ich bin gespannt auf die Analysen danach. Hängt die Entwicklung dieses Landes in den nächsten vier Jahren wirklich von einem im Bauch erzeugten Sympathiegefühl ab? Man kann darüber lamentieren, wie arm der öffentliche politische Diskurs heute aussieht. Neu oder originell ist diese Erkenntnis nun wahrlich nicht. Walter Lippman („Public Opinion“) bringt es auf den Punkt: „The larger the number of people, the simpler the communication must be.“
Thema: Neuromarketing und das Ende des Denkens
26. August 2005 · von Jörg Hoewner · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare
Zwischen Puff, Filz und Aufklärung: Volkswagen-Führung zeigt gutes Krisenmanagement – wenn auch mit Anlaufschwierigkeiten
25. Juli 2005 · von Frederik Bernard · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Frederik Bernard | FBKB
Wenn es drauf ankommt, dann geht es doch: Die Führung des Wolfsburger Volkswagen-Konzerns bewies nicht zuletzt durch restlosen Aufklärungswillen, wie Krisenkommunikation funktionieren kann. Schade nur, dass sich das Unternehmen die ersten Tage eher passiv verhalten hat und die aktive Steuerung zunächst den Medien sowie der Politik unter der Führung von Ministerpräsident Wulff überlassen hat.
Dennoch: Auch der designierte Vorstand Wolfgang Bernhard machte bei diesem Theaterstück der ganz besonderen Sorte eine gute Figur – er liess sich nicht treiben und griff zusammen mit Bernd Pischetsrieder aktiv zum Steuer. Was soll er auch anderes tun? Er muss in den nächsten Monaten das stark angeschlagene Schiff Volkswagen wieder auf Kurs bringen.
Diese Krise, die in dieser Form eine neue Qualität bei Deutschen Markenunternehmen darstellt, macht die Notwendigkeit einer präventiven Krisenkommunikation und eines durchgehenden Issues Managements deutlich. Und…. wie wär es denn mit einem Krisenportal auf der Volkswagen-Website? Mit regelmäßigen Infos und tagesaktuellen News, Diskussionforen für Journalisten etc.? Das wäre dann ganz weit vorne …
Schauen wir einmal, ob andere Unternehmen hiervon lernen konnten. Denn die nächste Krise kommt bestimmt.
Buchtipp: Peter Metzinger: Business Campaigning
20. Juli 2005 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · 1 Kommentar
Was Unternehmen von Greenpeace und amerikanischen Wahlkämpfern lernen können.
Autor: Jörg Hoewner
Kurzverdikt: Sehr lesenswert.
Immer, wenn ich meinen Kollegen vom Metzinger erzähle, scheinen sie ihn schon zu kennen und schauen mich an, nach dem Motto „Is doch nix Neues mehr“. Aha. Hmm. Äh, und warum handelt dann keiner so?
Metzingers These: Kommunikation ist in der Wirkung nicht effizient. Nur, wenn alle Medien vernetzt sind und wenn begleitend zur Kommunikation real „interventiert“ wird (das können die berühmten Fabriktorketten-Aktionen sein, aber auch konkrete Prozessveränderungen in einem Unternehmen), kann die optimiale Wirkung bei überschaubarem Mitteleinsatz entfalten. Und alles funktioniert nur, wenn man die relevanten Stakeholder involviert (nicht nur informiert). Womit mir bei meinem Lieblingsthema wären: Stakeholder Involvement.
Metzinger liefert dazu allerlei Checklisten und Anleitungen, die ich ganz gelungen finde, weil sie wirklich helfen können, eine 360Grad-Analyse zu fahren und einen entsprechenden Prozess aufzusetzen.
An manchen Stellen finde ich seine Beispiele allzu wiederholend, im letzten Drittel des Buches fehlte mir der Sinn und die Struktur ein bisschen, vieles schien, als sei es dort hingeschrieben worden, weil es woanders nicht mehr inhaltlich hinpasste. Wie auch immer: Lesenswert.
Peter Metzinger arbeitet jetzt für die anderen, mit seiner Beratung „4C Business Campaigning“.
Ergänzung: Und an einem neuen Buch hat er mitgewirkt: „Handbuch Nachhaltigkeitskommunikation.“ Mehr dazu, siehe Link unten (hab ich noch nicht gelesen).
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Merkel erteilt Plauderverbot: Ist der Wähler dumm oder dumm? Hat offene Kommunikation überhaupt eine Chance?
27. Juni 2005 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Autor: Jörg Hoewner
Eine Mehrwertsteuererhöhung steht zur Debatte, wenn es denn einen Regierungswechsel in diesem Jahr geben soll. Interessant ist, wie darüber kommuniziert wird: Hin und wieder wagt sich jemand aus der CDU dazu hervor und bekommt prompt einen Maulkorb verpasst. So weit, so gut, wir kennen das Spiel… Auch das Spiel, dass inhaltlsleere Floskeln anstatt inhaltliche Substanz in 10-Sekunden-Statements rüberkommen. Nur: Warum ist das so? Sind die Medien schuld (auch!), sind die Politiker schuld (auch!). In meinen Augen mindestens zur Hälfte die Wähler: In dem sie diejenigen abstrafen, die unbequeme Dinge sagen und unbequeme Wahrheiten darüber, was getan werden müsste, um dieses Land wieder auf die Schiene zu bringen. Hierzu habe ich noch von keiner Partei in diesen Wochen Substanzielles gehört. Ok, ich bin ungerecht, wir sollten die Regierungsprogramme abwarten.
Die Frage ist, ob offene Kommunikation honoriert wird. Oder reicht den Leuten nur der Schein, dass alles in Ordnung ist?
Was bedeutet das für Unternehmenskommunikation? Für Corporate Ethics, Nachhaltigkeit, korrektes Verhalten in der kompletten Wertschöpfungskette. Alles ok, so lange nur nichts rauskommt?