Buchtipp: „The Visual Organization“ von Phil Simon
30. Juli 2014 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Infografiken, Datenvisualisierungen, Datenjournalismus: Kaum ein Thema ist so „en vogue“, wie die Frage, wie aus der Visualisierung komplexer Sachverhalte und/oder umfangreicher quantitativer Informationen ein Mehrwert an Erkenntnis gegenüber linearen oder textlichen Formen der Informationsvermittlung generiert werden kann. Wie „Data Visualization“ von Small und Big Data genutzt werden könnte, um sie betriebswirtschaftlich zu nutzen, geht es in diesem Buch. In drei Teilen widmet sich Phil Simon (Twitter: @philsimon) den Themen: Wie ist der Stand in Dingen Datenvisualisierung? Welche Rolle spielt dabei das semantische, visuelle, API-getriebene Netz? Welche Werkzeuge zur Analyse und Visualisierung stehen zur Verfügung? Wie sieht es der Praxiseinsatz aus (anhand dreier Fallbeispiele)? Wie wird eine Organisation „visuell“? Welche Hürden und Fallstricke gibt es, wie umgeht man sie? Insgesamt ist das Buch flüssig geschrieben, dem Thema angemessen gut illustriert und wartet mit einer ganzen Reihe von interessanten Linktipps und Hinweisen auf kostenpflichtige und Open Source-Werkzeuge auf. Allerdings bleiben wichtige Fragen unbeantwortet oder werden nur sehr oberflächlich gestreift:
- Es wird kaum darauf eingegangen, wie man an Daten kommt oder was mögliche Datenquellen sein könnten
- Der Prozess der notwendigen Veränderungen hin zu einer „Visuellen Organisation“ bleibt in der Beschreibung oberflächlich, ja, fast nicht existent.
- Die Fallbeispiele kommen vor allem aus IT- bzw. Online-Unternehmen oder aus dem Bereich Verwaltung (wo umfangreiche Datenmengen natürlicherweise anfallen). Überzeugende Beispiele aus dem KMU-Bereich oder „Bricks-and-mortar“-Bereich fehlen – aber gerade anhand solcher Beispiele wäre die Argumentation am Ende überzeugender geworden.
Trotz der Schwächen: Für den Einstieg in das Thema sicherlich ein gutes Werk, welches den Blick um die Möglichkeiten der betrieblichen Datenvisualisierungen schärft.
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Wenn’s ums große Ganze geht: Präsentieren mit Prezi
4. Juli 2014 · von Diana Diroll-Biergans · 6 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
K12 entwickelt und gestaltet für seine Kunden professionelle Prezi-Präsentationen. Was es damit auf sich hat, für welche Inhalte sich Prezi am besten eignet und was den Unterschied zwischen Prezi und PowerPoint ausmacht, erklärt Julia Klasen, Beraterin für visuelle Kommunikation bei K12, in folgendem Interview.
Was ist Prezi genau?
J. Klasen: Prezi ist ein Programm, mit dem wir Präsentationen auf einem virtuellen Blatt Papier erstellen können. Anders als zum Beispiel bei PowerPoint-Folien gibt uns Prezi unbegrenzten Platz, um komplexe Geschichten zu erzählen – und auch die Möglichkeit, in Details abzutauchen. So lassen sich, ähnlich wie bei einer Mindmap, zahlreiche Verästelungen einbauen und Gedanken weiterverfolgen. Aus technischer Sicht ist Prezi eine flashbasierte, plattformunabhängige Software, die man flexibel nutzen kann: als Web-Anwendung oder offline, auf einem Windows-PC oder Mac. Es gibt sogar eine kostenlose App für das iPad.
Welche Möglichkeiten bietet eine Prezi-Präsentation?
J. Klasen: In Prezi gibt es eine Präsentationsfläche, ein interaktives Whiteboard, auf der sich unterschiedlichste Inhalte einbinden lassen, zum Beispiel Textfelder, Bilder sowie Grafiken und Filme. Der Präsentator kann die Objekte frei bewegen: vergrößern oder verkleinern, drehen oder verschieben – das ist alles kein Problem. Für eindrucksvolle Effekte und variable Ansichten sorgt die Zoom-Funktion, denn durch das Zoomen kann man dargestellte Inhalte vertiefen und Detailinformationen näher beleuchten. Noch dynamischer wirkt die Präsentation, wenn die verschiedenen Objekte durch einen Pfad verbunden sind. Wie bei Google Earth kann man einzelne Inhalte aus unterschiedlichen Perspektiven – aus der Luft oder vom Boden aus – und in 3-D betrachten.
Ist Prezi das bessere PowerPoint?
J. Klasen: Das kann man so nicht sagen, denn jede Präsentation, jeder Vortragende, jedes Publikum und jede Vortragssituation ist anders. Bevor sich ein Kunde für ein Programm entscheidet, sollte er sich bewusstmachen, welches Ziel er mit der Präsentation erreichen möchte. So eignet sich PowerPoint sehr gut, um lineare Argumentationen darzustellen. Da die Folien eine feste Reihenfolge haben, ist PowerPoint eher unflexibel und statisch, die Dynamik liegt ganz beim Präsentator. In Prezi hingegen kann der Präsentierende statt Fakten aneinanderzureihen, seine Geschichte flexibel erzählen und je nach Situation verschiedene Schwerpunkte setzen. Da auf der Präsentationsfläche beliebig viele Inhalte stehen können, lassen sich mit Prezi komplexe Sachverhalte und Strukturen sehr gut visualisieren.
Und welches Programm ist praktikabler?
J. Klasen: PowerPoint ist ein sehr verbreitetes Präsentationsprogramm, das lokal auf der Festplatte gespeichert wird. Um Prezi nutzen zu können, braucht man eine gute Internetverbindung. Es sei denn, man lädt sich die Präsentation als „portable Prezi“ herunter. Diese kann der Nutzer dann offline präsentieren, aber nicht weiter bearbeiten – außer er zahlt. Ein weiteres Manko der freien Version ist der begrenzte Speicherplatz und das präsente Prezi-Logo. Außerdem lässt sich die Präsentation nicht als Handout ausdrucken.
Wie gelingt es, in der Prezi-Präsentation Orientierung zu geben?
J. Klasen: Prezi-Präsentationen wirken schnell unruhig. Man kann von einer Stelle zur anderen springen und ins Bild hinein- oder herauszoomen. Damit die Präsentation nicht den Eindruck vermittelt, es gehe hier um reine Effekthascherei, ist es wichtig, dem Zuschauer einen roten Faden zu bieten, an dem er sich orientieren kann. Gerade weil Prezi keinen linearen Ablauf hat, müssen die Inhalte verständlich und strukturiert sein. Das „Big Picture“ sollte gut erzählt werden und sich logisch aufbauen.
Für welche Anlässe nimmt man besser Prezi, für welche besser PowerPoint?
J. Klasen: Will ein Kunde Inhalte mitreißend und emotional aufbereiten, würde ich ihm zu Prezi raten. Es eignet sich gut für kreative Themen und kann auch komplexe Zusammenhänge visualisieren. Bei klassisch-seriösen Themen, die eine einfache lineare Struktur und Argumentation haben, empfehle ich PowerPoint. Es lässt sich vielseitig für Präsentationen einsetzen.
Prezi und PowerPoint im Vergleich – wie beurteilst du den Aufwand?
J. Klasen: Das kommt ganz darauf an. Man kann auch in PowerPoint sehr viel Aufwand betreiben und umfangreiche Animationen erstellen, die dann fast wie eine Filmanimation wirken. Dabei dürfen Kunden nicht unterschätzen, wie viel Zeit es kostet, um eine professionelle und dynamische Präsentation mit Prezi zu erstellen – obwohl das Programm einfach zu bedienen ist. Wenn nur wenig Zeit bis zum Präsentationstermin bleibt, halte ich PowerPoint für die bessere Lösung.
Was ist das Geheimnis einer professionell gestalteten Präsentation?
J. Klasen: Eine Präsentation sollte trockene Inhalte anschaulich verpacken und verständlich vermitteln. Damit das Publikum sich nicht langweilt, sollten die Informationen kurz gehalten und einprägsam sein. Außerdem ist es wichtig, einen Spannungsbogen zu entwickeln, der sich durchzieht. Eine schlichte Gestaltung gibt den passenden Rahmen.
Ein Shitstorm-Simulator im Einsatz
24. Juni 2014 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
„Shitstorms“ gehörte vermutlich 2013 zu den meistbemühten Begriffen in der Branche. Dahinter steckt die grundsätzlich berechtigte Befürchtung, dass aus negativen Diskussionen in Foren, auf einer Facebook-Seite oder via Twitter eine heftige Eigendynamik von kritischen Posts entsteht.
Unternehmen stehen hier vor dem Problem, dass sie entweder nicht die Ressourcen und Prozesse haben, um mit der Menge der Posts umzugehen, und dass sie zweitens nicht in der Lage sind, inhaltlich auf bestimmte Themen und Argumente einzugehen bzw. zu entscheiden, worauf reagiert und worauf nicht reagiert werden soll.
Kurzum: Sich darauf vorzubereiten gehört mit in die Krisenvorbereitungs-Arbeit.
Tool zum Entwickeln, Üben und Erproben
Im Rahmen eines Workshops zur Krisenkommunikationsvorbereitung für ein Pharmaunternehmen sollten mögliche Verteidigungsstrategien, Ansatzpunkte zur Verbesserung vorbereitender Maßnahmen und proaktive und reaktive Botschaften entwickelt werden.
Für diesen Rahmen haben wir ein online-gestütztes Tool entwickelt, mit dem ein Krisenszenario, dem einer heftigen Social Media-basierten Diskussion, simuliert werden kann.
Es ist so konzipiert, dass eine Nutzergruppe das Unternehmen repräsentiert, beliebige andere Nutzer (also auch räumlich getrennt auftretende) die Rolle von Kritikern und „Angreifern“ übernehmen können. Es soll also in beide Richtungen gepostet, agiert, reagiert werden – natürlich nicht zum Selbstzweck, sondern eingebunden in ein fundiertes Workshop-Konzept inkl. Arbeitsaufgaben und in einen didaktischen Rahmen.
Das Werkzeug orientiert sich in Look & Feel an einem vereinfachten Unternehmensprofil bei Facebook und lässt sich unaufwendig einrichten und spezifische Anforderungen anpassen.
Bei Interesse einfach bei mir melden.
Buchtipp: „The Data Journalism Handbook“ (Diverse Autoren)
27. März 2014 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Vor einigen Wochen habe ich in der Beitragsreihe zum „Interactive Storytelling“ auf das „Data Journalism Handbook“ hingewiesen, welches just Ende 2013 herausgekommen ist.
Zum Thema Datenjournalismus gibt es nicht viel Literatur, einige akademische Werke, Werke speziell zur Informationsvisualisierung, ansonsten ist das relativ dünn. Insofern scheint ein „Handbook“ ein willkommener Input für diejenigen, die sich mit dem Thema aus einer praxisorientierten Sicht auseinandersetzen wollen.
Praxisorientiert geht es auch zur Sache: Themenbereiche sind Vorgehensweise, Arbeitsorganisation, Datenerhebung und Recherche (z.B. Umgang mit Behörden), Analysemöglichkeiten, Werkzeuge, Visualisierungsmöglichkeiten und der Weg von den Daten zur Story.
Das Besondere des Buches – und das ist gleichzeitig seine Stärke und seine Schwäche – es ist von vielen, vielen Praktikern geschrieben. Praktikern von Zeit, Guardian, BBC usw.., die tief im Thema drinstecken und insofern ein ungeheures Wissen angesammelt haben. Das Problem: Jeder schreibt zu einem Aspekt immer nur einige Absätze, dann folgt der nächste Autor. Und so unterscheiden sich Schreibstile (die einen eher sachlich, die anderen subjektiv oder locker) und Detaillierungstiefen zum Teil von Seite zu Seite, eine Überschriftenlogik ist manchmal nicht erkennbar. Das macht ein selektives Lesen schwierig.
Trotzdem: Es werden so viele Aspekte angesprochen, so viele Tipps und Einsichten gegeben, dass das (konkurrenzlose) Buch für den #ddj-ler ein „Must“ ist – und der Preis ist ja mit gut 17 EUR ausgesprochen fair.
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Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 5): Literaturtipps
2. Februar 2014 · von Jörg Hoewner · 4 Minuten Lesedauer · 4 Kommentare
In den letzten vier Folgen habe ich versucht, einen kleinen Überblick über aktuelle Entwicklungen im digitalen Storytelling zu geben, Akteure zu benennen, Beispiele zu zeigen und auf Tools hinzuweisen. Mir ist bewusst, dass ich nicht alle Aspekte darstellen kann. Wer das Thema vertiefen möchte, dem möchte ich noch was zum Nachlesen nahelegen. Zum ersten gibt es einige Bücher, die sich mit journalistisch-redaktionellen Aspekt beschäftigen. Ausgewählt habe ich die folgenden beiden Bücher, weil sie sich mehr als andere mit den multimedialen Aspekten der Aufbereitung von Inhalten widmen:
Sehr bunt und praxisorientiert geht „Texten für das Web“ von Stefan Heijnk an die Sache heran. Gut an dem Buch ist, dass es eben nicht nur ums Texten geht, sondern auch um den weiteren Rahmen redaktioneller Arbeiten für das Web, d.h. auch um die Produktion von Infografiken, Multimedia-Specials, Videos, Podcasts, etc.. Das Buch ist ansprechend durch zahlreiche Beispiele illustriert.
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Etwas konzentrierter und von den Beispielen und beschriebenen Ansätzen her neuer (2013) ist das Buch „Digitales Storytelling: Eine Einführung in neue Formen des Qualitätsjournalismus“ von Simon Sturm. Will man nur ein einziges Buch zum Thema lesen, dann sollte es dieses sein. Ist außerdem dünner, ergo komprimierter und eignet sich so besonders gut für Bus, Tram und Bahn.
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Frisch herausgekommen (Dez 2013) ist das „Data Journalism Handbook“, das neben vielen Beispielen handfeste Tipps für angehende Datenjournalisten – oder nennen wir sie Datenredakteure – geben.
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Eine digitale Publikation über das Handwerkszeug für Journalisten, die sich mit dem mobilen Arbeiten auseinandersetzen wollen, ist der „Mobile Reporting Fieldguide“. In eine ähnliche Richtung geht der „Mobile Security Survival Guide for Journalists“. Der Fokus liegt hier zwar auch auf Technik, aber eher auf dem Survival-Aspekt: Datensicherheit, persönliche Sicherheit, Datenspuren verwischen – Überlebensstrategien, die gerade für Reporter in Krisengebieten wichtig sind.
Daneben war es für mich in der Recherche eigentlich am sinnvollsten, mich via Twitter mit den News der Akteure selbst (Nielsen Lab, Poynter) usw. zu versorgen oder entsprechende Blogs zu abonnieren. Ich habe leider erst relativ spät angefangen, mir auf Twitter Listen dazu zusammenzustellen, aber die sind schon mal ein guter Anfang – und sie wachsen kontinuierlich. Zum Thema passen die folgenden Listen:
- Digital Journalism: https://twitter.com/hoewner/lists/digitaljournalism
- Informationsvisualisierung: https://twitter.com/hoewner/lists/visualization
- Content Marketing: https://twitter.com/hoewner/lists/contentmarketing
Ich bin dankbar für weitere Informationsquellen, für Anregungen und Fragen.
Im nächsten, sechsten und letzten Beitrag zum Thema beschäftige ich mich damit, was aus dem eher journalistisch angehauchten digitalen Storytelling in die Unternehmenskommunikation übertragbar ist.
Beiträge in dieser Reihe:
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 1): Ein Überblick über Akteure und Trends
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 2): (herausragende) Beispiele
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 3): Beispiele unter Einbindung von Social Media
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 4): 33 Tools für Storyteller
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 5): Literaturtipps
Neue Ansätze im (interaktiven) Storytelling (Teil 6): Implikationen für die Kommunikationsarbeit
