Buchtipp: „The hidden power of social networks“ von Rob Cross und Andrew Parker
9. November 2010 · von Jörg Hoewner · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Untertitel: „Understanding how work really gets done in organisations“ Kurzverdikt: Unbedingt empfehlenswert Nein, hier geht es um echte Soziale Netzwerke, nicht die digitalen Pendants. Es geht um organisationsinterne Beziehungen und es geht darum, wie diese Beziehungen mit der Methode der Sozialen Netzwerkanalyse veranschaulicht, analysiert und verbessert werden können. Die Einsatzbereiche reichen dabei von der Organisationsentwicklung, über Innovationsmanagement, Veränderungsmanagement bis hin zur Internen Kommunikation. Und in Bezug auf den Einsatz von SNA in diesem Umfeld ist das Buch inzwischen ein Standardwerk. Es informiert über Ansätze, Methode, Schlüsselbegriffe umfassend, anschaulich (viele Beispiele und Soziogramme) und liefert sogar Checklisten und Fragebögen mit. Zwar wird noch nicht auf Softwarelösungen, die es heute zuhauf gibt, eingegangen, aber auf die Basics. Es wird auch darauf eingegangen, wie die Erkenntnisse genutzt werden können: Was macht man mit „Bottlenecks“, wie fördert man „information brokers“? Welche Rolle spielt Vertrauen? Etc.. Ich habe relativ viel zu Ethnographie und Netzwerkanalyse (zwei vom Erkenntnisinteresse her verwandte, aber nicht nah verwandte Themen) in Organisationen gelesen. Dieses Buch hat mir bisher am besten gefallen.
Perfekte Welle auf der stART 2010
13. September 2010 · von Carina Waldhoff · 6 Minuten Lesedauer · 3 Kommentare
Donnerstag morgen, kurz vor elf in Duisburg und ich muss schmunzeln ob des tollkühnen Claims der diesjährigen stART 2010 – „Riding the Avalanche“ war mir bisher noch gar nicht aufgefallen. Da nimmt ja mal Jemand den Mund voll. Üblicherweise sorgen Lawinen doch eher für Grauen, Opfer, nasse Kälte; meine positivste Assoziation sind noch sabbernde Bernhardiner mit Whisky-Fässchen um den Hals.
Freitag abend, kurz nach fünf: Ganz seltsamer Effekt. Keine Spur von Müdigkeit oder Frust über vielversprechende und nichtssagende Vorträge wie so häufig nach solchen Veranstaltungen, sondern ein wohliger Flow – diese Konferenz hat sich über zwei Tage wirklich zur perfekten Welle gemausert und ich könnte gut noch ein Weilchen weitersurfen.
Nun, wer mich kennt, weiß, wie fern mir die uneingeschränkte Lobhudelei üblicherweise liegt. Darum sollte ich das wohl begründen (die Reihenfolge gibt dabei keine Priorisierung wieder):
- Getragen wurde die ganze Veranstaltung von einem wissbegierigen, teilnehmenden, diskussionsfreudigen Publikum – das versammelte Kulturvolk war weit von Schockstarre entfernt, sondern enorm gut gelaunt, produktiv und aufgeschlossen. Hier könnte sich so mancher Konzern mit einem Vielfachen an Ressourcen eine Scheibe Tatendrang und Mut abschneiden (Dieser Punkt gehört vielleicht doch ad eins).
- Die Organisation: Unglaublich, was drei vier Organisatoren „so nebenbei“ gewuppt haben – von der Anmeldung bis zum Tschüss-Sagen lief alles wie am Schnürchen, die Pausen waren lang genug, um nach Currywurst und Gesprächen wieder pünktlich in der Veranstaltung zu sitzen, fiel ein Vortrag aus, gab’s zwei neue zum Trost, aber vielleicht bilde ich mir das nur ein. Ein Wahnsinns-Aufgebot an Rednern, die alle sowohl die innere Stoppuhr laufen hatten als auch professionelle Präsentationen (bei meiner Auswahl zumindest). Ein Moderator (Frank Tentler), der grandios aufs Wesentliche pochte („nur schlechte Erfahrungen und was Sie daraus gelernt haben, bitte“) und das Publikum ins Gespräch holte. Einziger Kritikpunkt: Wie, bitte, soll man sich zwischen teilweise sieben guten Angeboten parallel entscheiden?!? Ich wurde gelegentlich zur Veranstaltungs-“Hopperin“, weil ich einfach nichts verpassen wollte. Diese fürchterliche Belastung massierte der freundliche Massage-Service zum Nachtisch weg, für lau.
- Die Inhalte. Ein Mix aus Best Practise, interessanten Geschäftmodellen, Diskussionen und wissenschaftlichen Diskursen. Selbst letztere waren keine selbstverliebten Exkurse, sondern hatten ein „Versöhnungsbedürfnis“ (Patrick Breitenbach, „Kulturkommerzialisierung ohne Gesichtsverlust“) oder fokussierten auf den gesunden Menschenverstand, dem überhaupt immer wieder gehuldigt wurde in diesen zwei Tagen („Don’t ask me to marry you after the first date“ – Marc van Bree: „A framework for Social Media Strategy“, eines meiner Highlights, oder auch Frank Tentlers gebetsmühlenartiges „Sie kommunizieren da mit ECHTEN MENSCHEN“). Scheinbar dröge Stoffe wie „Recht in Social Media“, von Henning Krieg unterhaltsam auf Praxistipps eingedampft. Die Erinnerung daran, worum es geht, nämlich den Abstand zu verringern zwischen Sender und Empfänger, was super geht mit einem Gerät wie dem iPhone, das man am Körper trägt und „sogar streichelt“ (Carsten Winter in seinem Eröffnungsvortrag. Von ihm auch das schöne Beispiel für „Ausdifferenzierung in der Kultur“ anhand des Fernsehens: Irgendwann einmal war es eine Herausforderung, regelmäßig ‚Bonanza‘ zu sehen. Dann wurde es schon schwieriger, dank ‚Dallas‘ („plötzlich waren da Frauen!“). In den Achtzigern `’Miami Vice‘ (wer ist gut, wer, ist böse?) und irgendwann dann ’24‘ (alle sind alles, und das gleichzeitig).
Was bleibt von der StART 2010?
Ein paar Eindrücke, die sich noch sortieren wollen:
- Neues Selbstbewusstsein für „weiche“ Erfolgsfaktoren (Nicole Simon: „Wenn Sie einen Zahlenmenschen vor sich haben, geben Sie ihm irgendwelche Zahlen zum Spielen, beschäftigen Sie ihn“): „Earning Attention“ ist beinhart, alternativlos und gelingt nur, wenn die Ziele klar sind. Marc van Bree brachte diese nachhaltige Erfolgsorientierung mit dem Tipp „define a mission statement inspired goal“ auf den Punkt. Eine „harte“ Zahl fiel bei Christoph Müller-Girod: 14 Prozent Besucherzuwachs bei den Duisburger Philharmonikern nach nur einem halben Jahr Social Media-Engagement; ergänzend zum mitschwingenden weichen Ziel „mehr junge Zuschauer zwischen den Silberrücken“.
Die Erkenntnis, dass die meisten der Teilnehmer im letzten Jahr unglaublich viel gelernt haben – hauptsächlich durch Fehler (eine neue Fehlerkultur in deutschen Unternehmen und Institutionen? Ein Traum …). - Der auszuhaltende Gegensatz zwischen Bedrohungen (auch durch profanes „Abwarten“) und Möglichkeiten, die man aber auch erst einmal sehen muss („ALLOW people to become your evangelists!“- Shelley Bernstein). Ein kultureller Clash innerhalb der Institutionen, der auch schon einmal dazu führt, dass Marketingleiter nach enorm erfolgreichen Projekten wie der „Opera en el Mercado“ des Palau de les Arts in Valencia gefeuert werden, weil die Altvorderen jeglicher positiver Resonanz zum Trotz glauben, so viel Popularität passe nicht zu ihnen.
- Die, für mich etwas ernüchternde, Einsicht, dass absurderweise niemand von der Vielfalt im Social Web so sehr profitiert wie die Wannabe-Monopolisten – keine Netzwerkaktivität ohne Facebook, keine erfolgversprechende App an iPod vorbei.
Und schließlich: Ein Haufen Videos, Präsentationen etc. zur stART hier und hier (Social Media Newsroom).
Aktualisierung 14.10.: das Echtzeit-Archiv mit Blogposts, Bildern, Präsentationen etc hier: http://bit.ly/stART10
Bye bye FUD: US-Army gut gerüstet für Social Media
5. August 2010 · von Carina Waldhoff · 2 Minuten Lesedauer · 2 Kommentare
Ich habe gerade einen schönen neuen Begriff kennengelernt: den FUD-Factor – Fear, Uncertainty and Doubt; gemeint ist die zweifelhafte aber gern praktizierte Strategie, Menschen über Angst und bewusste Falschinformation zu manipulieren.
Sowohl Angst als auch Vertrauen sind wahre Bumerangs in der Kommunikation: Wie man sie auswirft, so kehren sie wieder. Kein Wunder, dass gerade Unternehmen mit restriktiver Kommunikation und Misstrauen in ihre Mitarbeiter immer wieder öffentlich im Regen stehen, während die mutigeren mit der langen Leine wenig Schaden nehmen.
Shel Holtz zeigt ein wunderbares Beispiel für eine Institution, die sich den Realitäten einer digital vernetzten Welt stellt und ihre Mitarbeiter befähigt anstatt zu knebeln: Die US Army bzw. das Department of Defense. Das amerikanische Verteidigungsministerium stellt mit seinem Social Media Hub ein ganzes Portfolio an Social Media Guidelines etc. zur Verfügung. „Embedded media“ andersherum, sozusagen.
Kurzer Blick auf die Guttenberg-Truppe: Auch hier begibt man sich seit Anfang des Monats verstärkt in Social Media – dafür sorgen ein eigener YouTube– und Flicker-Channel sowie ein Twitter-Account. Ja, die Bundeswehr kennt sogar eine Zielgruppe namens „Multimediale“ (Kasten unten) YouTube-Kanal werden Kommenare erst nach Sichtung zugelassen, und der Twitter-Kanal ist so aktiv und überlegt gepfegt, dass sich so eine Unternehmen eine Scheibe davon abschneiden könnten. Einziger Wermutstropfen: Follower werden zwar genr genommen, aber anderen Twitterati zu folgen steht bisher wohl noch nicht auf der Agenda (da ist ihnen die US-Army aber auch nur eine Schnabellänge voraus.)
In Sachen Rekrutierung ist allerdings die Army Down Under ganz weit vorn (wenn wir schon über „Bumerangs“ sprechen 😉
Schokoladenseiten
28. Juli 2010 · von Carina Waldhoff · 1 Minute Lesedauer · Keine Kommentare
Das Thema „Corporate Blogs“ kam mir in den letzten Monaten etwas stiefmütterlich behandelt vor. Umso mehr freue ich mich, mal wieder über positive Erfahrungen mit einem offensichtlich gut durchdachten und sorgsam gepflegten Blog-Projekt zu lesen, und zwar von der betreuenden Agentur:
Tobias Spörer von Elbkind berichtet im PR-Blogger über die fast organische Entwicklung des Ritter Sport-Blogs. Glaubwürdig und überzeugend, sagt der Schokoladen Junkie (und verehrt einen Sonderpreis an Klaus Eck für den besten Disclaimer ever: „10 Kilo Schokolade zum Verteilen an Influencer“ – weißer Neid!)
Social Media Monitoring: Alles für die Tonne?
28. Juli 2010 · von Carina Waldhoff · 2 Minuten Lesedauer · Keine Kommentare
Selbstverständlich nicht. Aber gleich zwei Autoren teilten in letzter Zeit mein Unbehagen ob schöner, bunter, aber sinnfreier Monitoring-Dashboards für Social Media:
Jed Hallam (dessen Headline ich hier geklaut habe) prangert die Bequemlichkeit vieler Unternehmen an, sich inhaltlich mit dem, was sie messen, auseinanderzusetzen. Dann wird’s tatsächlich „absolutely pointless„.
Und MetricsMan Don Bartholomew gibt ein paar konkrete Beispiele für mögliche Kennzahlen und Messziele – selbstverständlich ist es ein unterschied, ob zum Beispiel das CRM in Social Media verbessert werden soll oder die Bekanntheit eines Produktes gesteigert werden soll.
Nur, um nicht falsch verstanden zu werden: Nichts spricht gegen eine gute Visualisierung von Ergebnissen, Dashboards, die den Verantwortlichen im Unternehmen „ihre“ Daten verdeutlichen. Aber die Tools müssen dies gewärleisten (Radian 6 zum Beispiel ermöglicht eine individuelle Gewichtung verschiedener Kennzahlen wie Anzahl der Kommentare etc.) und vor allem müssen Unternehmen und ihre Agenturen sie entsprechend füttern.
Form follows function, nicht umgekehrt.